Analyse und Modellierung vo... / 2.1 Ereignisse

Ereignisse (Events) beschreiben einen konkret beobachtbaren Zustand. Ereignisse treten ein – entweder weil in der Umwelt des Prozesses etwas geschehen ist ("Kundenauftrag liegt vor") oder weil der Prozess selbst ein Ereignis herbeigeführt hat ("Ware ist geliefert"). Ereignisse beschreiben immer einen Zustand, der erreicht ist. In keinem Fall beschreiben Ereignisse Aktivitäten (also nicht: "Kunde bestellt" oder "Ware liefern"). Ereignisse, die aus der Umwelt des Prozesses ausgelöst werden, bezeichnen wir als "eingetretene Ereignisse "(catching events), vom Prozess ausgelöste Ereignisse nennen wir "ausgelöste Ereignisse "(throwing events).

Ein Startereignis (start event) beschreibt den Zustand zu Beginn des Prozesses. Immer wenn dieser Zustand in der Umgebung des Prozesses eintritt, startet der Prozess. Ein Startereignis gehört also immer zu den eingetretenen Ereignissen. Ein Endereignis (end event) beschreibt den Zustand, der am Ende des Prozesses erreicht ist. Es kann in einem Prozess mehrere Start- und Endereignisse geben. Das Endereignis ist immer ein ausgelöstes Ereignis, denn es beschreibt den am Ende des Prozesses herbeigeführten Zustand.

Die folgende Abb. 2 zeigt ein einfaches aber formal korrektes Prozessmodell: Es besagt nichts weiter, als dass der Einstellungsprozess im Unternehmen beginnt, sobald eine genehmigte Personalanforderung vorliegt und dass er endet, sobald ein Anstellungsvertrag mit einem neuen Mitarbeiter unterschrieben ist. Ein Startereignis ist durch einen Kreis mit einer dünnen Linie, das Endereignis durch einen Kreis mit einer dickeren Linie symbolisiert. Zwischen den beiden Linien deutet der durchgehende Pfeil den Sequenzfluss (sequence flow) vom Startereignis zum Endereignis an.

Abb. 2: Einstellungsprozess

Aber allein diese wenigen Informationen markieren eine klare Abgrenzung: Die Erstellung der Personalanforderung (durch wen eigentlich?), die damit verbundenen Entscheidungen über die notwendige Qualifikation und die Eingruppierung sowie der gesamte Genehmigungsvorgang gehören nicht zum Prozess. Ebensowenig sind alle Aktivitäten der Aufnahme des neuen Mitarbeiters (Ausstattung mit Arbeitsmaterial, Zugangskontrolle, Visitenkarte, Einarbeitung etc.) nicht enthalten. Diese Abgrenzung ist möglich, aber man kann trefflich darüber streiten, ob sie sinnvoll ist. Es wird also schnell deutlich: Schon die Wahl der Start- und Endereignisse beeinflusst die Gestaltung des Prozesses erheblich.

Unter Umständen erscheint es sinnvoll, einen längeren Prozess durch mehrere Zwischenereignisse (intermediate events) zu gliedern. Ausgelöste Zwischenereignisse können überall da verwendet werden, wo der Modellierer einen signifikanten erreichten Zustand festhalten will. Geschlossene Verträge, gebuchte Vorgänge, gelieferte Waren sind Beispiele für solche Zwischenereignisse. Im folgenden Diagramm ist der Prozess zur Abrechnung von Gehältern und Provisionen dargestellt.

Der Prozess beginnt immer drei Tage vor dem Monatsletzten. Dieses Startereignis liegt in der Umwelt des Prozesses vor – der Prozess steuert den Lauf des Kalenders nicht. Der Prozess endet, wenn die SV-Beiträge für die Angestellten gezahlt sind. Zwischendurch werden mehrere signifikante Zustände erreicht: Die Fehlzeiten und Überstunden sind erfasst, die Provisionen sind errechnet, der Abrechnungslauf ist ausgeführt, die Gehaltszahlungen, SV-Beiträge und Lohnsteuern wurden gebucht und schließlich gezahlt. Beachten Sie, dass die Zwischenereignisse durch Kreise mit doppelter Linie symbolisiert sind.

Abb. 3: Personal- Abrechnungsprozess

Bisher haben wir die Ereignisse nur in ihrer Blanko-Form dargestellt. Blanko-Zwischenereignisse sind immer ausgelöste Zwischenereignisse (throwing intermediate events): sie beschreiben einen Zustand, der durch den Prozess herbeigeführt wurde: Wenn der Prozess beschreibt, wie die Gehaltszahlungen gebucht werden, dann hat der Prozess das Ereignis "Gehaltszahlungen gebucht" herbeigeführt. Es gibt aber auch eingetretene Zwischenereignisse (catching intermediate events). Stellen Sie sich vor, Sie erstellen für einen neuen Mitarbeiter den Anstellungsvertrag und senden diesen an den Mitarbeiter. Dann kann Ihr Einstellungsprozess nur weitergehen, wenn der Vertrag unterschrieben zurück ist: Ihre IT-Abteilung wird sich weigern, Benutzer-IDs anzulegen, wenn die betreffenden Personen noch nicht Mitglied der Organisation sind. Ein eingetretenes Zwischenereignis macht deutlich, dass der Prozess an dieser Stelle auf ein Ereignis aus der Umwelt wartet (in diesem Fall auf das zurückgesandte Vertragsdokument).

Abb. 4: Warten auf Rücksendung eines Dokuments

Das eingetretene Zwischenereignis in dieser Darstellung wird zusätzlich zum doppelten Kreis noch durch ein Nachrichtensymbol (einen Briefumschlag) spezifiziert. Ein eintretendes Nachrichtenereignis (message event) bedeutet also: "Warte bis die genannte Nachricht eintrifft." Auch Startereignisse können mit besonderen Symbolen spezifiziert werden: Ein Nachrichten-Start Ereignis symbolisiert ...

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