Arbeitszimmer / 1 Werbungskostenabzug

Wird ein häusliches Arbeitszimmer ausschließlich oder nahezu ausschließlich betrieblich und/oder beruflich genutzt, kann der Arbeitnehmer die Kosten dem Grunde nach als Werbungskosten geltend machen. Ein Abzug der entstandenden Aufwendungen kommt dabei unter 2 Voraussetzungen in Betracht:

  1. Das häusliche Arbeitszimmer bildet den qualitativen Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit (unbegrenzt abzugsfähig).[1]
  2. Befindet sich der Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Tätigkeit nicht im häuslichen Arbeitszimmer, kommt ein begrenzter Abzug der Aufwendungen von bis zu 1.250 EUR in Betracht, soweit dem Arbeitnehmer für seine betriebliche und berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.[2]

Der Werbungskostenabzug gilt sowohl für ein häusliches Arbeitszimmer in der gemieteten als auch in der eigenen Wohnung. Zu den abzugsfähigen Werbungskosten gehören u. a.:

  • Miete,
  • Nebenkosten (z. B. Heizung, Strom, Wasser),
  • Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers (ohne Kunstgegenstände),
  • Renovierungsaufwand,
  • Beleuchtung,
  • Abschreibung für Abnutzung des Gebäudes (wenn das Gebäude sich im Eigentum des Arbeitnehmers befindet),
  • Schuldzinsen (Kredite im Zusammenhang mit dem Gebäude bzw. der Wohnung),
  • Grundsteuer, Müllabfuhr, Schornsteinfeger, Gebäudeversicherung,
  • Reinigung.

Für die steuerliche Anerkennung ist nicht Voraussetzung, dass Art und Umfang der Tätigkeit des Arbeitnehmers einen besonderen häuslichen Arbeitsraum erfordern.

Ein häusliches Arbeitszimmer muss weder zwingend mit bürotypischen Einrichtungsgegenständen ausgestattet sein noch für Bürotätigkeiten genutzt werden. Die Nutzung eines "Übe-Zimmers" durch einen Musiker, zur Lagerung von Noten, Partituren, CDs und musikwissenschaftlicher Literatur, kommt auch der Nutzung eines "typischen" Arbeitszimmers durch Angehörige anderer Berufsgruppen gleich.[3]

 
Achtung

Platzmangel, Arbeitsecke, Durchgangszimmer

Die steuerliche Anerkennung eines häuslichen Arbeitszimmers wird von der Finanzverwaltung versagt, wenn

  • für das normale Wohnbedürfnis kein hinreichender Raum zur Verfügung steht oder
  • lediglich eine sog. "Arbeitsecke" in einem ansonsten überwiegend privat genutzten Raum eingerichtet worden ist[4] oder
  • das Arbeitszimmer ständig durchquert werden muss, um andere privat genutzte Räume zu erreichen.

Zubehörräume zu einer Wohnung, die fast ausschließlich beruflich genutzt werden, können häusliches Arbeitszimmer sein, z. B. Keller oder Speicher. Im Übrigen kann ein häusliches Arbeitszimmer auch mehrere Räume umfassen. Dagegen können Aufwendungen für Küche, Bad und Flur, die in die häusliche Sphäre eingebunden sind und zu einem nicht unerheblichen Teil privat genutzt werden, nicht als Werbungskosten berücksichtigt werden, auch wenn ein berücksichtigungsfähiges häusliches Arbeitszimmer existiert.[5]

Kein Werbungskostenabzug bei gemischt genutzten Räumen

Aufwendungen für einen in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebundenen Raum sind insgesamt nicht abziehbar, wenn der Raum sowohl zur Erzielung von Einkünften als auch in mehr als einem nur untergeordneten Umfang zu privaten Zwecken genutzt wird.[6] Eine Aufteilung der Aufwendungen für ein Zimmer, das auch für berufliche Zwecke genutzt wird, verbunden mit einer anteiligen Geltendmachung der Aufwendungen als Werbungskosten ist nicht zulässig. Bei einem gemischt genutzten Zimmer handelt es sich schon dem Grunde nach nicht um ein Arbeitszimmer.[7] Somit ist auch bei einem büromäßig eingerichteten Arbeitsbereich, der durch einen Raumteiler vom Wohnbereich abgetrennt ist, kein häusliches Arbeitszimmer gegeben und kein Werbungskostenabzug zulässig.[8]

Erforderlichkeit des Arbeitszimmers

§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG bestimmt abschließend, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer abziehbar sind. Weitere Voraussetzungen hinsichtlich der Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer regelt das Gesetz nicht. Demnach kommt es für die steuerliche Abzugsfähigkeit insbesondere darauf nicht an, ob das häusliche Arbeitszimmer für die berufliche oder betriebliche Tätigkeit tatsächlich erforderlich ist. Demnach kommt – unter den weiteren Voraussetzungen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG – auch in den folgenden Fällen ein Aufwendungsabzug grundsätzlich in Betracht:

  • häusliches Arbeitszimmer einer Stewardess[9],
  • Vermietung von mehr als 50 Mietobjekten[10],
  • häusliches Arbeitszimmer bei Vermietung von lediglich 3 Immobilien.[11]

Die Erforderlichkeit eines Arbeitszimmers wurde jedoch von der Finanzrechtsprechung u. a. gefordert bei einem Hausmeister, der lediglich 2 Stunden pro Monat Bürotätigkeiten erledigen muss.[12]

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