Arbeitsschutz nach dem Coro... / 3.3.5 Mutterschutz

Es gibt aktuell keine Hinweise darauf, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft ein besonderes Risiko für Mutter oder Kind auslöst. Weil aber belastbare Studien und Langzeiterfahrungen ausstehen, können keine genauen Aussagen zu diesen Fragen gemacht werden. Nach § 12 Abs. 2 MuSchG darf der Arbeitgeber "eine schwangere Frau keine Tätigkeiten ausüben lassen und sie keinen Arbeitsbedingungen aussetzen, bei denen sie in einem Maß mit Biostoffen der Risikogruppe 2, 3 oder 4 i. S. von § 3 Abs. 1 der Biostoffverordnung in Kontakt kommt oder kommen kann, dass dies für sie oder für ihr Kind eine unverantwortbare Gefährdung darstellt". Die Frage, ob das bezogen auf eine konkrete Arbeitssituation der Fall ist, ist sowohl für Arbeitgeber wie für Betriebsärzte schwer zu beantworten. Der Fachausschuss Mutterschutz bei der Bundesanstalt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hat dazu ein "Informationspapier zu Mutterschutz und SARS-CoV-2" herausgegeben, das von vielen Behörden der Länder umgesetzt wurde.

Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass in folgenden Fällen von einer unverantwortbaren Gefährdung auszugehen ist:

  • Kontakt zu ständig wechselnden Personen oder regelmäßig Kontakt zu einer größeren Zahl an (auch betriebsinternen) Ansprechpersonen, wobei der Mindestabstand von 1,5 m nicht vollständig sicher eingehalten werden kann, z. B. in

    • Verkauf/Einzelhandel (Ladenbereich inkl. Kassen),
    • Sozial-, Gesundheits- und Dienstleistungsbereich (wechselnder Kunden-/Klienten-/Patientenkontakt),
    • Schulwesen,
    • Außendienst/Service,
    • Empfang,
    • Großraumbüro.
  • Tätigkeiten an sog. Verdachtsfällen oder infektiösen Patienten oder auch infektiösen Materialien wie bspw. Laborproben, z. B. in

    • Infektionsstationen,
    • Notaufnahmen,
    • interdisziplinären Intensivstationen,
    • Stationen der inneren Medizin.
 
Achtung

Atemschutz ist keine Mutterschutzmaßnahme

Dicht anliegende Atemschutzmasken (FFP2/FFP3) schützen zwar die Trägerin vor einer möglichen Infektion, sind wegen des hohen Atemwiderstandes und der damit verbundenen Belastung jedoch für schwangere Frauen nur bedingt und allenfalls kurzzeitig geeignet.

  • Positiv getesteter Mitarbeiter im Arbeitsumfeld der Schwangeren. In diesem Fall sollte ein befristetes Beschäftigungsverbot bis zum 14. Tag nach dem letzten Erkrankungsfall ausgesprochen werden. Dies gilt ebenso bei einem Verdachtsfall. Bestätigt sich der Verdacht nicht, kann die Schwangere weiter beschäftigt werden.
 
Wichtig

Abstand schützt auch Personen mit besonderen Risiken

Ob Schwangere überhaupt ein erhöhtes Risiko bei einer Covid-19-Erkrankung haben, ist zurzeit nicht eindeutig zu beantworten, aber auch nicht wahrscheinlich zu nennen. In jedem Fall gilt, dass die sichere Einhaltung des Abstandsgebotes dafür sorgt, dass auch ein ggf. erhöhtes Risiko sich nicht realisiert. An Arbeitsplätzen, wo diese grundlegende Schutzmaßnahme effektiv umgesetzt wird, ist coronabezogen kein betriebliches Beschäftigungsverbot erforderlich.

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