Alkohol und Arbeit: Betrieb... / 3 Viele Maßnahmen auf vielen Gebieten

Wichtig ist es, in ein Suchtprogramm am Arbeitsplatz möglichst viele Bereiche und Themen mit einzubeziehen:

  • Ebene der Vorgesetzten,
  • Ebene der Kollegen,
  • Verfügbarkeit von Alkohol im Betrieb,
  • Beseitigung Sucht fördernder Arbeitsbedingungen,
  • betriebliche Gesundheitsförderung und
  • Kommunikationskultur im Betrieb.

3.1 Arbeitskreis Gesundheit und Gesundheitszirkel

Maßgebliche Ziele der Schaffung eines Arbeitskreises Gesundheit sollten sein:

  • den Betrieb für Bedingungen zu sensibilisieren, die den Alkoholkonsum fördern;
  • soziale, gesundheitliche und arbeitssicherheitsspezifische Folgen des Alkoholkonsums anzusprechen und im Sinne einer betrieblichen Gesundheitsförderung zu bearbeiten.

Teilnehmer des Arbeitskreises können z. B. sein:

  • Personalleitung,
  • Betriebs-/Personalrat,
  • Ausbildungsleitung,
  • Arbeitsmediziner,
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit,
  • Sozialberater,
  • Schwerbehindertenvertretung und
  • Suchtkrankenhelfer.

Dieser Kreis sollte mind. vierteljährlich tagen, seine Ergebnisse schriftlich dokumentieren und sie der Unternehmensleitung vorlegen.

 
Wichtig

Unterstützung durch Moderator

Der Arbeitskreis Gesundheit sollte von einem kompetenten Moderator unterstützt werden, der für einen konstruktiven Diskussionsverlauf sorgt und hilft, bei differierenden Standpunkten gemeinsame Ziele zu entwickeln. Dieser Moderator kann auch ein Mitarbeiter des Betriebs sein. Manchmal erweist es sich jedoch auch als sinnvoll, einen externen Moderator einzusetzen, gerade bei sehr unterschiedlichen Standpunkten und verfahrenen Diskussionssituationen. Einer außenstehenden Person fällt es oft leichter, die Neutralität und die Wertschätzung gegenüber unterschiedlichen Sichtweisen zu wahren.

Bezogen auf Suchtprävention und -intervention bieten Gesundheitszirkel einen Rahmen, in dem auch Sucht auslösende und fördernde Faktoren in den betreffenden Betriebsbereichen (in denen jeweils ein Gesundheitszirkel installiert sein sollte) angesprochen werden können.

Der Gesundheitszirkel sollte parallel zum Arbeitskreis Gesundheit tätig werden. Der Unterschied ist hier jedoch die reduzierte Anzahl der Akteure (Abb. 5). Im Gegensatz zum Arbeitskreis Gesundheit sollen hier nur akute, abteilungsbezogene Themen angesprochen und bearbeitet werden.

 
Praxis-Beispiel

Akute Alkoholerkrankung eines Gabelstaplerfahrers in der Abteilung

Der Gesundheitszirkel kann in diesem Fall ad hoc tagen, Interventionsmaßnahmen entwickeln und entsprechend durchsetzen, da er abteilungsbezogen agiert. Grundlegende Fragen der betrieblichen Alkoholproblematik und gesamtbetriebsumfassenden Präventions- und Interventionsmaßnahmen sollten hingegen vom Arbeitskreis Gesundheit bearbeitet und geklärt werden.

Der Gesundheitszirkel sollte monatlich tagen, seine Ergebnisse dokumentieren und den Beschäftigten zugänglich machen.

Zielsetzung des Gesundheitszirkels ist die Erfassung der im Betrieb generell auftretenden gesundheitlichen Belastungen. Gleichzeitig sollte eine Ermittlung der im Betrieb auftretenden Beschwerden der Mitarbeiter erfolgen. Anschließend werden Vorschläge zur Verbesserung der betrieblichen Arbeitsbedingungen erarbeitet (Abb. 5). Ein wichtiges Themenfeld des Gesundheitszirkels kann die Alkoholproblematik sein.

Abb. 5: Akteure und Aufgaben eines Gesundheitszirkels

Mit den Mitarbeitern kann nach einer Lösung gesucht werden, die von allen mitgetragen wird. Wichtig ist es dann, dass die Zielsetzung, die zu besprechenden Inhalte und der Teilnehmerkreis sowie der Arbeitsmodus klar festgelegt sind. Anderenfalls wird aus solch einem Zirkel leicht eine Diskussionsrunde ohne erkennbare Ergebnisse und Handlungen.

3.2 Veränderung der Trinkkulturen

Ein vollständiges Alkoholverbot im Betrieb stößt bei der Belegschaft oft auf erheblichen Widerstand und führt leicht dazu, dass heimlich getrunken wird. In Betrieben mit totalem Alkoholverbot kann man feststellen, dass das Alkoholverbot mehr und mehr unterlaufen wird, wenn klare Sanktionen ausbleiben. Ein Alkoholverbot ist nur dann sinnvoll, wenn es für die Mitarbeiter einsichtig ist und Verstöße mit eindeutigen Konsequenzen verbunden sind.

 
Achtung

Besser als vollständiges Verbot: Klare Regeln

Erfolgversprechender ist daher eine konsequente Alkoholpolitik im Betrieb, mit klaren Aussagen darüber, wann und wo der Konsum alkoholhaltiger Getränke gestattet ist und wann und wo es ein klares Verbot gibt. Es sollten nur Regelungen eingeführt werden, bei denen die Konsequenzen eines Fehlverhaltens ebenfalls klar geregelt sind.

Bei der Veränderung der Trinkkulturen spielt natürlich die Vorbildwirkung eine erhebliche Rolle. Maßnahmen zur Förderung der Kommunikation nehmen dem Alkohol die Bedeutung des sozialen "Schmiermittels". Zur Veränderung von Trinkkulturen ist es gleichzeitig notwendig, die Belegschaft über die Gefahren des Alkoholmissbrauchs zu informieren.

Entscheidend ist eine Auseinandersetzung mit folgenden Fragen:

  • Welche Trinkkultur haben wir und welche streben wir an?
  • Welche Alternativen können wir bieten?
  • Welche Veränderungen tragen die Mitarbeiter mit?
  • Wo muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden?
  • Wie lade ich die Beteiligten zu Veränderungspr...

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