Arbeitsschutzmanagement / 2 Arbeitsschutz managen

2.1 Managen – mehr als ein Modewort

Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass heute fast alle betrieblichen Aufgaben "gemanagt" und diese Prozesse als "Management" bezeichnet werden. Ganz selbstverständlich sprechen wir heute von Projektmanagement, Qualitätsmanagement, Umweltmanagement, Kostenmanagement etc. Doch brauchen wir auch noch ein Arbeitsschutzmanagement?

Bei einer zeitgemäßen Unternehmensführung werden heute alle wesentlichen betrieblichen Aufgaben gemanagt. Managen umfasst dabei ganz allgemein das Ausrichten, Planen, Steuern, Initiieren, Kontrollieren und kontinuierliches Verbessern von Strukturen, Prozessen und Tätigkeiten zum Erreichen festgelegter Ziele. Dies gilt selbstverständlich auch für den Arbeitsschutz. Dem Managen liegt ein Regelkreis, der bekannte PDCA-Zyklus, zugrunde. Ein Kernpunkt des Managens ist die Abfolge:

  • Planen (plan): Wesentliche Aufgaben sind Analyse der Ausgangssituation, Formulierung von Zielen und Erarbeitung eines Maßnahmenplans.
  • Umsetzen (do): Hier erfolgt die (ggf. pilotartige) Umsetzung der Maßnahmen – also die Realisierung entsprechend der Planung.
  • Überprüfen/Bewerten (check): Bereits bei der Umsetzung beginnt die Überprüfung, ob die Maßnahmen geeignet und zielführend sind. Die Ergebnisse fließen in die Steuerung oder Lenkung der Umsetzung ein. Der Arbeitsschritt umfasst darüber hinaus die Ermittlung der Wirksamkeit der Maßnahmen und der Zielerreichung sowie die Bewertung des Ergebnisses.
  • Handeln/Anwenden (act): Ausgehend von den Ergebnissen des dritten Schritts werden bei einem positiven Ergebnis die Maßnahmen als Standard definiert. Bei Soll-Ist-Abweichungen werden dagegen Korrekturen und ein Verbesserungsprozess eingeleitet.

2.2 Arbeitsschutz managen – warum?

Richtig gemanagte Aufgaben besitzen bekanntlich eine sehr hohe Effektivität und Effizienz. Arbeitsschutz ist Führungsaufgabe und sollte deshalb von den Führungskräften in gleicher Weise betrieben (gemanagt) werden wie andere Führungsaufgaben auch.

Die sehr umfangreichen Bemühungen des klassischen Arbeitsschutzes haben unbestritten zu deutlichen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen beigetragen. Weniger Gefährdungen und körperliche Belastungen wirken sich erkennbar positiv auf die Unfallzahlen aus. Solche Anstrengungen sind auch in Zukunft zur Erhaltung und kontinuierlichen Verbesserung des betrieblichen Sicherheitsstandards dringend erforderlich. Für weitere Verbesserungen sowie v. a. für eine Steigerung der Wirksamkeit der umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen und für störungsfreie Betriebsabläufe (Prozesse) sind zusätzlich "neue Wege" sowie eine nutzenorientiertere Sichtweise vor allem beim Management (Arbeitsschutz nützt dem Betrieb, dem Management und den Beschäftigten) notwendig.

Schaut man sich an, wie heute erfolgreiche Unternehmen ihre betrieblichen Aufgaben (z. B. Innovationen, Produktion, Qualität) managen, so wird deutlich, dass auch die betriebliche Aufgabe "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" systematisch organisiert und professionell angewendet – d. h. durch die Führungskräfte gemanagt – werden sollte. Der demografische Wandel, der insbesondere einen längeren Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit erfordert, verstärkt die Notwendigkeit eines umfassenden Arbeitsschutzes, der die Sicherheit, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten sichert und fördert.

2.3 Wie ein Arbeitsschutzmanagement funktioniert

Arbeitsschutzmanagement steht für ein systematisches Vorgehen bei der Organisation und Umsetzung des betrieblichen Arbeitsschutzes sowie das systematische Arbeitsschutzhandeln aller Beschäftigten (inkl. Unternehmer, Führungskräfte, eigene und entliehene Mitarbeiter sowie die Mitarbeiter der Partnerfirmen). Arbeitsschutzmanagement ist der Teil der Führung eines Unternehmens, der die konsequente, effektive und effiziente Erfüllung der öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen und sonstiger Vorgaben bezüglich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit managt.

Ein Arbeitsschutzmanagement

  • gibt dem betrieblichen Arbeitsschutz eine klare Ausrichtung durch eine formulierte und kommunizierte Arbeitsschutzpolitik sowie regelmäßig neu festzulegende und zu vereinbarende messbare Arbeitsschutzziele (inkl. Kennzahlen);
  • stellt ein systematisches Vorgehen sicher durch eine dokumentierte Arbeitsschutzorganisation, die eine Struktur schafft, die Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen sicherstellt, die Zuständigkeiten regelt, Prozesse beschreibt, die Einbeziehung der Beschäftigten beschreibt und Hilfsmittel, wie Formulare, Checklisten etc., zur Verfügung stellt;
  • nimmt das Management in die Verantwortung durch die Übertragung von Aufgaben und Verantwortung sowie durch Sensibilisierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen;
  • bezieht die Beschäftigten aktiv ein durch die Stärkung der Eigenverantwortung sowie Mitwirkungsmöglichkeiten;
  • unterstützt und lenkt die Umsetzung durch Beratung, Coaching und Rückmeldung;
  • ermittelt die Eignung, Wirksamkeit und Zielerreichung, z. B. durch Audits;
  • stellt die Dokumentation und damit die Nachweisbarkeit sicher und
  • trägt zu einer kontinuierlichen Verbesserung des Arbeitsschutzes und des Arbeitsschutzma...

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