Arbeitsschutz in der Corona... / 3.1.2 Tragen von Mund-Nasen-Bedeckung bei nicht gesichertem Abstand

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist eine universelle Mindestschutzmaßnahme in Situationen, in denen kontaktreduzierende Maßnahmen (Abstandsgebot, Abtrennungen) nicht hinreichend bzw. durchgehend umgesetzt werden können.

Unter Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) werden die nach Art eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes (MNS, "OP-Maske") getragenen meist textilen Masken verstanden, die i. d. R. nach im Internet verfügbaren Anleitungen selbst gefertigt oder aus nicht standardisierter Fertigung gekauft werden (auch Alltags- oder "Community-Masken" (RKI) genannt). Über die Wirksamkeit dieser MNB und ihre Bedeutung in der Infektionseindämmung wurde und wird kontrovers diskutiert, nicht zuletzt deshalb, weil Herstellung und Aufbereitung in keiner Weise kontrolliert geschehen. Allerdings scheint sich eine relevante Wirkung des Tragens von MNB im Kontakt unter Menschen zu zeigen, sodass der Gebrauch empfohlen und eingefordert wird – auch im Arbeitsschutzstandard. Der Einsatz von MNS für den Einmalgebrauch stellt an dieser Stelle wegen der zertifizierten Fertigung ein eher besseres Schutzniveau dar und ist also äquivalent zu MNB zu verwenden.

In Zeiten hoher Infektionszahlen gehen viele Unternehmen dazu über, in Räumen/Bereichen, in denen sich mehr als eine Person aufhält, eine generelle Pflicht zum Tragen von MNB auszusprechen (unabhängig von der Einhaltung der Abstandsregel). Eine solche Festlegung ist grundsätzlich möglich. Allerdings sollte sie bewusst und in Abstimmung mit den betrieblichen Interessensvertretern getroffen werden. Es ist darauf zu achten, dass

  • ausreichend Zeiten und Möglichkeiten verbleiben, in denen auf die Maske verzichtet werden kann (s. Hinweis Tragezeitbegrenzung bei MNB),
  • das tatsächliche Infektionsgeschehen im Blick bleibt und eine solche über die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregelungen getroffene Pauschalmaßnahme auch wieder zurückgenommen wird, wenn der Infektionsdruck nachlässt.
 
Wichtig

Gesichtsschutzschirme entsprechen nicht einer MNB

Abschn. 4.2.13 Abs. 4 C-ASR stellt klar, dass ein nicht am Gesicht anliegendes Gesichtsschutzschild eine persönliche Schutzausrüstung gegen Kontamination des Gesichtes ist (Eigenschutz) und als solche eine Ergänzung zu einer FFP2-Maske in Hochrisiko-Situationen, z. B. aerosolproduzierenden Tätigkeiten (z. B. bei Abstrichen) – aber nicht ein Ersatz für das Tragen einer MNB. Das bedeutet nicht, dass eine Schutzwirkung nicht gegeben ist, aber dass eine solche nicht hinreichend nachgewiesen ist, um einen Gesichtsschutzschild als MNB einzusetzen.

 
Praxis-Beispiel

Fahrten in Fahrzeugen

Nach Abschn. 4.2.5 C-ASR muss auch bei der gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen bei Dienstreisen der Mindestabstand eingehalten werden und die Personenzahl ist entsprechend zu begrenzen. Wenn das nicht umsetzbar ist, müssen Abtrennungen installiert oder mindestens MNB getragen werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales weist (in weitgehender Übereinstimmung mit z. B. den Automobilverbänden) in seinen Corona-Informationen mittlerweile ausdrücklich darauf hin, dass Letzteres mindestens im beruflichen Kontext auch für den Fahrer gelten soll. Zwar solle darauf geachtet werden, dass die MNB die Erkennbarkeit des Fahrers möglichst wenig einschränkt, die Vorgaben der StVO seien aber in der aktuellen Situation nicht so auszulegen, dass vom Fahrer keine MNB getragen werden dürfte (erst recht dann nicht, wenn ohnehin ein Fahrtenbuch über den Fahrer Auskunft gibt).

 
Wichtig

Tragezeitbegrenzungen bei Mund-Nase-Bedeckungen

Grundsätzlich ist nicht davon auszugehen, dass das Tragen einer MNB zu einer unzuträglichen gesundheitlichen Belastung führen könnte. Atemwiderstand und das sog. Totvolumen (der Anteil verbrauchter Luft, der beim Einatmen wieder aufgenommen wird) sind sehr gering, und es liegen ausreichend Langzeiterfahrungen aus dem medizinischen Bereich vor, die keine kritischen Folgen erwarten lassen.

Die DGUV hat eine Stellungnahme herausgebracht, die das Tragen von MNB als vergleichbar mit dem Tragen einer FFP2-Maske mit Ausatemventil einstuft und daher nach 2 Stunden Tragezeit eine "Maskenpause" von 30 min empfiehlt. Diese Einschätzung ist ausdrücklich eine Empfehlung, keine Vorgabe. Sie muss an die betrieblichen Bedingungen angepasst werden und kann danach ggf. auch anders ausfallen. In vielen Bereichen der Arbeitswelt, in denen während der Corona-Epidemie MNB getragen wird, sollten sich diese Richtwerte relativ problemlos einhalten lassen, weil ja ohnehin das Tragen von MNB nur in zweiter Linie nach dem Abstandsgebot relevant ist. Das Tragen von MNS zum Patientenschutz im Gesundheitswesen ist ohnehin ausdrücklich von dieser DGUV-Empfehlung ausgenommen.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge