Arbeitsvertrag mit Praktika... / 1.2 Hinweise zur Vertragsgestaltung

Gerade im Rahmen der Vertragsgestaltung sollte entsprechend der beschriebenen Einordnung auch das vereinbart werden, was für den entsprechenden Praktikantentypus rechtlich gilt. Wichtig ist, dass das Vereinbarte dann auch in der Praxis "gelebt" wird.

1.2.1 Vertragsgestaltung beim Pflichtpraktikanten ohne Arbeitsentgelt

Da Pflichtpraktika nicht dem BBiG unterfallen, sind keine besonderen Anforderungen an die Vertragsgestaltung zu stellen. Wichtig ist jedoch, im Praktikantenvertrag hervorzuheben, dass das Praktikum im Rahmen des Studiums oder einer anderen fachlichen Ausbildung absolviert wird, dass es aufgrund der jeweiligen Prüfungsordnung vorgeschrieben ist und dass dessen Inhalte der Prüfungsordnung oder dem Ausbildungsplan entsprechen. Im Vertrag sollten daher z. B. im Fall eines Studenten folgende Formulierungen mit aufgenommen werden:

 

§ ... Inhalt und Beginn des Praktikumsverhältnisses

(1) Der Praktikant absolviert mit Wirkung vom […] bis […] ein Praktikum innerhalb der Abteilungen [Bezeichnung] und [Bezeichnung] am Dienstort … gemäß dem Ausbildungsplan der Universität… zum Erwerb von Kenntnissen und Erfahrungen. Das Praktikumsverhältnis endet nach Ablauf der Frist, ohne dass es einer Kündigung bedarf.

(2) Inhalt des Praktikums ist ….

§ ... Pflichten des Unternehmens

Der Unternehmen verpflichtet sich im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten,

(1) die nach dem Ausbildungsplan erforderlichen Erfahrungen und Kenntnisse zu vermitteln; (gegebenenfalls: "Hiervon gelten jedoch folgende Ausnahmen: […]")

(2) dem Praktikanten die zu dessen Verbindung mit der Universität während der Vertragsdauer notwendige Freizeit zu gewähren;

(3) nach Beendigung des Praktikums einen schriftlichen Tätigkeitsnachweis auszustellen.

§ ... Pflichten des Praktikanten

Der Praktikant ist verpflichtet,

(1) den Ausbildungsplan einzuhalten und die Ausbildung gewissenhaft zu betreiben;

(2) die übertragenen Arbeiten gewissenhaft auszuführen und die gegebenen Weisungen zu befolgen;

(3) die Betriebsordnung und die Unfallverhütungsvorschriften einzuhalten sowie die betrieblichen Gegenstände sorgfältig zu bewahren und pfleglich zu behandeln;

(4) die vorgeschriebenen Tätigkeitsberichte zu fertigen und die tägliche Ausbildungszeit einzuhalten.

Wie bereits erwähnt ist der Pflichtpraktikant kein Arbeitnehmer, weswegen keine Klauseln zu Urlaub, Arbeitsentgelt und Entgeltfortzahlung aufgenommen werden müssen. Im Rahmen der Regelungen zur Beendigung des "echten" Praktikantenvertrages sollte klarstellend geregelt werden, mit welcher Frist das Vertragsverhältnis gekündigt werden kann. Zudem sollten – ähnlich einem befristeten Arbeitsverhältnis – Regelungen zur Dauer des Praktikantenvertrages und damit zu dessen Ende vereinbart werden.

 
Hinweis

Bei Befristungen ordentliche Kündigungsmöglichkeit vereinbaren

Bei Abschluss eines befristeten Praktikumsvertrages sollte ein gesonderter Hinweis zu den Kündigungsmöglichkeiten aufgenommen werden, da der Vertrag andernfalls nicht ordentlich kündbar wäre.

1.2.2 Vertragsgestaltung beim freiwilligen Praktikanten mit Arbeitsentgelt

Bei der Gestaltung eines Vertrages mit einem freiwilligen Praktikanten hat der Arbeitgeber/Ausbilder die Grenzen und Vorgaben des BBiG zu beachten. Insbesondere muss der Unternehmer folgende Besonderheiten gegenüber normalen Arbeitsverhältnissen beachten:

  • Probezeit: Die Probezeit darf höchstens 4 Monate betragen (§ 20 BBiG). Im Unterschied zum Berufsausbildungsverhältnis kann die Probezeit aber auch auf einen geringeren Zeitraum als auf einen Monat verkürzt werden.[1] Ein vollständiger Verzicht auf eine Probezeit ist jedoch nicht möglich.

    Während der Probezeit kann das Praktikantenverhältnis schriftlich von beiden Seiten ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist und ohne Angabe von Kündigungsgründen gekündigt werden. Die Kündigung gilt trotz dessen, dass keine Frist zu wahren ist, als ordentliche. Eine Kündigungsfrist oder Auslauffrist kann entgegen der gesetzlichen Regelung gewährt werden, wenn diese nicht zu einer unangemessen langen Fortsetzung des Praktikums führen.[2]

  • Kündigungsmöglichkeiten: Es gelten die Grundsätze zur Kündigung von Berufsausbildungsverhältnissen. Nach Ablauf der Probezeit hat der Arbeitgeber kein Recht zur ordentlichen Kündigung. Lediglich bei Vorliegen eines wichtigen Grundes besteht ein Recht zur außerordentlichen Kündigung.[3] Zu beachten ist zudem, dass eine solche außerordentliche Kündigung nur wirksam erfolgen kann, wenn sie schriftlich und unter Angabe der Kündigungsgründe erfolgt.[4] Die vorherige Anrufung eines Schlichtungsausschusses[5] ist vor der Kündigung von Praktikantenverhältnissen hingegen nicht erforderlich.[6]
 
Hinweis

Praktikumsverträge zunächst befristen

Im Hinblick auf diese starken Einschränkungen der Kündigungsmöglichkeiten nach Ablauf der Probezeit empfiehlt es sich, zunächst eine Befristung bis an die obere zulässige Grenze von bis zu 4 Monaten zu vereinbaren (MiLoG muss im Blick behalten werden). Allerdings ist insoweit auch das Befristungsrecht des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) zu beachten. Das bedeutet, dass eine sachgrundlose Befristung grundsätzlich nur möglich ist, wenn der Praktikant nich...

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