bAV: Direktversicherung, Pe... / 4.11 Nachholung der Steuerbefreiung bei ruhendem Dienstverhältnis

Seit 2018 kann die Steuerbefreiung für Kalenderjahre nachgeholt werden, in denen das Dienstverhältnis des Arbeitnehmers zum Arbeitgeber ruhte. Eine Nachzahlung kommt insbesondere für Zeiten einer Entsendung ins Ausland, während der Elternzeit oder eines Sabbatjahres in Betracht. Voraussetzung ist, dass

  • von einem Arbeitgeber für ein ganzes Kalenderjahr kein steuerpflichtiger Arbeitslohn im Inland bezogen wurde und
  • der Arbeitgeber in diesen Zeiten keine Beiträge nach § 3 Nr. 63 Satz 1 EStG geleistet hat.

Im Zeitraum des Ruhens und im Zeitpunkt der Nachzahlung muss ein erstes Dienstverhältnis vorliegen. Der Nachweis des ersten Dienstverhältnisses[1] ist vom Arbeitgeber zu führen. Dies kann z. B. über die abgerufenen ELStAM-Daten, eine Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug oder auch durch eine schriftliche Bestätigung des Arbeitnehmers erfolgen.

Steuerfreies Volumen

Das steuerfreie Volumen beträgt 8 % der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung (West), vervielfältigt mit der Anzahl der Kalenderjahre, in denen das Dienstverhältnis ruhte, max. jedoch 10 Kalenderjahre.[2] Maßgebend ist die Beitragsbemessungsgrenze des Kalenderjahres, in dem die Nachzahlung der Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung des Arbeitnehmers erfolgt.[3] Berücksichtigt werden auch Kalenderjahre vor 2018, sofern die Nachzahlung ab dem 1.1.2018 erfolgt. Überschreiten die nachgezahlten Beiträge das höchstmögliche Volumen aufgrund der Nachholungsregelung, bleibt auch der übersteigende Betrag steuerfrei, soweit der Höchstbetrag[4] des aktuellen Jahres (2021: 6.816 EUR) noch nicht durch laufende Beitragszahlungen aufgezehrt ist.

 
Praxis-Beispiel

Nachzahlung von Beiträgen für eine Direktversicherung

Arbeitnehmer A steht seit 15 Jahren in einem Dienstverhältnis. Sein Arbeitgeber entrichtet für ihn seit 2010 Beiträge zu einer Direktversicherung i. H. v. 400 EUR monatlich.

  1. A hat sich in der Zeit vom 1.1.2018 bis 31.12.2020 ohne Anspruch auf Arbeitslohn beurlauben lassen. Ab 1.1.2021 arbeitet er wieder. Sein Arbeitgeber zahlt ab 2021 wieder monatlich 400 EUR in die Direktversicherung ein. Im Kalenderjahr 2021 werden außerdem Beiträge für 36 Monate nachgezahlt, insgesamt also 14.400 EUR.
  2. Die Beurlaubung dauerte vom 1.2.2018 bis 31.12.2020. Im Kalenderjahr 2021 werden außerdem Beiträge für 35 Monate nachgezahlt, insgesamt 14.000 EUR.

Ergebnis Fall 1: Aufgrund der Nachholungsregelung bleiben 2021 neben den laufenden Beiträgen von 4.800 EUR auch die Beiträge für 2018 bis 2020 i. H. v. 14.400 EUR (3 x 4.800 EUR) steuerfrei, da das steuerfreie Volumen für die nachgezahlten Beiträge insgesamt 20.448 EUR beträgt (3 Kalenderjahre x 8 % x 85.200 EUR).

Ergebnis Fall 2: Das steuerfreie Volumen aufgrund der Nachholungsregelung beträgt nur 13.632 EUR (2 Kalenderjahre x 8 % von 85.200 EUR), da nur ganze Kalenderjahre in die Ermittlung des steuerfreien Volumens einfließen. Darüber hinaus gilt wie im Fall 1 die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 63 Satz 1 EStG von 6.816 EUR. Da die laufenden Beiträge in 2021 nur 4.800 EUR betragen, verbleibt noch ein steuerfreies Volumen von 2.016 EUR (6.8164 EUR – 4.800 EUR). Von der Nachzahlung von 14.000 EUR bleiben folglich 13.632 EUR nach § 3 Nr. 63 Satz 4 EStG und 368 EUR nach § 3 Nr. 63 Satz 1 EStG steuerfrei.

Pauschalierung für Nachzahlungen

Nachzahlungen zu Direktversicherungen und kapitalgedeckte Pensionskassen können – soweit die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind – bis zur Höhe von 1.752 EUR ggf. auch nach § 40b EStG a. F. pauschal versteuert werden. Tatsächlich pauschalierte Beiträge mindern das steuerfreie Volumen von 6.816 EUR.

Zeitlicher Zusammenhang

Die Inanspruchnahme der Nachholungsregelung setzt einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Ruhen des Dienstverhältnisses voraus. Dieser Zusammenhang ist indiziert, wenn die Beiträge und Zuwendungen für die bAV spätestens bis zum Ende des Kalenderjahres, das auf das Ende der Ruhensphase folgt, nachgezahlt werden. Die Nachholung kann in einem Betrag oder in mehreren Teilbeträgen erfolgen. Bei Teilbeträgen gilt die Beitragsbemessungsgrenze des Jahres der ersten Teilzahlung. In dem Kalenderjahr, in dem die Ruhensphase endet (Erstjahr) sowie im darauffolgenden Kalenderjahr (Zweitjahr), können die Steuerbefreiungen nach § 3 Nr. 63 Satz 1 EStG und § 3 Nr. 63 Satz 4 EStG nebeneinander in Anspruch genommen werden.

 
Praxis-Beispiel

Nachholung in Teilbeträgen

Arbeitnehmer A befindet sich in der Zeit vom 1.3.2018 bis 31.10.2021 auf einem Auslandseinsatz. Der Arbeitslohn während dieses Zeitraums ist nach den Vorschriften des DBA steuerfrei. Der Arbeitnehmer war bis Februar 2018 in einem Pensionsfonds mit einem monatlichen Beitrag von 200 EUR versichert. Vom 1.3.2018 bis 31.10.2021 ruhte die Versicherung in dem Pensionsfonds. Ab 1.11.2021 wird die Versicherung in dem Pensionsfonds fortgeführt. Für den Zeitraum des Auslandseinsatzes werden die Beiträge nachgezahlt. Insgesamt leistet der Arbeitgeber im Dezember 2021 und im Januar 2022 jeweils einen Teilbetrag von 4.400 EUR ...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge