Arbeitsschutz in der Corona... / 2 Infektionsgefährdung analysieren

Wie bei jeder im Arbeitsschutz üblichen Gefährdungsbeurteilung ist auch in Bezug auf SARS-CoV-2 eine möglichst konkrete Analyse der Gefährdung selber ein elementar wichtiger Bestandteil, um später effektive Maßnahmen zu identifizieren. Das erscheint als ein hoch gestecktes Ziel, wo doch schon die Fachleute in der aktuellen Lage zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen und gesicherte Erkenntnisse rar sind. Arbeitsschutzverantwortliche sind gut beraten, wenn sie sich in ihren Einschätzungen auf die Informationen stützen, die von zuständigen Stellen veröffentlicht werden – in diesem Fall v. a. vom Robert Koch-Institut, welches auf seiner Internetseite gut aufbereitete und in vielen Fällen auch für medizinische Laien gut verständliche Informationen bereitstellt.

Demnach ist der "Hauptübertragungsweg für SARS-CoV-2 ... die respiratorische Aufnahme virushaltiger Partikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen, Singen und Niesen entstehen".[1]

Dabei scheidet ein infizierter Mensch durch Husten, Niesen oder Sprechen Sekrettröpfchen aus den Atemwegen aus. In Abhängigkeit von der Größe verbleiben diese Partikel eine gewisse geringe Zeit in der Atemluft, bis sie auf den Boden/auf Flächen abgesunken sind. Während dieser Spanne können andere Menschen sie durch Einatmen aufnehmen und sich infizieren. Extrem kleine Partikel ("Atemfeuchtigkeit") bleiben sehr lange in der Luft und können dementsprechend auch durch Luftbewegungen über größere Distanzen (mehrere Meter) getragen werden. Entgegen erster Annahmen im Verlauf der Epidemie können (gerade bei hochinfektiösen Ausscheidern – "Superspreadern") auch solche winzigen Partikel vermehrungsfähige Viren enthalten und infektiös wirken ("Aerosolübertragung").

Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass eine sog. Schmier- oder Kontaktinfektion erfolgt, indem ausgeworfenes Virusmaterial auf einer Oberfläche eine gewisse Zeit lang vermehrungsfähig verbleibt und dort von einer anderen Person aufgenommen und in die Atemwege eingebracht wird (z. B. durch das Berühren des eigenen Gesichts mit der Hand). Dabei konnten zwar in Studien vermehrungsfähige Viren auf verschiedenen, v. a. glatten Oberflächen, über Zeiträume von einigen Stunden bis zu wenigen Tagen nachgewiesen werden. Allerdings ist die Anzucht von im Umfeld von Patienten gefundenen Viren bisher nicht gelungen und es gibt keine deutlichen Hinweise in den untersuchten Infektionsketten, dass auf diese Weise leicht Erreger aufgenommen werden. Das RKI stuft die Möglichkeit einer Kontaktinfektion als "insbesondere in der unmittelbaren Umgebung der infektiösen Person nicht auszuschließen" ein.

Wichtig ist zu verstehen, dass Viren nicht wie Pilze oder Bakterien in der Lage sind, sich selbstständig außerhalb von Organismen zu vermehren. Die Virenlast auf einer Fläche kann also nur ab- und nicht (wie etwa bei Schimmelpilzen) unter bestimmten Bedingungen zunehmen. Außerdem kann SARS-CoV-2 nicht über die Haut aufgenommen werden.

 
Wichtig

Risikoeinschätzungen verändern sich

Gerade im Bereich der Übertragungswege haben sich die Einschätzungen des RKI im Verlauf der Pandemie mehrfach verändert – ein Vorgang, der beim Auftreten eines neuen Erregers oft unvermeidlich ist.

Auf diese Weise wird es für Arbeitgeber schwieriger, Maßnahmen nach Dringlichkeit zu bewerten und eindeutig gegenüber den Beschäftigten zu kommunizieren. Der Gefahr einer Tröpfcheninfektion lässt sich recht effektiv über die Abstandwahrung und das ergänzende Tragen eines MNS bei Abstandunterschreitung vorbeugen. Schwieriger einzudämmen ist das Risiko einer Übertragung durch die Kontamination der Raumluft durch feinste Tröpfchen/Aerosole, das durch das Tragen von MNS und gründliche Lüftungsmaßnahmen zwar verringert, aber nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Die Infektionsübertragung durch Kontaktflächenkontamination steht aktuell nicht im Fokus von Infektionsschutzmaßnahmen, sodass an diesem Punkt ausgreifende Maßnahmen, die schnell an die Grenze der Praktikabilität gelangen, nicht erforderlich erscheinen.

Durch mit Beginn des Jahres 2021 zunehmend auftretende Virusmutationen, die zum Teil eine erhöhte Ansteckungsfähigkeit zeigen, tritt das Risiko hoher Erkrankungszahlen stärker in den Vordergrund, denen durch noch stärkere Kontaktreduktionen in der Arbeitswelt begegnet werden soll.

 
Wichtig

Warum ist das Infektionsgeschehen schlecht unter Kontrolle zu bringen?

Entgegen den ersten in der Anfangsphase der Pandemie erfolgten Einschätzungen erwies sich die sog. asymptomatische und präsymptomatische Übertragung, also die Ansteckung durch infizierte Personen, die keine oder noch keine Krankheitszeichen zeigen, als prägend für das Infektionsgeschehen. Da die Ausscheidung von Viren bereits kurz vor dem erkennbaren Ausbruch der Krankheit (oder auch ohne relevante Krankheitszeichen) erheblich hoch sein kann, sind die Infektionsherde kaum präzise zu lokalisieren.

Außerdem zeigt sich, dass in bestimmten, zwar eher seltenen Konstellationen hohe Übertragungsraten vor allem durch Aerosolübertragung zu...

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