Abrechnung der Aufwendungen... / 6 Lohnsteuerpauschalierung mit 25 %

6.1 Pauschalierung begünstigter Zuwendungen

Für die Erhebung der Lohnsteuer gelten die allgemeinen Vorschriften. In der Praxis ist es üblich, dass der Arbeitgeber die Lohnsteuer bei steuerpflichtigen Betriebsveranstaltungen mit einem Pauschsteuersatz von 25 % übernimmt. Ein Antrag beim Finanzamt ist hierfür nicht erforderlich. Durch die geänderte Begriffsbestimmung umfasst die Pauschalierungsvorschrift seit 2015 auch betriebliche Veranstaltungen mit geselligem Charakter, die nicht allen Arbeitnehmern offenstehen.

Umfang der pauschalierungsfähigen Aufwendungen

Der Pauschsteuersatz von 25 % ist auf solche Zuwendungen beschränkt, die den Rahmen und das Programm der Betriebsveranstaltung betreffen. Neben dem Wert der Betriebsveranstaltung sind dies Zuwendungen, die durch das Programm der Veranstaltung bedingt sind, wenn diese nicht für die Betriebsveranstaltung untypisch sind.

 

Praxis-Beispiel

Pauschalbesteuerung eines 2-tägigen Ausflugs

Eine Firma aus Baden-Württemberg lädt ihre Mitarbeiter zu einer 2-tägigen Ausflugsfahrt nach Hamburg ein. Die Gesamtaufwendungen für die 60 Teilnehmer betragen 12.000 EUR einschließlich Umsatzsteuer.

Ergebnis: Auf den einzelnen Arbeitnehmer entfallen Zuwendungen i. H. v. 200 EUR (12.000 EUR/60 Teilnehmer). Die Betriebsveranstaltung ist damit unabhängig von ihrer Dauer unüblich und hinsichtlich des den Freibetrag übersteigenden Teils von 90 EUR lohnsteuerpflichtig. Der Arbeitgeber kann die Steuer mit einem Pauschsteuersatz von 25 % übernehmen. Im Rahmen der Lohnsteuer-Anmeldung hat die Firma insoweit folgende pauschalen Steuerabzugsbeträge anzumelden und abzuführen:

 
Gesamtaufwand (maßgebend sind die Bruttobeträge) 12.000,00 EUR
Abzgl. 110-EUR-Freibetrag x 60 Arbeitnehmer 6.600,00 EUR
Verbleibender lohnsteuerpflichtiger Teilbetrag 5.400,00 EUR
Davon pauschale Lohnsteuer mit 25 % 1.350,00 EUR
Pauschaler Solidaritätszuschlag (5,5 % von 1.350 EUR) 74,25 EUR
Pauschale Kirchensteuer (z. B. 6 % von 1.350 EUR) 81,00 EUR
Gesamter Abzugsbetrag für die Betriebsveranstaltung 1.505,25 EUR

6.2 Pauschalierung auch bei unüblichen Zuwendungen

In die Berechnung des 110-EUR-Freibetrags einzubeziehen sind auch teure Sachgeschenke, die den für Aufmerksamkeiten geltenden Wert von 60 EUR übersteigen. Die Pauschalbesteuerung für den die steuerfreie Höchstgrenze von 110 EUR übersteigenden Teilbetrag ist möglich. Zu prüfen ist zunächst, ob das Geschenk anlässlich oder gelegentlich der Betriebsveranstaltung gewährt wird.

Pauschalierung nur für Zuwendungen aus Anlass der Betriebsveranstaltung

Unverzichtbare Voraussetzung für die Pauschalbesteuerung ist, dass die Sachzuwendung aus Anlass der Betriebsveranstaltung erfolgt. Der entscheidende Grund für die Vorteilsgewährung muss also in der Veranstaltung selbst liegen. Dies ist immer dann der Fall, wenn das Geschenk den Charakter eines typischen Bestandteils der Weihnachtsfeier aufweist. Es muss deshalb zum üblichen Rahmen oder Programm einer solchen Betriebsfeier zählen.

Keine Pauschalierung ohne sachlichen Zusammenhang

Der Arbeitgeber darf nicht nur die Gelegenheit der Weihnachtsfeier nutzen, um das Sachgeschenk (steuergünstig) den Mitarbeitern zu überreichen. Aus diesem Grund fällt z. B. die Weihnachtsgratifikation bzw. das 13. Gehalt nicht unter die Pauschalierungsvorschrift, auch wenn der Arbeitgeber die Überreichung als Programmpunkt in die betriebliche Weihnachtsfeier aufnimmt. Ungeachtet der Programmgestaltung sind solche Zuwendungen nicht allein durch die Veranstaltung der Weihnachtsfeier bedingt.

Zur Abgrenzung wird geprüft, ob die Zuwendung auch ohne Durchführung der Betriebsveranstaltung gewährt worden wäre.

 

Praxis-Beispiel

Keine Lohnsteuerpauschalierung beiläufiger Zuwendungen

Der Inhaber eines Handwerksbetriebs schenkt seinen Mitarbeitern, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, jeweils eine goldene Uhr im Wert von 300 EUR. Die Überreichung erfolgt für alle Altersjubilare regelmäßig im Rahmen der am Ende des Jahres stattfindenden Weihnachtsfeier.

Ergebnis: Der Sachbezug "goldene Uhr" ist steuerpflichtig. Die Lohnsteuer ist nach den für sonstige Bezüge geltenden Regeln einzubehalten. Eine Pauschalbesteuerung mit 25 % ist nicht zulässig, da das Geschenk von bleibendem Wert anlässlich des Geburtstags und nicht anlässlich der Betriebsveranstaltung gewährt wird.

6.3 Keine Pauschalierung bei Barzuwendungen

Bei der Gewährung von Barbeträgen, deren zweckentsprechende Verwendung nicht sichergestellt ist, braucht der Anlass im Normalfall nicht geprüft zu werden. In diesen Fällen ist eine pauschale Lohnsteuererhebung nicht zulässig.

Begünstigt sind ausschließlich Sach- und Barzuwendungen, die für eine Betriebsveranstaltung bzw. aus deren Anlass gewährt werden. Erhalten Arbeitnehmer anlässlich einer Weihnachtsfeier Geldgeschenke, die kein zweckgebundenes Zehrgeld sind, scheidet die Möglichkeit der pauschalen Lohnsteuer aus, weil der Arbeitgeber lediglich die Gelegenheit der Betriebsveranstaltung nutzt, um die für die Arbeitnehmer frei verfügbaren Geldmittel zu übergeben.

Keine Pauschalierung bei Zuwendung von Goldmünzen

Der Gewährung von Barbeträgen gleichgestellt ist die Überlassung von Goldmünzen, denen Bargel...

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