Arbeitsvergütung: Auszahlung / 1.4 Ersetzungsbefugnis

Der Arbeitnehmer hat für die von ihm erbrachte Arbeitsleistung grundsätzlich Anspruch auf Auszahlung des vereinbarten Arbeitslohns. Die Ersetzung der Auszahlung durch Gewährung anderer Leistungen setzt eine entsprechende Ersetzungsbefugnis des Arbeitgebers voraus. In der betrieblichen Praxis wird eine solche Ersetzungsbefugnis häufig für die Vergütung von Nebenleistungen wie Überstunden, Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst vereinbart. Anstelle der Auszahlung der vereinbarten Vergütung kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer im entsprechenden Umfang von der vertraglichen Arbeitsleistung freistellen ("Freizeitausgleich"). Ohne eine solche arbeits- oder tarifvertragliche Vereinbarung hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Geldlohn, sodass es sich empfiehlt, gegebenenfalls ein entsprechendes Wahlrecht des Arbeitnehmers zu vereinbaren. Umgekehrt kommt auch die Vereinbarung eines Wahlrechts für den Arbeitnehmer in Betracht. Allerdings birgt dies für den Arbeitgeber das Risiko, dass der Arbeitnehmer bei Wahrnehmung dieses Rechts nicht mehr die volle vertraglich vereinbarte Arbeitszeit erbringen muss, da er die erbrachten Nebenleistungen mit der Hauptleistungsverpflichtung ("normale Arbeitszeit") aufrechnen kann. Ein Wahlrecht des Arbeitnehmers für die Ersetzung steuer- und sozialversicherungsrechtlich privilegierter Lohnbestandteile (z.  B. Zeitzuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit) durch bezahlte Freistellung im Wege der Gutschrift auf Zeitkonto empfiehlt sich regelmäßig nicht, da in diesem Fall eine Vermischung mit dem regelmäßigen Entgelt eintritt, die zum Verlust der steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Vorteile führt.

Bei der häufig praktizierten Freistellung "auf Zeitkonto" ist weiter zu beachten, dass sich derartige Freistellungen im Rahmen der für flexible Arbeitszeitmodelle geltenden Grenzen bewegen. Freistellungen, die über den Rahmen einer Flexibilisierung der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit oder der Berücksichtigung von betrieblichen Arbeitszeitschwankungen hinausgehen, unterliegen den besonderen sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen für "Wertguthaben".

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können ferner Sachbezüge als Teil des Arbeitsentgelts vereinbaren, wenn dies dem Interesse des Arbeitnehmers oder der Eigenart des Arbeitsverhältnisses entspricht. Der Arbeitgeber darf dem Arbeitnehmer keine Waren auf Kredit überlassen. Ist vereinbart, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer Waren in Anrechnung auf das Arbeitsentgelt überlassen kann, so muss die Anrechnung zu den durchschnittlichen Selbstkosten erfolgen. Die geleisteten Gegenstände müssen mittlerer Art und Güte sein, soweit nicht ausdrücklich eine andere Vereinbarung getroffen worden ist. Der Wert der vereinbarten Sachbezüge oder die Anrechnung der überlassenen Waren auf das Arbeitsentgelt darf die Höhe des pfändbaren Teils des Arbeitsentgelts nicht übersteigen.

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