Arbeitsschutz in der Corona... / 3 Infektionsschutzmaßnahmen am Arbeitsplatz

In der Folge werden die Infektionsschutzmaßnahmen nach SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel und die Ergänzungen durch die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung erläutert. Zwar ist der im April 2020 veröffentlichte Arbeitsschutzstandard nach wie vor in Gültigkeit und die Regel bezieht sich auf ihn. Allerdings haben sich in den folgenden Monaten neue Erkenntnisse und Einschätzungen ergeben, die den Arbeitsschutzstandard in einigen Punkten überholt bzw. nicht treffend erscheinen lassen. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ist daher deutlich aktueller und konkreter, sodass sie als Grundlage aller im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 auftretenden Arbeitsschutzfragen im Vordergrund steht.

Die Gültigkeit der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ist entsprechend der Struktur des IfSG (§ 5) an die offizielle Feststellung einer "epidemischen Lage von nationaler Tragweite" gekoppelt, die der Bundestag am 25.3.2020 vorgenommen hat. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung ist in der Gültigkeit bis zum 15.3.2021 beschränkt.

Wegen des kritischeren Übertragungsrisikos im direkten Kontakt (durch respiratorische Aufnahme virushaltiger Flüssigkeitspartikel aus der Atemluft/Tröpfcheninfektion) werden im Folgenden zunächst die darauf bezogenen Infektionsschutzmaßnahmen vorgestellt und in zweiter Linie die Maßnahmen gegen Kontaktflächeninfektion.

 
Wichtig

Infektionsschutz für Normalbetriebe

Wegen der besonderen Anforderungen im Gesundheitswesen, insbesondere bei der Pflege von Risikogruppen und an Covid-19 erkrankten Personen, werden die damit zusammenhängenden Infektions- und Arbeitsschutzmaßnahmen in diesem Beitrag nicht behandelt.

3.1 Maßnahmen zum Schutz vor direkten Infektionen

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel führt folgende Ziele grundlegender Maßnahmen auf:

  • Anzahl ungeschützter Kontakte zwischen Personen minimieren.
  • Konzentration an luftgetragenen Viren in der Atemluft verringern.

Das wird erreicht durch:

  • Einhaltung der Abstandsregel,
  • Arbeiten in festen Teams,
  • Trennung von Arbeitsbereichen durch technische Maßnahmen (Abtrennungen),
  • Nutzung von Fernkontakten,
  • verstärkte Lüftung,
  • Isolierung Erkrankter,
  • intensivierte Oberflächenreinigung und zusätzliche Handhygiene.

Entsprechend dem TOP-Prinzip rangiert das Tragen einer MNS oder partikelfiltrierender Halbmaske als persönlicher Schutzausrüstung – obwohl in der betrieblichen Praxis häufig von großer Bedeutung – erst nach diesen technischen und organisatorischen Maßnahmen.

3.1.1 Abstandsregel

 
Wichtig

Abstand halten!

Die Basis für eine Infektionsvermeidung sowohl im öffentlichen und privaten Leben (außerhalb der häuslichen Gemeinschaft) sowie in der Arbeitswelt ist nach wie vor das Abstandsgebot von 1,5 m (ergänzt um das regelmäßige, gründliche Lüften). Dieses Abstandsgebot möglichst konsequent einzuhalten, ist das oberste Gebot bei allen Präventionsüberlegungen. Insbesondere dürfen Arbeitstätigkeiten nicht so geplant und ausgeführt werden, dass es (ohne zwingenden Grund) zu einer regelhaften Unterschreitung des Schutzabstands kommt. Die Benutzung einer MNS ist eine begleitende Maßnahme, kein Äquivalent für nicht eingehaltenen Schutzabstand.

Wenn das Abstandsgebot sicher eingehalten und regelmäßig gelüftet wird, ist das Risiko geringer, dass es zu weitreichenden Quarantänemaßnahmen unter den Beschäftigten kommt, wenn ein Mitarbeiter erkrankt. Deshalb ist es wichtig, Beschäftigten deutlich zu machen, dass der Mindestabstand und das Lüftungsgebot z. B. auch während der Pausenzeiten einzuhalten sind, und zwar nicht auf freiwilliger Basis. Es ist dem Arbeitgeber nicht zuzumuten, dass er zwar durch die entsprechenden Schutzmaßnahmen an Arbeitsplätzen Quarantänemaßnahmen für Kollegen bei einem Infektionsfall eines Beschäftigten vermeidet, diese sich dann aber (zum Nachteil des Arbeitgebers) aus der gemeinsamen Pausenrunde ergeben, falls diese ohne Abstand abgehalten wurde.

 
Praxis-Beispiel

Nutzung von Mehrpersonenräumen

Nach SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung ist die gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen auf das betriebsnotwendige Minimum zu reduzieren, z. B. durch zeitversetztes Arbeiten, durch andere Anordnung von Arbeitsplätzen oder mobiles Arbeiten von zu Hause/Homeoffice). Wenn Mehrfachbelegungen unvermeidlich sind, müssen neben den erforderlichen Schutzabständen mindestens 10 m² pro Person an Grundfläche zur Verfügung stehen. Wenn auch das aus zwingenden betrieblichen Gründen nicht möglich ist, hat der Arbeitgeber "durch andere geeignete Schutzmaßnahmen den gleichwertigen Schutz der Beschäftigten sicherzustellen, insbesondere durch Lüftungsmaßnahmen und geeignete Abtrennungen zwischen den anwesenden Personen". Außerdem müssen in diesem Fall den Beschäftigten medizinische Gesichtsmasken (MNS) oder FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden, die von den Beschäftigten getragen werden müssen. Trotzdem verbleibt bei Mehrfachnutzung von Räumen ein erhöhtes Infektions- und damit Quarantänerisiko (s. Kasten "Kurzzeitkontakt"):

 
Wichtig

Kurzzeitkontakt

Wegen des Auftretens der zum Teil deutlich ansteckenderen Virusvarianten seit Anfang 2021 hat das RKI die Definition von "engen ...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge