Ältere Arbeitnehmer / 1 Leistungsfähigkeit und Unfallrisiko

In den Köpfen von Unternehmern und Personalverantwortlichen hält sich z. T. die Vorstellung, dass ältere Arbeitnehmer teuer, häufig krank und wenig belastbar sind. Ein differenzierter Blick auf Leistungsfähigkeit, Ausfallzeiten und Unfallrisiko älterer Arbeitnehmer ermöglicht eine realistische Einschätzung.

1.1 Altersbedingte Veränderungen

Der großen Lebens- und Berufserfahrung älterer Arbeitnehmer sowie Eigenschaften, wie Zuverlässigkeit und Besonnenheit, stehen altersbedingte Veränderungen gegenüber:[1]

  • abnehmende körperliche Ausdauer,
  • altersbedingt erhöhte Werte für das Körpergewicht und den Body Mass Index,
  • Körperkraft, Kraft beim Greifen, Gelenkbeweglichkeit, Wirbelsäulen-Flexibilität und andere Parameter unterliegen zwar altersbedingten Verschlechterungen, diese sind aber individuell extrem unterschiedlich ausgeprägt und können teilweise durch Training kompensiert werden,
  • Erholungsbedürfnis und die Notwendigkeit von Pausen nehmen mit dem Alter zu,
  • Reaktionszeiten verlängern sich, dies wird jedoch teilweise durch Übung und Erfahrung kompensiert,
  • für kognitive Fähigkeiten gilt: "Use it or lose it" (Gebrauch es oder verlier es), d. h., Übung ist extrem wichtig, um intellektuelle Kompetenzen im Alter zu behalten,
  • Fähigkeiten der Sinnesorgane wie Hörvermögen, Sehschärfe, Farbunterscheidung usw. lassen mit dem Alter zunehmend nach.

Für die Leistungsfähigkeit sind allerdings nicht Alter oder Geschlecht entscheidend, sondern Arbeitsbedingungen, Lebensverhältnisse, Bildung und Motivation.[2] Das kalendarische Alter sagt also wenig über die individuelle Leistungsfähigkeit aus.

 
Wichtig

Alterssimulation mit GERT

Um jüngeren Beschäftigten zu zeigen, wie ältere Kollegen Arbeit und Arbeitsumgebung wahrnehmen, kann der Alterssimulationsanzug GERT eingesetzt werden. Er simuliert eine Alterszunahme von 30 bis 40 Jahren. Die einzelnen Komponenten des Anzugs machen mögliche altersbedingte Einschränkungen erlebbar, wie z. B.:

  • Eintrübung der Augenlinse,
  • Einengung des Gesichtsfelds,
  • Hochtonschwerhörigkeit,
  • Einschränkung der Kopfbeweglichkeit,
  • Gelenkversteifung,
  • Kraftverlust,
  • eingeschränktes Greifvermögen,
  • eingeschränktes Koordinationsvermögen.

GERT ermöglicht auch in der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, für das Thema "Ältere Arbeitnehmer" zu sensibilisieren.

[1] Quelle: BVPG.
[2] Langhoff, 2010.

1.2 Krankheit und Unfallrisiko

Ältere Beschäftigte sind i. Allg. seltener krank als jüngere, allerdings ist die Dauer der Arbeitsunfähigkeit pro Krankheitsfall höher, laut BAuA liegt sie bei Beschäftigten unter 45 Jahren bei durchschnittlich 8,1 und über 45 Jahren bei durchschnittlich 16,1 Ausfalltagen.[1]

Meldepflichtige Unfälle kommen bei 20- bis 29-Jährigen ähnlich häufig vor wie bei 40- bis 54-Jährigen. Falls Ältere Unfälle erleiden, so sind diese i. Allg. schwerwiegender und häufiger tödlich.[2]

 
Wichtig

Prävention lohnt sich – für alle Beschäftigten

Mit der Schrift "Prävention kennt keine Altersgrenzen" liefert die DGUV Tipps und Argumente für Prävention für alle Beschäftigten. Denn auch junge Arbeitnehmer werden älter und die älteren sollen noch lange arbeits- und leistungsfähig bleiben.

Der demografische Wandel verändert die Arbeitswelt: Die mittlere Altersgruppe (30–49 Jahre) der Erwerbsfähigen wird von 49 % im Jahr 2015 auf ca. 42 % im Jahre 2020 abnehmen.

Die Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen wird dagegen im selben Zeitraum auf ca. 39 % steigen, das sind etwa 2 von 5 Beschäftigten.[3]

Es müssen also Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit, Qualifikation und Motivation ergriffen werden, damit der Betrieb auch zukünftig wettbewerbsfähig bleibt.

[1] Quelle: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2018, www.baua.de.
[2] Quelle: DGUV.
[3] Quelle: Statistisches Bundesamt, 2015.

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