Arbeitsschutz in der Corona... / 3.1.2 Tragen von Atemschutz bei nicht gesichertem Abstand

Das Tragen von Atemschutz ist eine universelle Mindestschutzmaßnahme in Situationen, in denen kontaktreduzierende Maßnahmen (Abstandsgebot, Abtrennungen) nicht hinreichend bzw. durchgehend umgesetzt werden können bzw. in denen die Gefährdungsbeurteilung das erhöhte Risiko eines Aerosolausstoßes ergibt (aktuelles Beispiel: Abstriche für Corona-Testungen).

 
Wichtig

Im Betrieb nur noch zertifiziert hergestellter Mund-Nase-Schutz oder FFP2-Maske

Mit Inkrafttreten der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung Ende Januar 2021 darf im betrieblichen Umfeld nur noch zertifiziert hergestellter Einmalmundschutz (in der Verordnung "medizinische Gesichtsmasken", manchmal auch als OP- oder chirurgische Maske bezeichnet) eingesetzt werden, alternativ nach der Gefährdungsbeurteilung, die der Betrieb selber durchzuführen hat, auch FFP2-Masken. Alle waschbaren oder selbst hergestellten oder aus der Nahrungsmittelindustrie stammenden Masken (Spuckschutz) können nicht mehr eingesetzt werden. Man erhofft sich davon eine bessere Filterwirkung gegenüber virusbelasteten Partikeln. Diese Schutzausrüstung muss vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden.

In Zeiten hoher Infektionszahlen gehen viele Unternehmen dazu über, in Räumen/Bereichen, in denen sich mehr als eine Person aufhält, eine generelle Pflicht zum Tragen von Schutzmasken auszusprechen (unabhängig von der Einhaltung der Abstandsregel). Eine solche Festlegung ist grundsätzlich möglich. Allerdings sollte sie bewusst und in Abstimmung mit den betrieblichen Interessensvertretern getroffen werden. Es ist darauf zu achten, dass

  • ausreichend Zeiten und Möglichkeiten verbleiben, in denen auf die Maske verzichtet werden kann (s. Hinweis Tragezeitbegrenzung bei MNS),
  • das tatsächliche Infektionsgeschehen im Blick bleibt und eine solche über die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregelungen getroffene Pauschalmaßnahme auch wieder zurückgenommen wird, wenn der Infektionsdruck nachlässt.
 
Wichtig

Gesichtsschutzschirme entsprechen nicht einem MNS

Abschnitt 4.2.13 Abs. 1 SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel stellt klar, dass ein nicht am Gesicht anliegendes Gesichtsschutzschild eine persönliche Schutzausrüstung gegen Kontamination des Gesichtes ist (Eigenschutz) und als solche eine Ergänzung zu einer FFP2-Maske in Hochrisiko-Situationen, z. B. aerosolproduzierenden Tätigkeiten (z. B. bei Abstrichen) – aber nicht ein Ersatz für das Tragen eines MNS. Das bedeutet nicht, dass eine Schutzwirkung nicht gegeben ist, sondern dass eine solche nicht hinreichend nachgewiesen ist, um einen Gesichtsschutzschild als MNS einzusetzen.

 
Praxis-Beispiel

Fahrten in Fahrzeugen

Nach Abschn. 4.2.5 C-ASR muss auch bei der gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen bei Dienstreisen der Mindestabstand eingehalten werden und die Personenzahl ist entsprechend zu begrenzen. Wenn das nicht umsetzbar ist, müssen Abtrennungen installiert oder mindestens MNS getragen werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales weist (in weitgehender Übereinstimmung mit z. B. den Automobilverbänden) in seinen Corona-Informationen mittlerweile ausdrücklich darauf hin, dass Letzteres mindestens im beruflichen Kontext auch für den Fahrer gelten soll. Zwar solle darauf geachtet werden, dass die MNS die Erkennbarkeit des Fahrers möglichst wenig einschränkt, die Vorgaben der StVO seien aber in der aktuellen Situation nicht so auszulegen, dass vom Fahrer keine MNS getragen werden dürfte (erst recht dann nicht, wenn ohnehin ein Fahrtenbuch über den Fahrer Auskunft gibt).

 
Wichtig

Tragezeitbegrenzungen bei Mund-Nase-Schutz

Grundsätzlich ist nicht davon auszugehen, dass das Tragen einer MNS zu einer unzuträglichen gesundheitlichen Belastung führen könnte. Atemwiderstand und das sog. Totvolumen (der Anteil verbrauchter Luft, der beim Einatmen wieder aufgenommen wird) sind sehr gering, und es liegen ausreichend Langzeiterfahrungen aus dem medizinischen Bereich vor, die keine kritischen Folgen erwarten lassen.

Die DGUV hat eine Stellungnahme herausgebracht, die das Tragen von MNB bzw. MNS als vergleichbar mit dem Tragen einer FFP2-Maske mit Ausatemventil einstuft und daher nach 2 Stunden Tragezeit eine "Maskenpause" von 30 min empfiehlt. Diese Einschätzung ist ausdrücklich eine Empfehlung, keine Vorgabe. Sie muss an die betrieblichen Bedingungen angepasst werden und kann danach ggf. auch anders ausfallen. In vielen Bereichen der Arbeitswelt, in denen während der Corona-Epidemie MNS getragen wird, sollten sich diese Richtwerte relativ problemlos einhalten lassen, weil ja ohnehin das Tragen von MNS nur in zweiter Linie nach dem Abstandsgebot relevant ist. Das Tragen von MNS zum Patientenschutz im Gesundheitswesen ist ohnehin ausdrücklich von dieser DGUV-Empfehlung ausgenommen.

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