Alkohol und Arbeit: Betrieb... / 2 Gute Gründe für betriebliche Suchtprävention

2.1 Günstige Faktoren für suchtpräventive Maßnahmen

  • Der Arbeitsplatz spielt im Leben jedes Individuums sowohl zur Existenzsicherung als auch zur Lebensgestaltung und zur Selbstbestätigung eine wesentliche Rolle.
  • Strukturen für Trainings- und Informationsmaßnahmen können genutzt werden.
  • Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen können Ziele und Maßnahmen der Prävention definieren und durchsetzen.
  • Der Arbeitsplatz setzt Maßstäbe in Bezug auf Suchtmittelkonsum, Arbeitsleistung und Arbeitssicherheit.
  • Durch rechtzeitige Hilfsangebote an Gefährdete und Abhängige werden Arbeitsplätze gesichert.
  • Ein positives Therapieergebnis wird durch den Erhalt des Arbeitsplatzes entscheidend stabilisiert.
  • Der Arbeitsplatz hat Einfluss auf die Definition von Trinkkulturen, v. a. wenn eine klare Alkoholpolitik betrieben wird, die eine Einschränkung des Angebots alkoholhaltiger Getränke und den Ausbau des Angebots an alkoholfreien Erfrischungsgetränken beinhaltet.
 
Achtung

Arbeitsplatzbedingungen können sich suchtfördernd auswirken

  • Ständige Unter- oder Überforderung, unzureichende Arbeitsbedingungen, soziale Isolation, mangelnde Anerkennung oder ständige soziale Spannungen, hohes Arbeitstempo, physikalische Belastungen führen häufig zu vermehrtem Alkoholkonsum, ebenso wie Nachtarbeit, Schichtarbeit sowie starke seelische Belastungen.
  • Selbstverständliche Verfügbarkeit alkoholischer Getränke und eine problematische Konsumkultur spielen bei der Entwicklung von Missbrauch und Abhängigkeit eine verstärkende Rolle.

2.2 Untersuchungen in Unternehmen

Es gibt vielfältige Gründe für das Einführen von Alkoholpräventionsmaßnahmen. Bei einer Studie der Universität Karlsruhe[1] wurden Unternehmen gefragt, welche Aspekte sie für die Einführung entsprechender Präventionsmaßnahmen als wichtig erachten. Bemerkenswert war hier die Gewichtung der Fürsorgepflicht des Unternehmers (Abb. 2). Gleichzeitig wurden die alkoholbedingten Sicherheitsaspekte hervorgehoben. Die Qualitätssicherung wurde im Mittelfeld genannt, während die Vermeidung alkoholbedingter Fehlzeiten sowie das Vermeiden von Unfällen an letzter Stelle standen.

Die befragten Unternehmen sahen die Beratung der betroffenen Mitarbeiter als primäre Präventions- und Interventionsmaßnahme (Abb. 3). Ebenfalls hoch gewichtet wurden die Vermittlung von (internen und externen) Hilfsangeboten, die Schulung von Vorgesetzten sowie ein gezieltes stufenweises Vorgehen in Fragen der Alkoholproblematik. Konstruktiver Druck und Disziplinarmaßnahmen gegenüber alkoholkranken bzw. -konsumierenden Mitarbeitern wurden im Mittelfeld gewichtet. Weitaus weniger wichtig wurde die Teilnahme an entsprechenden Nachsorgegruppen gesehen. Am geringsten wurde das Angebot innerbetrieblicher Alkoholtests gewertet, nicht zuletzt deswegen, weil sie rechtlich umstritten und nur mit der Genehmigung des Betroffenen durchzuführen sind.

Abb. 2: Gründe für das Einführen von Alkoholpräventionsmaßnahmen

Abb. 3: Angebotene Präventions- und Interventionsmaßnahmen

Als vorrangiges Ziel von Alkoholpräventions- und Interventionsmaßnahmen wurde die Erhöhung der Arbeitssicherheit gesehen (Abb. 4). Gleichfalls hoch gewichtet wurden die Vermeidung von Rückfällen alkoholkranker Mitarbeiter und die Wahrnehmung der sozialen Verantwortung im Betrieb. Als Ziel entsprechender Präventions- und Interventionsmaßnahmen wurde auch die frühzeitige Erkennung von Alkoholproblemen in der Belegschaft gewertet. Weniger ins Gewicht fielen die Vermeidung alkoholbedingter Fehlzeiten sowie die Reduzierung entsprechender Kosten.

Abb. 4: Ziele der Präventions- und Interventionsmaßnahmen

[1] Gröben, Alkohol am Arbeitsplatz: Wie halten es die 250 größten Unternehmen und die öffentliche Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland mit diesem Thema?, 2008.

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