Arnold/Tillmanns, BUrlG § 3... / 5.4 Schichtarbeit
 

Rz. 16

Bei der Berechnung der Urlaubsdauer bei Arbeit nach Schichtmodellen ist zunächst zu beachten, dass Freischichttage keine Arbeitstage sind, sondern Wochentage, an denen der Arbeitnehmer wegen der Verteilung der Arbeitszeit auf Arbeitsschichten nicht zur Arbeit verpflichtet ist. Sie verringern rechnerisch die Anzahl der in einem Jahr möglichen Tage mit Arbeitspflicht (BAG, Urteil v. 9.9.2003, 9 AZR 468/02, zu II 3b der Gründe[1]) und damit auch den Urlaubsanspruch (BAG, Urteil v. 15.3.2011, 9 AZR 799/09, Rz. 32[2]). Inhalt des Urlaubsanspruchs ist das Recht des Arbeitnehmers, die Freistellung von der Arbeitspflicht an den Tagen zu fordern, an denen er ohne Freistellungserklärung des Arbeitgebers zur Arbeit verpflichtet wäre (BAG, Urteil v. 8.9.1998, 9 AZR 161/97[3]). Ist vereinbart, dass ein Arbeitnehmer an einzelnen Tagen – wegen einer Freischicht – ohnehin nicht zu arbeiten hat, bedarf es für diese Tage auch keiner Arbeitsbefreiung durch Urlaubsgewährung. Dies muss bei der Berechnung des individuellen Urlaubsanspruchs des Arbeitnehmers berücksichtigt werden.

Ist der Urlaubsanspruch nach Werktagen bemessen und verteilt sich die Arbeitsleistung wegen des Schichtsystems nicht auf alle Werktage, müssen zur Bestimmung der individuellen Urlaubsdauer des Arbeitnehmers die Jahreswerktage und die individuell geschuldeten Arbeitstage zueinander rechnerisch in Beziehung gesetzt werden (vgl. für den Fall der 5-Tage-Woche BAG, Urteil v. 3.5.1994, 9 AZR 165/91[4]; vgl. auch BAG, Urteil v. 20.6.2000, 9 AZR 309/99[5]).

 

Beispiel[6]

Der Urlaubsanspruch beträgt nach dem auf das Arbeitsverhältnis anwendbaren Tarifvertrag bezogen auf die 5-Tage-Woche mit 37,5 Wochenstunden 30 Arbeitstage. Der Arbeitnehmer ist in Wechselschicht tätig. Seine Schichtdauer beträgt 11,25 Stunden. Die regelmäßige Arbeitszeit wird im Durchschnitt eines Verteilungszeitraums von 12 Monaten erreicht.

Berechnung

Bei der Berechnung ist wie folgt vorzugehen:

  1. Bei einer tariflichen Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden ergibt sich eine Jahresarbeitszeit von 1950 Stunden (52 Wochen mal 37,5 Stunden).
  2. 1950 Stunden (Jahresarbeitszeit) geteilt durch 11,25 Stunden pro Schicht ergibt 173,33 Arbeitsschichten. Im Wechselschichtmodell muss der Arbeitnehmer also (lediglich) an 173,33 Tagen arbeiten. Dem stehen 260 Arbeitstage bei einer 5-Tage-Woche gegenüber (52 Wochen × 5 Tage).
  3. 30 Urlaubstage geteilt durch 260 Jahresarbeitstage (in der 5-Tage-Woche) multipliziert mit 177,33 Schichttage = 20 Schichten = Urlaubstage
  4. Ergebnis: Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf bezahlte Freistellung (Urlaub) an 20 Schichtarbeitstagen. An den Freischichttagen muss er ohnehin nicht arbeiten, sodass es für diese keines Urlaubs bedarf.
[1] EzA § 4 TVG Chemische Industrie Nr. 6.
[2] ZTR 2011, 503, Hohmeister/Oppermann/Hohmeister, HK-BUrlG, 3. Aufl. 2013, § 3 BUrlG, Rz. 51.
[3] NZA 1999, 665.
[4] BB 1995, 311.
[5] NZA 2001, 622.

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