Arbeitsschutz in der Corona... / 3.2 Maßnahmen zur Kontaktflächenhygiene

3.2.1 Händehygiene

Händehygiene, also hier v. a. das regelmäßige gründliche Händewaschen, besonders nach Aufenthalten in öffentlichen oder gemeinsam genutzten Bereichen, zählt zu den erweiterten Maßnahmen der Kontaktflächenhygiene und ist von Anfang an im Infektionsgeschehen eine der Kernmaßnahmen. Daher muss für alle Mitarbeiter die Möglichkeit gegeben sein, sich die Hände gründlich zu waschen. Dazu ist nach Abschn. 4.2.2 Abs. 2 C-ASR Wasser, hautschonende Flüssigseife und ein Handtuchspender erforderlich. Warmlufttrockner sollen vermieden werden. Die Handwaschregeln sind auszuhängen. Sanitärräume sind arbeitstäglich mindestens einmal zu reinigen.

Die Möglichkeit zur Händehygiene muss auch für mobile und abgelegene Arbeitsplätze, vor Pausenräumen und Kantinen, Bau- und Montagestellen, Landwirtschaft, Außen- und Lieferdienste sowie alle Arten von Transporten und Fahrten gegeben sein. Das ist im Einzelfall situationsangepasst sicherzustellen, z. B. durch die Einrichtung von provisorischen Handwaschstationen, Nutzung sanitärer Einrichtungen an den Einsatz- oder Lieferstellen durch das Mitführen von Wasser, Seife usw. oder durch den Einsatz von Händedesinfektionsmitteln.

 
Achtung

Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel sind für Normalbetriebe auch in Zeiten der Corona-Pandemie nicht grundsätzlich erforderlich. So gibt es auch der Arbeitsschutzstandard und die -regel wieder.

Händedesinfektionsmittel sind dort empfehlenswert, wo eine normale Händereinigung nicht in erforderlicher Weise möglich ist, z. B. für Außen- und Lieferdienste. Sie sind u. U. auch in Bereichen, in denen sehr häufig Händehygiene erforderlich ist, praktikabler und hautschonender. Allerdings ist genau auf die vorschriftsmäßige Anwendung zu achten, weil wirksame Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis zubereitet sind und bei Raumtemperatur leicht entzündbar und damit ein Brandrisiko darstellen. Insbesondere sollten keine Desinfektionsmittelflaschen in den heißen Sommermonaten in Autos liegen bleiben.

Von der Wirkungssicherheit her ist das gründliche Händewaschen mit hautschonender Seife und Einmalhandtüchern völlig ausreichend und im Umgang sicherer.

Flächendesinfektionsmittel sind in Bereichen, wo sich keine bekannt infizierten Personen aufhalten (also außerhalb des Gesundheitswesens) nicht erforderlich (Abschn. 4.2.7 Abs. 2 C-ASR). Eine feuchte Reinigung mit tensidhaltigen Produkten kann die Lebensdauer eines Virus vom Typ Corona auf Oberflächen ausreichend wirkungsvoll einschränken.

Im Interesse eines glaubwürdigen Umgangs mit Risiken sollten Desinfektionsmittel nicht aus psychischen Gründen ("weil es sauberer riecht") eingesetzt werden – schon gar nicht, wenn es zu Beschaffungsengpässen kommt und sie überteuert eingekauft werden müssen.

 
Achtung

Handschuhe

Handschuhe sind grundsätzlich kein empfohlenes Mittel zum Infektionsschutz in Normalbetrieben. Nach Arbeitsschutzstandard können sie ausnahmsweise dort sinnvoll sein, wo nicht zu vermeiden ist, dass viele Personen eine Kontaktfläche kurz hintereinander berühren und keine Möglichkeit zur Händereinigung besteht. Problematisch ist bei der Nutzung von Handschuhen, dass nicht die Hände vor dem Erreger zu schützen sind, sondern die Atemwege. Das Tragen von Handschuhen verhindert weder die Weitergabe des Erregers bei einer Tröpfchenkontamination der Handschuhe (falls diese nicht ständig gewechselt werden), noch das Berühren des eigenen Gesichtes mit einem ggf. kontaminierten Handschuh. Außerdem stellt das dauerhafte Tragen von Handschuhen eine erhebliche Hautbelastung dar, die durch die sehr geringe Infektionsschutzwirkung z. B. an einem Kassenarbeitsplatz nicht gerechtfertigt ist.

Sinnvoll ist in handhygienisch kritisch eingestuften Situationen u. U. eine MNB, weil diese das Berühren des eigenen Mund-Nasen-Bereichs deutlich einschränkt.

3.2.2 Reinigung von Kontaktflächen in Gebäuden/an Arbeitsplätzen/in Fahrzeugen

Arbeitsmittel sollen nach Abschn. 4.2.7 C-ASR nach Möglichkeit nur jeweils von einer Person verwendet werden. Ist das nicht möglich, müssen diese vor der Weitergabe mit einem handelsüblichen Haushaltsreiniger gereinigt werden. Das gilt insbesondere auch für Oberflächen, die durch Tröpfchen beim Sprechen kontaminiert sein könnten, wie Tischplatten, IT-Geräte, Telefonhörer, Bedienfelder, Lenkräder, Schalthebel usw.

 
Praxis-Tipp

Anfassen vermeiden?

Manchmal ist es einfacher, Berührungen zu vermeiden als ständige Reinigungsroutinen zu pflegen. Türen, die nicht aus bestimmten Gründen ständig geschlossen sein müssen, können z. B. einfach offen stehen bleiben und kontaktloses Bezahlen schließt die Gefahr einer Kontaktflächeninfektion aus.

Grundsätzlich ist aber die Gefahr einer Ansteckung über Berühren von Kontaktflächen generell eher gering, sodass z. B. der Bargeldverkehr oder die Benutzung von Türgriffen auch während der Corona-Epidemie kein unverantwortbares Risiko darstellt.

Denn wer die "Husten- und Niesetikette" beachtet und eine gute Händehygiene betreibt, wird auch bei einer aufkommenden Infektion Kontaktflächen nicht kontaminieren. Mithin ist das Risiko, dass die Türklinke oder der Geldschein...

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