Anthropometrie / 2.2 Maßtabellen und Gestaltungsregeln

Im Folgenden werden zunächst Maßangaben aus Normen vorgestellt. Anschließend werden die wichtigsten Gestaltungsgrundsätze für die Arbeit mit den vorhandenen Maßen erläutert.

2.2.1 Maßangaben aus Normen

Die oben genannten Einflussfaktoren auf die Abmessungen des menschlichen Körpers belegen, dass die verschiedenen Maßtabellen nach bestimmten Kriterien zu nutzen sind. Zunächst muss unbedingt berücksichtigt werden, welche Charakteristika die von der verwendeten Maßtabelle zur Verfügung gestellten Daten besitzen. Hiermit ist neben Alter der Daten (Stichwort säkulare Akzeleration), der betrachteten Bevölkerungsgruppe (Stichwort ethnische Unterschiede) auch die Frage gemeint, ob die Daten für bekleidete oder unbekleidete Menschen gelten.

Die DIN 33402-2 (2005) stellt Körpermaßtabellen für unbekleidete Personen zur Verfügung (s. Abb. 3).

Abb. 3: Ausgewählte Körpermaße[1]

Im Gegensatz dazu beinhaltet die DIN EN ISO 3411 (2007) Körpermaße für lediglich mit Schuhen bekleidete Maschinenführer. Der in den Daten enthaltene Zuschlag für das Schuhwerk beträgt 25 mm. Der Einfluss von weiterer Kleidung ist in diesen Maßen nicht berücksichtigt (vgl. Abb. 4). Neben den hier dargestellten Maßen für den stehenden Maschinenführer stellt die Norm auch Maße für Maschinenführer im Sitzen zur Verfügung.

Abb. 4: Körpermaße eines stehenden, mit Schuhen bekleideten Maschinenführers[2]

Für die maßliche Auslegung von Produkten und Arbeitsplätzen sind Körpermaße des unbekleideten Menschen in den meisten Fällen nicht unmittelbar anwendbar, sodass Zuschläge für die Arbeitskleidung oder Persönliche Schutzausrüstung notwendig werden.

[1] DIN 33402 Teil 2, 2005.
[2] DIN EN ISO 3411, 2007.

2.2.2 Gestaltungsgrundsätze

Neben der Kenntnis der Charakteristika der verwendeten Daten ist die korrekte Auswahl der für den jeweiligen Gestaltungsaspekt relevanten Körpermaße die zweite Herausforderung beim Umgang mit Körpermaßtabellen. Wie bereits erläutert ist es nicht zweckmäßig sich bei der maßlichen Auslegung an den durchschnittlichen Körpermaßen zu orientieren, sondern es sollte die Spanne zwischen 5. Perzentil und 95. Perzentil berücksichtigt werden. Dies führt zu folgenden Gestaltungsgrundsätzen, die sich in der Mehrheit der Gestaltungsfälle (aber nicht in allen Fällen) anwenden lassen:

  • Innere Maße (z. B. die Dachhöhe eines Autos) orientieren sich nach dem größten Nutzer (i. d. R. 95. Perzentil Mann), da diesem ausreichend Bewegungsraum gegeben werden muss (Abb. 5).

Abb. 5: Auslegung nach dem 95. Perzentil

  • Äußere Maße (z. B. der Abstand zu Bedienelementen) orientieren sich nach dem kleinsten Nutzer (i. d. R. 5. Perzentil Frau), da die Erreichbarkeit gewährleistet sein muss (Abb. 6).

Abb. 6: Auslegung nach dem 5. Perzentil

  • Bei Auslegung fester, nicht verstellbarer Arbeitshöhen nach dem 95. Perzentil müssen für das 5. bis 95. Perzentil entsprechende Möglichkeiten zur Anpassung bereitgestellt werden.

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