Arbeitszeit: Arbeitszeitges... / 1 Formen flexibler Arbeitszeitgestaltung

In der Praxis hat sich eine Vielfalt von Modellen zur flexibleren Gestaltung der Arbeitszeit entwickelt. Hierzu gehören unter anderem:

Vom Sonderfall der flexiblen Gestaltung der regelmäßigen Arbeitszeit abzugrenzen sind Langzeit- und Lebensarbeitszeitkonten, die als Zeitwertkonten oder sog. Wertguthabenkonten gem. § 7 Abs. 1a SGB IV mit dem Ziel längerfristiger Freistellung gebildet werden und grundsätzlich in Geld zu führen sind. Diese Konten werden in der Regel zur Realisierung individueller Zeitbedürfnisse geführt, etwa der Ermöglichung längerer bezahlter Freistellungen innerhalb des Arbeitslebens ("Sabbatjahr"), der Unterstützung von Teilzeit-, Pflegezeit- und Elternzeitmodellen oder des gleitenden Übergangs in den Ruhestand.

1.1 Gleitende Arbeitszeit

Gleitende Arbeitszeit überlässt es dem Arbeitnehmer, Beginn und Ende der täglichen individuellen Arbeitszeit innerhalb eines vorgegebenen Rahmens selbst zu regeln (Gleitzeit) und verpflichtet ihn nur zur Einhaltung einer bestimmten festen Zeit (Kernzeit). In der Praxis hat sich die Gleitzeit sowohl unter Gesichtspunkten der Kundenorientierung (eingeschränkte Erreichbarkeit der Organisationseinheiten), der Mitarbeiterinteressen (Kernzeit als Relikt der starren Arbeitszeit) als auch der Wirtschaftlichkeit (Arbeitszeitverbrauch während der Kern- und Gleitzeitspannen unabhängig vom Arbeitsanfall) als nachteilig herausgestellt. Zahlreiche Unternehmen entscheiden sich daher für eine flexible Arbeitszeit im Tagesdienst ohne Kernzeiten, die sowohl unter dem Aspekt der Kunden- als auch der Mitarbeiterorientierung vorteilhafter erscheint.[1]

Soweit dennoch mit Gleitzeitmodellen gearbeitet wird, sollten die Anforderungen von internen und externen Kunden durch den Arbeitnehmer auch innerhalb der Gleitzeitspannen berücksichtigt werden. Die grundsätzlich vorrangige Beachtung der betrieblichen Belange sollte also in einer Gleitzeitregelung zum Ausdruck kommen. Gegebenenfalls kann insoweit auch ein Vorbehalt zugunsten des Direktionsrechts des Arbeitgebers für die Verteilung der Arbeitszeit innerhalb der Gleitzeitspannen gemacht werden. Allerdings würde der wiederholte Gebrauch des Direktionsrechts innerhalb der Gleitzeitspannen einen regelungspraktischen "Störfall" darstellen, der für die Betriebsparteien Anlass sein sollte, über Verständnis und mögliche Änderungen der Regelung zu beraten.

Bei der Integration von Teilzeitbeschäftigten in Gleitzeitregelungen ist zunächst danach zu fragen, ob diese ihre verkürzte Arbeitszeit durch weniger Arbeitstage oder durch Verkürzung einzelner Arbeitstage umsetzen. Nur im zweiten Fall wären je nach Umfang der Vertragsarbeitszeit Anpassungen der Regelung erforderlich. Eine Anpassung kann über die Festlegung einer verkürzten Kernzeit und gegebenenfalls über einen verkürzten Arbeitszeitrahmen erfolgen. Bei einer 30-Stunden-Kraft kann beispielsweise eine Kernzeit von 10:00-14:30 Uhr (statt allgemein von 09:00-15:30 Uhr) bei einem Arbeitszeitrahmen von 08:30-16:00 Uhr (statt von 07:30–18:00 Uhr) vereinbart werden. Als Alternative käme auch infrage, dass für Teilzeitbeschäftigte festgelegt wird, dass sie einen bestimmten Anteil (z. B. 75 %) ihrer arbeitstäglichen Soll-Arbeitszeit innerhalb des betrieblich geregelten täglichen Arbeitszeitrahmens erbringen müssen, ohne dass dafür eine genaue Zeitspanne festgelegt wird.

[1] Vgl. Abschn. 1.2.

1.2 Flexible Arbeitszeit im Tagesdienst

Eine Weiterentwicklung der Gleitzeit stellt die flexible Arbeitszeit im Tagesdienst mit Arbeitszeitrahmen und bereichsspezifischen Servicezeiten dar, die auch als "variable Arbeitszeit" bezeichnet wird. In diesem Modell steht dem Arbeitnehmer ein definierter (und ggf. bereichsspezifisch differenzierter) täglicher Zeitrahmen (z. B. Montag bis Freitag 7–19 Uhr) für die Erbringung seiner Arbeitsleistung zur Verfügung. Im Unterschied zur Gleitzeit wird eine Kernzeit nicht festgelegt. Der Arbeitnehmer ist jedoch verpflichtet, die Lage seiner Arbeitszeit auf der Grundlage gegenseitiger Absprache mit Kollegen und/oder Abstimmung mit der verantwortlichen Führungskraft so einzuteilen, dass betriebsseitige Vorgaben für die Erbringung bestimmter Leistungen wie z. B. die Gewährleistung von Mindestbesetzungsstärken ("Servicezeit" bzw. "Funktionszeit"), die Wahrnehmung von Terminen, die Einhaltung von "Deadlines" sichergestellt werden.

Die flexible Arbeitszeit im Tagesdienst ist dabei für voll- und teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer gleichermaßen geeignet, da sie ihre Arbeitszeit innerhalb des definierten Arbeitszeitrahmens nach Abstimmung mit den Kollegen im Team eigenverantwortlich einteilen können. Dabei empfiehlt es sich, mit Teilzeitmitarbeitern abzusprechen, ob sie ihre Arbeitszeit grundsätzlich auf alle betriebsüblichen Arbeitstage (z. B. 5-Tage-Woche von Montag bis Freitag) verteilen oder weniger (und dafür längere) Arbeitstage leisten. Soweit zur Berücksichtigung individueller zeitlicher Restriktionen (z. B. aufgrund von Betreuungspflichten) feste Arbeitstage ...

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