Berufliche Aufstiegsfortbildung

Einführung

"Schuster bleib bei Deinem Leisten" –mit diesem Sprichwort wurden bis in die späten 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein Generationen von Schulabgängern – vielfach für den Rest ihres Lebens – einer bestimmten Ausbildungs- und Berufslaufbahn zugeordnet, die bereits wesentlich vorgeprägt war durch die in Jugendjahren absolvierte Schullaufbahn. Aus Hauptschülern wurden Handwerker und aus gymnasialen Abiturienten rekrutierte sich die kleine Gruppe der Akademiker. Diesem Denken in soziologischen Kategorien stellten zahlreiche Bildungspolitiker in den vergangenen 3 Jahrzehnten dann gegen manchen gesellschaftlichen Widerstand die Durchlässigkeit der Schulsysteme entgegen. Seit wenigen Jahren kann ein Hauptschüler mit solider handwerklicher Ausbildung sogar einen Hochschulabschluss erreichen. Die berufliche Aufstiegsfortbildung, die es z. B. einem Handwerksgesellen aber zunächst erst einmal ermöglicht, von finanziellen Engpässen und Nöten weitgehend frei, den Meisterbrief zu erlangen, stellt ein wesentliches Element im System der beruflichen Bildung in Deutschland dar. Die Sprosse vom Gesellen zum Meister zu erklimmen, ist ein wichtiger Schritt. Der Letzte auf der Karriereleiter muss er dagegen inzwischen nicht mehr sein.

 

Rechtsquellen

Die gesetzlichen Grundlagen stellt das "Gesetz zur Förderung der beruflichen Aufstiegsfortbildung – Aufstiegsfortbildungsgesetz" (AFBG) dar.

1 Rechtsvorschriften

1.1 Regelungen zur Aufstiegsfortbildung

Die berufliche Aufstiegsfortbildung hat, von Generationen von gewerblichen und handwerklichen Leitungskräften durch private Ersparnisse, familiäre Förderungen und Ehegatten-Mitarbeit oft mühsam finanziert, unter dem markanten Stichwort "Meister-BAföG" im Jahr 1996 eine grundlegend neue rechtliche und ökonomische Grundlage erhalten.

Mit dem, so der offizielle Titel, "Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz" vom 23.4.1996, abgekürzt: AFBG[1], das sogar rückwirkend zum 1.1.1996 in Kraft trat, hat der Bundesgesetzgeber vor nunmehr über 2 Jahrzehnten dem auf die zumeist studentische Jugend ausgerichteten "BAföG" ein paralleles Regelwerk zur Förderung des handwerklichen und gewerblichen Führungsnachwuchses an die Seite gestellt. Wenngleich der Begriff "Meister-BAföG" vermuten lässt, die Regelungen richteten sich nur an zukünftige Handwerksmeister(innen), begünstigen sie auch den zukünftigen Führungsnachwuchs im kaufmännisch-gewerblichen Bereich.

Bereits das zum 1.1.2002 in Kraft getretene 1. AFBG-Änderungsgesetz brachte gegenüber dem Gesetz von 1996 erhebliche Verbesserungen. Ihm folgte das AFBG in der Fassung des 2. AFBG–Änderungsgesetzes vom 19.6.2009[2], zuletzt geändert durch Art. 3 des Gesetzes zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt vom 20.12.2011[3] das im Wesentlichen zum 1.4.2012 in Kraft trat.[4]

Die jüngste Entwicklungsstufe bildet das 3. Gesetz zur Änderung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes vom 4.4.2016 mit Geltung ab 1.8.2016.[5]

[1] BGBl. I S. 623.
[2] BGBl. I S. 1322, bereinigt: S. 1794.
[3] BGBl. I S. 2854.
[4] Art. 51 des Gesetzes.
[5] BGBl 2016 I S. 585.

1.2 Sonstige Rechtsvorschriften

Neben dem AFBG in seiner jeweils aktualisierten Fassung sind noch weitere Gesetze und Regelwerke zu beachten, die ihrerseits wiederum Bezug nehmen auf das AFBG oder hierauf verweisen. Es sind dies u. a.

1.3 Aktuelle Reform

Mit dem 3. Änderungsgesetz vom 4.4.2016 verfolgt die Bundesregierung das Ziel, durch Leistungsverbesserungen, durch die Erweiterung der Fördermöglichkeiten und durch strukturelle Modernisierungen im Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) berufliche Aufstiegsfortbildungen noch attraktiver zu machen. Mögliche Hemmschwellen Fortbildungsinteressierter bei der Unterbrechung der Erwerbstätigkeit, der Vereinbarkeit von Fortbildung, Beruf und Familie oder der Finanzierung werden abgebaut. So sollen noch mehr Menschen für anspruchsvolle Aufstiegsfortbildungen im dualen System beruflicher Bildung gewonnen werden. Zugleich soll ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fach- und Führungskräftenachwuchses aus dem dualen System für Wirtschaft und Gesellschaft geleistet werden.

Die Durchlässigkeit aus der akademischen Bildung in die berufliche Aufstiegsfortbildung soll durch die Öffnung der AFBG-Förderung für Hochschulabsolventen mit einem Bachelorabschluss als höchstem Hochschulabschluss ausgebaut werden. Für eine AFBG-geförderte Prüfungsvorbereitung wird nunmehr konsequent an die Prüfungszulassungsvoraussetzungen der jeweiligen Fortbildungsordnung angeknüpft. Dadurch sollen zukünftig auch Teilnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die moderne Zugänge zur Aufstiegsprüfung in Fortbildungsordnungen – etwa für Studienabbrecher – nutzen wollen, bei einer Vorbereitungsmaßnahme mit AFBG gefördert werden können.

Darüber hinaus soll durch das Gesetz die Gleichwertigkeit des beruflichen mit dem akademischen Qualifizierungsweg gestärkt werden. Durch das 25. Gesetz zur Änderung des Berufsausbildungsförderungsgesetzes[1] sind in ...

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