Arbeitszimmer / 2 Unbegrenzter Abzug der Aufwendungen

2.1 Mittelpunkt der beruflichen Betätigung

Die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind nur dann unbegrenzt als Werbungskosten abziehbar, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung des Arbeitnehmers bildet. Der Tätigkeitsmittelpunkt bestimmt sich nach dem inhaltlichen, qualitativen Schwerpunkt der betrieblichen und beruflichen Tätigkeit. Der zeitliche (quantitative) Umfang der Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers ist lediglich ein Indiz.[1]

Ein häusliches Arbeitszimmer bildet dann den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung eines Arbeitnehmers, wenn nach Würdigung der Tätigkeitsmerkmale aufgrund des Gesamtbilds der Verhältnisse davon auszugehen ist, dass er

  • im häuslichen Arbeitszimmer die Handlungen vornimmt und
  • Leistungen erbringt, die für die konkret ausgeübte berufliche Tätigkeit wesentlich und prägend sind.

Eine außerhäusliche Tätigkeit schließt daher nicht von vornherein aus, dass sich der Mittelpunkt dennoch im häuslichen Arbeitszimmer befindet. Das gilt selbst dann, wenn die außerhäusliche Tätigkeit zeitlich überwiegen sollte.

 
Hinweis

Homeoffice

Das häusliche Arbeitszimmer bildet auch dann den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung, wenn eine in qualitativer Hinsicht gleichwertige Arbeitsleistung wöchentlich an 3 Tagen im Homeoffice und an 2 Tagen im Betrieb des Arbeitgebers zu erbringen ist. Entscheidend ist, wo die qualitativ gleichwertige Arbeitsleistung zu mehr als der Hälfte der Arbeitszeit erbracht wird. Ein Arbeitnehmer, der im Homeoffice arbeitet und bei dem das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit bildet, kann die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer in voller Höhe abziehen, unabhängig davon, ob ihm ein "anderer Arbeitsplatz" beim Arbeitgeber zur Verfügung steht.[2]

 
Wichtig

Außerhäusliches Arbeitszimmer

Nicht unter die Abzugsbeschränkung für häusliche Arbeitszimmer fallen Räume, bei denen es sich um Lagerräume, Ausstellungsräume oder Betriebsräume handelt, die außerhalb der Privatwohnung liegen. Das gilt selbst dann, wenn diese Räume an die Wohnung angrenzen.

Beruflich genutzte Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe

Werden hingegen von einem Arbeitnehmer in einem Mehrfamilienhaus neben seiner Privatwohnung weitere Räumlichkeiten für berufliche Zwecke genutzt, handelt es sich nur dann um ein häusliches Arbeitszimmer, wenn die beruflich genutzten Räume zur Privatwohnung in unmittelbarer räumlicher Nähe liegen, z. B. wenn die beruflich genutzten Räume unmittelbar an die Privatwohnung angrenzen oder auf derselben Etage direkt gegenüberliegen. Entsprechendes gilt, wenn der als Zubehörraum zur Wohnung gehörende Abstell-, Keller- oder Speicherraum als häusliches Arbeitszimmer genutzt wird.

In gleicher Weise handelt es sich um ein häusliches Arbeitszimmer, wenn sich die zu Wohnzwecken und die beruflich genutzten Räume in einem ausschließlich vom Steuerpflichtigen genutzten Zweifamilienhaus befinden und auf dem Weg dazwischen keine der Allgemeinheit zugängliche oder von fremden Dritten benutzte Verkehrsfläche betreten werden muss.[3]

Kein häusliches Arbeitszimmer liegt dagegen bei einem in die häusliche Sphäre eingebundenen Raum vor, der als Behandlungsraum eingerichtet ist und der nachhaltig zur Behandlung von Patienten genutzt wird, wenn aufgrund seiner Einrichtung und tatsächlichen Nutzung eine private (Mit-)Nutzung praktisch auszuschließen ist. In diesem Fall greifen die 1.250-EUR-Abzugsbeschränkungen auch dann nicht, wenn die Patienten den Behandlungsraum nur über einen dem privaten Bereich zuzuordnenden Flur erreichen können.[4]

2.2 Entscheidungen zum unbegrenzten Werbungskostenabzug

  • Bei einem Ingenieur, dessen Tätigkeit wesentlich durch die Erarbeitung theoretischer komplexer Problemlösungen im häuslichen Arbeitszimmer geprägt ist, kann dieses auch dann Mittelpunkt der beruflichen Betätigung sein, wenn die Betreuung der Kunden im Außendienst ebenfalls zu seinen Aufgaben gehört.[1]
  • Bei einem Verkaufsleiter, der zur Überwachung von Mitarbeitern und zur Betreuung von Großkunden auch im Außendienst tätig ist, kann das häusliche Arbeitszimmer gleichwohl den Mittelpunkt der beruflichen Betätigung bilden, wenn er dort die für seinen Beruf wesentlichen Leistungen (Organisation der Betriebsabläufe) erbringt.[2]
  • Bei einer Produkt- und Fachberaterin, deren Tätigkeit wesentlich durch die Arbeit im Außendienst (Produktpräsentation) geprägt ist, bildet das häusliche Arbeitszimmer auch dann nicht den Mittelpunkt ihrer beruflichen Betätigung, wenn die dort verrichteten Arbeiten zur Erfüllung der übertragenen Aufgaben notwendig sind.[3]
  • Bei einem Praxis-Consultant, der ärztliche Praxen in betriebs...

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