bAV: Entgeltumwandlung / 5 Herabsetzung von künftigem Arbeitslohn

Arbeitnehmerfinanzierte betriebliche Altersversorgung kann grundsätzlich nur durch die Herabsetzung von künftigem Arbeitslohn erfolgen. Die Finanzverwaltung lässt allerdings aus Vereinfachungsgründen zu, dass die Entgeltumwandlung auch bereits erdienten Arbeitslohn umfasst, wenn er noch nicht fällig ist. Die Regelung gilt sowohl für laufenden Arbeitslohn als auch für Einmal- und Sonderzahlungen. Bei Einmal- und Sonderzahlungen gilt dies selbst dann, wenn diese einen Zeitraum von mehr als einem Jahr betreffen.

 
Praxis-Beispiel

Entgeltumwandlung einer Einmalzahlung

Der Arbeitgeber schließt im Oktober 2021 für den Arbeitnehmer einen Direktversicherungsvertrag (Rentenversicherung) ab. Die Direktversicherung wird durch Entgeltumwandlung der tarifvertraglich geschuldeten Weihnachtsvergütung von 1.500 EUR finanziert. Die Weihnachtsvergütung wird am 1.12.2021 zur Auszahlung fällig.

Ergebnis: Auch wenn der Anspruch auf Zahlung der Weihnachtsvergütung im Zeitpunkt der Entgeltumwandlung bereits anteilig erdient wurde, soweit er auf Januar bis September 2021 entfällt, ist die Entgeltumwandlung steuerlich möglich. Entscheidend ist, dass die Barlohnumwandlung vor Fälligkeit vereinbart wurde. Die umgewandelte Weihnachtszuwendung ist deshalb in vollem Umfang steuerfrei.[1]

 
Praxis-Beispiel

Entgeltumwandlung von laufendem Arbeitslohn

Der monatliche laufende Arbeitslohn des Arbeitnehmers i. H. v. 3.500 EUR wird jeweils nachträglich zum 20. des darauffolgenden Monats fällig und ausgezahlt. Der Arbeitnehmer trifft mit seinem Arbeitgeber am 19.5.2021 eine Vereinbarung, wonach der Arbeitslohn um 100 EUR zugunsten einer Direktzusage herabgesetzt wird.

Ergebnis: Die Entgeltumwandlung kann sich steuerlich wirksam bereits auf Arbeitslohn ab April 2021 erstrecken. Der Arbeitslohn für den Monat April 2021 wurde durch den Arbeitnehmer zwar bereits erwirtschaftet, er wird jedoch erst am 20.5.2021 zur Auszahlung fällig. Im Rahmen der Lohnabrechnung für Kalendermonate ab April 2020 sind deshalb nur noch 3.400 EUR dem Lohnsteuerabzug zu unterwerfen.

Der steuerlich wirksamen Entgeltumwandlung steht nicht entgegen, wenn

  • die Herabsetzung des Arbeitslohns zeitlich begrenzt ausgesprochen wird,
  • der Arbeitnehmer oder der Arbeitgeber die Gehaltsminderung für künftigen Arbeitslohn einseitig ändern können,
  • der bisherige ungekürzte Arbeitslohn weiterhin Bemessungsgrundlage für künftige Erhöhungen des Arbeitslohns oder andere Arbeitgeberleistungen (z. B. Weihnachtsgeld, Tantieme, Jubiläumszuwendungen, betriebliche Altersversorgung) bleibt.
 
Praxis-Beispiel

Bemessungsgrundlage für andere Arbeitgeberleistungen

Ein Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoarbeitslohn von 4.000 EUR verzichtet auf 100 EUR/Monat zugunsten einer Pensionszusage. Nach den Vereinbarungen im Arbeitsvertrag wird als Weihnachtsgratifikation ein weiteres Monatsgehalt gezahlt.

Ergebnis: Die Entgeltumwandlung wird auch anerkannt, wenn als Weihnachtsgratifikation weiterhin ein Betrag i. H. v. 4.000 EUR gezahlt wird. Der laufende Arbeitslohn unterliegt nur i. H. v. 3.900 EUR dem Lohnsteuerabzug.

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