Berufliche Aufstiegsfortbil... / 2.2 Vorqualifikation

Dem noch bis zum 31.7.2016 (§ 30 AFBG) geltenden Begriff der "Eignung" folgt ab 1.8.2016 unter dem § 9 die Regelung betreffend die "Vorqualifikation der Teilnehmer und Teilnehmerin". Die Vorschrift regelt die nach der Fortbildungsordnung für die Prüfungszulassung notwendige Vorqualifikation explizit als persönliche Fördervoraussetzung. Hiermit ist keine Änderung der bisherigen Rechtslage verbunden. Der gestrichene § 2 Abs. 1 Nr. 1 regelte bisher, dass eine Förderung auch bei Erfüllen der persönlichen Prüfungszulassungsvoraussetzungen nur dann in Betracht kommt, wenn nach der Fortbildungsordnung ein Prüfungszugang nur über bestimmte Vorqualifikationen (abgeschlossene Berufsausbildung oder langjährige Berufspraxis) möglich war ("abstraktes Aufstiegsniveau"). Durch die Aufhebung dieser Regelung, die gleichzeitig Basis für die persönliche erforderliche Vorqualifikation war, war diese nunmehr explizit zu regeln. Der Absatz 1 regelt den Grundsatz, dass Teilnehmer vor Beginn der Maßnahme über die nach der jeweils einschlägigen Fortbildungsordnung für die Prüfungszulassung erforderliche berufliche Vorqualifikation verfügen müssen. Es kommt somit allein auf das individuelle Erfüllen der Voraussetzungen für die Prüfungszulassung an. Welche qualitativen Anforderungen an die Zulassungen zur Fortbildungsprüfung gestellt werden, liegt in der Verantwortung des für den Erlass der jeweiligen Fortbildungsordnung zuständigen Hoheitsträgers. In aller Regel setzen Fortbildungsordnungen eine abgeschlossene geregelte Berufsausbildung und teilweise zusätzliche mehrjährige Berufspraxis voraus. Einzelne Fortbildungsordnungen enthalten allerdings schon jetzt weitere Regelzugänge, etwa für akademisch (Teil-)Qualifizierte.

 
Praxis-Beispiel

Zugangsvoraussetzungen sind in Fortbildungsordnungen konkret geregelt

Zum Fortbildungsziel "Geprüfter Handelsfachwirt" kann zugelassen werden, wer mindestens 90 ECTS-Punkte in einem betriebswirtschaftlichen Studium erworben hat und über eine mindestens 2-jährige Berufspraxis verfügt. Zur Fortbildung "Geprüfter Bilanzbuchhalter" werden auch Absolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums und anschließend mindestens 2-jähriger Berufspraxis zugelassen.

Fortbildung grundsätzlich erst nach Abschluss einer ersten Ausbildung

Grundsätzlich sind Aufstiegsfortbildungen so konzipiert, dass sie nicht nur formal die nächste Stufe nach einem Erstausbildungsabschluss bilden, sondern auch auf die Inhalte einer Ausbildung oder einer vorangegangenen ersten Aufstiegsfortbildung aufbauen. Daher sind bei einer sinnvollen Überlappung von Aus- und Aufstiegsfortbildung – unabhängig von Fördermöglichkeiten – bereits enge pädagogische und logische Grenzen gesetzt.

Sobald die Vorbereitung auf das Fortbildungsziel bereits während der noch laufenden Erstausbildung oder vor einem vorausgesetzten ersten Fortbildungsabschluss beginnen soll, muss durch den Fortbildungsplan und die Anerkennung dieses speziell konzipierten Programms durch die Prüfstelle nachgewiesen werden, dass ein sinnvoller pädagogischer Aufbau gewählt worden ist. Damit soll der von der jeweiligen Fortbildungsordnung regelmäßig geforderte konsekutive Aufbau der Inhalte von Aus- und Aufstiegsfortbildung gewahrt bleiben.. Das auf diesen Erfahrungen aufbauende Lernen ist ein zentrales Wesensmerkmal der beruflichen Bildung (§ 1 Abs. 3 und 4 BBiG). Wenn ein als Vorqualifikation für die Prüfungszulassung erforderlicher erster Fortbildungsabschluss erst durch die Prüfung über den ersten Maßnahmenabschnitt nach dessen letztem Unterrichtstag erworben werden kann, ist der Erwerb vor Beginn des zweiten Maßnahmenabschnitts ausreichend.

Bereits während der laufenden Erstausbildung mit einer Prüfung abgeschlossene Fortbildungen oder Maßnahmenabschnitte mit eigenständiger Prüfung werden nicht gefördert.

Erwerb von Berufspraxis während der Fördermaßnahme

§ 9 Abs. 3 AFBG regelt, unter welchen Voraussetzungen noch während der Maßnahme zu erwerbende Berufspraxis einer Förderung nicht entgegensteht. Einige Fortbildungsordnungen erfordern für die Prüfungszulassung zusätzlich zu einem bestimmten Abschluss eine 1- bis 5-jährige ergänzende, in der Regel einschlägige Berufspraxis. Die erforderliche Berufspraxis kann anknüpfend an den jeweiligen Abschluss hinsichtlich der erforderlichen Dauer gestaffelt geregelt sein und muss aus förderrechtlichen Gesichtspunkten bis zum letzten Unterrichtstag der Maßnahme erworben werden. Die konkrete Möglichkeit muss durch geeignete Nachweise (z. B. Arbeitsvertrag) gegenüber der Prüfstelle, die dies gegenüber der Bewilligungsstelle bescheinigt, glaubhaft gemacht werden.

Förderung auch für Studenten mit Bachelorabschluss

§ 9 Abs. 4 AFBG regelt den Zugang für bislang vollständig von der Förderung ausgeschlossene akademisch Qualifizierte mit einem Bachelorabschluss als höchsten akademischen Abschluss. Durch diese Öffnung der AFBG-Förderung wird die Durchlässigkeit aus der akademischen in die berufliche Bildung und die Attraktivität eines Wechsels in das berufl...

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