Arbeitsschutz in der Corona... / 3.1 Maßnahmen zum Schutz vor direkten Infektionen

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel führt folgende Ziele grundlegender Maßnahmen auf:

  • Anzahl ungeschützter Kontakte zwischen Personen minimieren.
  • Konzentration an luftgetragenen Viren in der Atemluft verringern.

Das wird erreicht durch:

  • Einhaltung der Abstandsregel,
  • Arbeiten in festen Teams,
  • Trennung von Arbeitsbereichen durch technische Maßnahmen (Abtrennungen),
  • Nutzung von Fernkontakten,
  • verstärkte Lüftung,
  • Isolierung Erkrankter,
  • intensivierte Oberflächenreinigung und zusätzliche Handhygiene.

Entsprechend dem TOP-Prinzip rangiert das Tragen einer MNS oder partikelfiltrierender Halbmaske als persönlicher Schutzausrüstung – obwohl in der betrieblichen Praxis häufig von großer Bedeutung – erst nach diesen technischen und organisatorischen Maßnahmen.

3.1.1 Abstandsregel

 
Wichtig

Abstand halten!

Die Basis für eine Infektionsvermeidung sowohl im öffentlichen und privaten Leben (außerhalb der häuslichen Gemeinschaft) sowie in der Arbeitswelt ist nach wie vor das Abstandsgebot von 1,5 m (ergänzt um das regelmäßige, gründliche Lüften). Dieses Abstandsgebot möglichst konsequent einzuhalten, ist das oberste Gebot bei allen Präventionsüberlegungen. Insbesondere dürfen Arbeitstätigkeiten nicht so geplant und ausgeführt werden, dass es (ohne zwingenden Grund) zu einer regelhaften Unterschreitung des Schutzabstands kommt. Die Benutzung einer MNS ist eine begleitende Maßnahme, kein Äquivalent für nicht eingehaltenen Schutzabstand.

Wenn das Abstandsgebot sicher eingehalten und regelmäßig gelüftet wird, ist das Risiko geringer, dass es zu weitreichenden Quarantänemaßnahmen unter den Beschäftigten kommt, wenn ein Mitarbeiter erkrankt. Deshalb ist es wichtig, Beschäftigten deutlich zu machen, dass der Mindestabstand und das Lüftungsgebot z. B. auch während der Pausenzeiten einzuhalten sind, und zwar nicht auf freiwilliger Basis. Es ist dem Arbeitgeber nicht zuzumuten, dass er zwar durch die entsprechenden Schutzmaßnahmen an Arbeitsplätzen Quarantänemaßnahmen für Kollegen bei einem Infektionsfall eines Beschäftigten vermeidet, diese sich dann aber (zum Nachteil des Arbeitgebers) aus der gemeinsamen Pausenrunde ergeben, falls diese ohne Abstand abgehalten wurde.

 
Praxis-Beispiel

Nutzung von Mehrpersonenräumen

Nach SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung ist die gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen auf das betriebsnotwendige Minimum zu reduzieren, z. B. durch zeitversetztes Arbeiten, durch andere Anordnung von Arbeitsplätzen oder mobiles Arbeiten von zu Hause/Homeoffice). Wenn Mehrfachbelegungen unvermeidlich sind, müssen neben den erforderlichen Schutzabständen mindestens 10 m² pro Person an Grundfläche zur Verfügung stehen. Wenn auch das aus zwingenden betrieblichen Gründen nicht möglich ist, hat der Arbeitgeber "durch andere geeignete Schutzmaßnahmen den gleichwertigen Schutz der Beschäftigten sicherzustellen, insbesondere durch Lüftungsmaßnahmen und geeignete Abtrennungen zwischen den anwesenden Personen". Außerdem müssen in diesem Fall den Beschäftigten medizinische Gesichtsmasken (MNS) oder FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden, die von den Beschäftigten getragen werden müssen. Trotzdem verbleibt bei Mehrfachnutzung von Räumen ein erhöhtes Infektions- und damit Quarantänerisiko (s. Kasten "Kurzzeitkontakt"):

 
Wichtig

Kurzzeitkontakt

Wegen des Auftretens der zum Teil deutlich ansteckenderen Virusvarianten seit Anfang 2021 hat das RKI die Definition von "engen Kontaktpersonen" deutlich verschärft. Bei Face-to-face-Kontakten (also unter 1,5 m ohne Schutzmasken) wird ohne Berücksichtigung der Kontaktdauer von einem hohen Infektionsrisiko ausgegangen, ebenso bei einem gemeinsamen Aufenthalt von mehr als 10 Minuten in einem Raum "mit vermutlich hoher Aerosolkonzentration" – auch wenn Masken getragen werden. Entsprechend verschärft werden Quarantäneverfügungen ausgesprochen.

Der Hinweis in Abschn. 2.9 SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, nachdem von einem nur geringen Infektionsrisiko ausgegangen wird, wenn ein ungeschützter Kontakt nicht länger als 15 Minuten gedauert hat, muss als überholt angesehen werden.

 
Wichtig

Homeoffice

Nach § 28b Abs. 7 IfSG ist der Arbeitgeber verpflichtet, jedem Beschäftigten zu ermöglichen, "Büroarbeit oder vergleichbare Tätigkeiten" in der eigenen Wohnung auszuführen, wenn nicht zwingende betriebliche Gründe dagegen sprechen. Ebenfalls ist der Arbeitnehmer verpflichtet, mobil von zu Hause aus zu arbeiten, wenn "keine Gründe entgegenstehen". Damit soll erreicht werden, dass in einer Phase, in der große Sorgen wegen des Auftretens höher ansteckender Virusvarianten bestehen und die Impfraten erst langsam steigen, sehr hohe Infektionszahlen durch Kontakte im öffentlichen Raum (am Arbeitsplatz, aber auch im ÖPNV) vermieden werden. Diese Pflicht zum Homeoffice gilt also auch dann, wenn die räumlichen Bedingungen im Betrieb eigentlich gut sind, z. B. Einzelbüros genutzt werden.

Zwingende betriebliche Gründe können z. B. unüberwindliche technische oder datenschutzbezogene Probleme sein oder der nötige Zugriff auf Papierdokumente, ...

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