Arbeitszeit: Arbeitszeitges... / 1.1 Gleitende Arbeitszeit

Gleitende Arbeitszeit überlässt es dem Arbeitnehmer, Beginn und Ende der täglichen individuellen Arbeitszeit innerhalb eines vorgegebenen Rahmens selbst zu regeln (Gleitzeit) und verpflichtet ihn nur zur Einhaltung einer bestimmten festen Zeit (Kernzeit). In der Praxis hat sich die Gleitzeit sowohl unter Gesichtspunkten der Kundenorientierung (eingeschränkte Erreichbarkeit der Organisationseinheiten), der Mitarbeiterinteressen (Kernzeit als Relikt der starren Arbeitszeit) als auch der Wirtschaftlichkeit (Arbeitszeitverbrauch während der Kern- und Gleitzeitspannen unabhängig vom Arbeitsanfall) als nachteilig herausgestellt. Zahlreiche Unternehmen entscheiden sich daher für eine flexible Arbeitszeit im Tagesdienst ohne Kernzeiten, die sowohl unter dem Aspekt der Kunden- als auch der Mitarbeiterorientierung vorteilhafter erscheint.[1]

Soweit dennoch mit Gleitzeitmodellen gearbeitet wird, sollten die Anforderungen von internen und externen Kunden durch den Arbeitnehmer auch innerhalb der Gleitzeitspannen berücksichtigt werden. Die grundsätzlich vorrangige Beachtung der betrieblichen Belange sollte also in einer Gleitzeitregelung zum Ausdruck kommen. Gegebenenfalls kann insoweit auch ein Vorbehalt zugunsten des Direktionsrechts des Arbeitgebers für die Verteilung der Arbeitszeit innerhalb der Gleitzeitspannen gemacht werden. Allerdings würde der wiederholte Gebrauch des Direktionsrechts innerhalb der Gleitzeitspannen einen regelungspraktischen "Störfall" darstellen, der für die Betriebsparteien Anlass sein sollte, über Verständnis und mögliche Änderungen der Regelung zu beraten.

Bei der Integration von Teilzeitbeschäftigten in Gleitzeitregelungen ist zunächst danach zu fragen, ob diese ihre verkürzte Arbeitszeit durch weniger Arbeitstage oder durch Verkürzung einzelner Arbeitstage umsetzen. Nur im zweiten Fall wären je nach Umfang der Vertragsarbeitszeit Anpassungen der Regelung erforderlich. Eine Anpassung kann über die Festlegung einer verkürzten Kernzeit und gegebenenfalls über einen verkürzten Arbeitszeitrahmen erfolgen. Bei einer 30-Stunden-Kraft kann beispielsweise eine Kernzeit von 10:00-14:30 Uhr (statt allgemein von 09:00-15:30 Uhr) bei einem Arbeitszeitrahmen von 08:30-16:00 Uhr (statt von 07:30–18:00 Uhr) vereinbart werden. Als Alternative käme auch infrage, dass für Teilzeitbeschäftigte festgelegt wird, dass sie einen bestimmten Anteil (z. B. 75 %) ihrer arbeitstäglichen Soll-Arbeitszeit innerhalb des betrieblich geregelten täglichen Arbeitszeitrahmens erbringen müssen, ohne dass dafür eine genaue Zeitspanne festgelegt wird.

[1] Vgl. Abschn. 1.2.

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