Arbeitsschutz in der Corona... / 3 Infektionsschutzmaßnahmen am Arbeitsplatz

In der Folge werden die Infektionsschutzmaßnahmen nach SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel erläutert. Zwar ist der im April 2020 veröffentlichte Standard nach wie vor in Gültigkeit und die Regel bezieht sich ausdrücklich auf ihn. Allerdings haben sich in den folgenden Monaten neue Erkenntnisse und Einschätzungen ergeben, die den Arbeitsschutzstandard in einigen Punkten überholt bzw. nicht treffend erscheinen lassen. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ist daher deutlich aktueller und konkreter, sodass sie als Grundlage aller im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 auftretenden Arbeitsschutzfragen im Vordergrund steht. Einige der Punkte, die im Arbeitsschutzstandard aus dem sehr akuten Infektionsgeschehen heraus in sehr strikter Form Eingang gefunden hatten, finden sich in der Regel abgeschwächt oder gar nicht mehr wieder (z. B. Detailvorgaben zur Reinigung von Türklinken und Handläufen oder die strikten Einschränkungen von Fahrten und betrieblichen Zusammenkünften). Die Vorgaben zum Einsatz von Atemschutz wurden hingegen verschärft, wegen der aktuellen Erkenntnisse zur Aerosolübertragung.

Die Gültigkeit der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ist entsprechend der Struktur des IfSG (§ 5) an die offizielle Feststellung einer "epidemischen Lage von nationaler Tragweite" gekoppelt, die der Bundestag am 25.3.2020 vorgenommen hat.

Wegen des kritischeren Übertragungsrisikos im direkten Kontakt (durch respiratorische Aufnahme virushaltiger Flüssigkeitspartikel aus der Atemluft/Tröpfcheninfektion) werden im Folgenden zunächst die darauf bezogenen Infektionsschutzmaßnahmen vorgestellt und in zweiter Linie die Maßnahmen gegen Kontaktflächeninfektion.

 
Wichtig

Infektionsschutz für Normalbetriebe

Wegen der besonderen Anforderungen im Gesundheitswesen, insbesondere bei der Pflege von Risikogruppen und an Covid-19 erkrankten Personen, werden die damit zusammenhängenden Infektions- und Arbeitsschutzmaßnahmen in diesem Beitrag nicht behandelt.

3.1 Maßnahmen zum Schutz vor direkten Infektionen

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel führt folgende Ziele grundlegender Maßnahmen auf:

  • Anzahl ungeschützter Kontakte zwischen Personen minimieren.
  • Konzentration an luftgetragenen Viren in der Atemluft verringern.

Das wird erreicht durch:

  • Einhaltung der Abstandsregel,
  • Arbeiten in festen Teams,
  • Trennung von Arbeitsbereichen durch technische Maßnahmen (Abtrennungen),
  • Nutzung von Fernkontakten,
  • verstärkte Lüftung,
  • Isolierung Erkrankter,
  • intensivierte Oberflächenreinigung und zusätzliche Handhygiene.

Entsprechend dem TOP-Prinzip rangiert das Tragen einer MNB oder partikelfiltrierender Halbmaske als persönlicher Schutzausrüstung – obwohl in der betrieblichen Praxis häufig von großer Bedeutung – erst nach diesen technischen und organisatorischen Maßnahmen.

3.1.1 Abstandsregel

 
Wichtig

Abstand halten!

Die Basis für eine Infektionsvermeidung sowohl im öffentlichen und privaten Leben (außerhalb der häuslichen Gemeinschaft) sowie in der Arbeitswelt ist nach wie vor (trotz des verbleibenden Risikos einer Aerosolausbreitung auch über größere Distanzen) immer das Abstandsgebot von 1,5 m. Dieses Abstandsgebot möglichst konsequent einzuhalten, ist das oberste Gebot bei allen Präventionsüberlegungen. Insbesondere dürfen Arbeitstätigkeiten nicht so geplant und ausgeführt werden, dass es (ohne zwingenden Grund) zu einer regelhaften Unterschreitung des Schutzabstands kommt. Die Benutzung einer MNB ist eine begleitende Maßnahme, kein Äquivalent für nicht eingehaltenen Schutzabstand.

Wenn das Abstandsgebot sicher eingehalten wird, ist auch das Risiko geringer, dass es zu weitreichenden Quarantänemaßnahmen unter den Beschäftigten kommt, wenn ein Mitarbeiter erkrankt. Deshalb ist es wichtig, Beschäftigten deutlich zu machen, dass der Mindestabstand z. B. auch während der Pausenzeiten einzuhalten ist, und zwar nicht auf freiwilliger Basis. Es ist dem Arbeitgeber nicht zuzumuten, dass er zwar durch die entsprechenden Schutzmaßnahmen an Arbeitsplätzen Quarantänemaßnahmen für Kollegen bei einem Infektionsfall eines Beschäftigten vermeidet, diese sich dann aber (zum Nachteil des Arbeitgebers) aus der gemeinsamen Pausenrunde ergeben, falls diese ohne Abstand abgehalten wurde.

 
Praxis-Beispiel

Nutzung von Mehrpersonenräumen

Nach Möglichkeit sollen Mehrfachbelegungen von Arbeitsräumen vermieden werden (z. B. durch zeitversetztes Arbeiten oder mobiles Arbeiten von zu Hause). Mehrfachbelegungen bleiben aber unter Einhaltung des Abstandsgebotes grundsätzlich möglich, wobei ergänzend für regelmäßige gründliche Lüftung (s. Abschn. 3.1.6) zu sorgen ist. Bei kurzzeitigen Unterschreitungen ist eine MNB nötig (s. Abschn. 3.1.2)

 
Wichtig

Kurzzeitkontakt

In der Infektionskettenverfolgung des öffentlichen Gesundheitswesens spielt die Zeitspanne von 15 Minuten für sog. Kurzzeitkontakte eine große Rolle. Danach wird bei Face-to-face-Kontakten (also unter 1,5 m ohne Schutzmasken) von einem nur geringen Infektionsrisiko ausgegangen, wenn sie nicht länger als 15 Minuten gedauert haben, wobei Kurzzeitbegegnungen aufsummiert betrachtet werden müssen. Dieser Hinweis findet sich jetzt auch in Absch...

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