Ausfallzeiten in flexiblen ... / 11 Wie ist der Urlaub zu berechnen, wenn die Arbeitszeit nach einem rollierenden Schichtplan verteilt wird?

Antwort:

Ist die Zahl der Arbeitstage pro Woche nicht konstant, so muss nach Auffassung des BAG die Zahl der innerhalb des Jahres schichtplanmäßig zu leistenden Arbeitstage zu der Zahl der Arbeitstage ins Verhältnis gesetzt werden, die Grundlage der Urlaubsberechnung ist (z. B. 5-Tage-Woche). Bei rollierenden Schichtplänen kann die Zahl der zu leistenden Arbeitstage pro Woche relativ leicht anhand des wiederkehrenden Schichtzyklus bestimmt werden, in dem die Vertragsarbeitszeit erreicht wird. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass auch ggf. anfallende Freischichten oder Einbringschichten berücksichtigt werden. Dieser Wert ist ins Verhältnis zur Zahl der möglichen Arbeitstage zu setzen (bei 5-Tage-Woche: 261 Tage) und mit dem Urlaubsanspruch auf Basis der 5-Tage-Woche zu multiplizieren.

 
Praxis-Beispiel

Schichtbetrieb

In einem Schichtbetrieb (Wochenarbeitszeit = 36 h; anzurechnende Arbeitszeit = 8 h/Schicht) haben Schichtarbeiter innerhalb von 5 Wochen planmäßig 21 Schichten zu leisten. Zusätzlich leistet jeder Mitarbeiter innerhalb von 10 Wochen 3 "Einbringschichten", um die Vertragsarbeitszeit von 36 h/Woche zu erreichen. Der tarifliche Urlaub beträgt auf der Basis einer 5-Tage-Woche 30 Tage.

Wie viel Urlaub hat ein Mitarbeiter im Schichtbetrieb, wenn der Urlaub auf Basis von Schichten berechnet wird?

Antwort:

Da sich die 30 Tage Tarifurlaub auf eine 5-Tage-Woche beziehen, ist der Urlaubsanspruch umzurechnen. Innerhalb von 10 Wochen sind 45 Schichten (42 Planschichten + 3 Einbringschichten) zu leisten. Hochgerechnet auf ein Urlaubsjahr (Kalenderjahr) sind das durchschnittlich 234,9 Schichten pro Jahr.

Dies ergibt

 
30 × 234,9 = 27 Urlaubstage.
261

Leisten Arbeitnehmer auch Nachtschichten, die 2 Kalendertage berühren (z. B. 22:00-6:00 Uhr), so entstehen dadurch "optisch" mehr Arbeitstage im Sinne der durch Arbeitszeit "berührten" Kalendertage. Nach Auffassung des BAG kommt es für die Urlaubsberechnung gem. § 2 BUrlG auf die Zahl der Kalendertage an, an denen ein Arbeitnehmer zu arbeiten hat, nicht hingegen (wie im Arbeitszeitgesetz) auf die "individuellen Werktage", die jeweils den 24-Stunden-Zeitraum ab Beginn der Arbeitszeit repräsentieren.[1] Das führt dazu, dass sich die Zahl der (Kalender-)Werktage unter Umständen deutlich erhöht. Leistet ein Arbeitnehmer im Rahmen eines rollierenden Schichtplans z. B. 30 Nachtschichtblöcke mit jeweils 2 oder 3 Nachtschichten in Folge, so erhöht sich die Zahl der "berührten" Kalendertage um den Wert 30. Im vorstehend genannten Beispiel würde sich der Urlaubsanspruch von 27 Tagen auf 30,44 Tage erhöhen. Allerdings wäre es dann naheliegend, dass der Urlaub gleichmäßig auf alle Schichtarten (auch Nachtschichten) verteilt wird, weil es ansonsten zu Unterschieden zwischen den Beschäftigten bezüglich der durch den Urlaub erzielten Freistellung von der Arbeitszeit kommen könnte. In der betrieblichen Praxis orientieren sich viele Betriebe ungeachtet der Rechtsprechung weiterhin an Schichten als Arbeitstagen, was rein pragmatisch betrachtet einfacher ist und Gerechtigkeitsdiskussionen vermeidet.

 
Praxis-Tipp

In Tarifverträgen kann die Berechnung des Urlaubs auf Basis individueller Werktage (Schichten statt Kalendertage) im Rahmen des § 13 Abs. 1 BUrlG auch wirksam geregelt werden, was grundsätzlich empfehlenswert ist.

Bei der Urlaubsberechnung nach der oben beschriebenen Formel können auch Bruchteile von Urlaubstagen entstehen: Wird beispielsweise durchschnittlich an 4,8 Tagen pro Woche gearbeitet, so ergibt dies einen Urlaubsanspruch von

 
30 × 4,8 = 28,8 Urlaubstagen.
5

Eine allgemeingültige Regel zur Auf- oder Abrundung von Bruchteilen von Urlaubstagen gibt es nicht. Die vom Bundesurlaubsgesetz in § 5 Abs. 2 BUrlG vorgesehene Rundungsregel gilt nur für den Teilurlaub. Sofern keine tarifvertragliche Regelung zum Umgang mit Bruchteilen besteht, ist aus Gründen der Gleichbehandlung der Arbeitnehmer eine Gewährung von Bruchteilen von Urlaubstagen als stundenweise Freistellung geboten.[2] Im Übrigen muss der Urlaub jedoch in ganzen Tagen gewährt werden.

Sieht der Schichtplan vor, dass auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet wird, so sind diese Tage bei der Berechnung der Zahl der zu leistenden Arbeitstage und der Urlaubsgewährung mitzurechnen. Konkret bedeutet das, dass Sonn- und Feiertage, an denen planmäßig zu arbeiten ist, als "normale" Arbeitstage anzusehen sind. Denn der Arbeitnehmer schuldet die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit ggf. auch an diesen Tagen; Sonn- und Feiertagsarbeit ist insoweit "normale Arbeitszeit". Dies gilt unabhängig davon, ob es für diese Tage besondere Zuschläge oder andere Vergünstigungen (Freizeitausgleich) gibt. In der Konsequenz ist deshalb auch an Sonn- und Feiertagen Urlaub einzusetzen, wenn diese Tage als planmäßige Arbeitstage nach dem für den Arbeitnehmer geltenden Schichtplan vorgesehen sind. Der Umstand, dass andere Beschäftigte (z. B. Verwaltung) möglicherweise an diesen Tagen Anspruch auf Arbeitsbefreiung unter Fortzahlung des Entgelts haben, ist in...

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