03.01.2012 | Entgelt

Steuerliche Regeln bei Geschenken an Mitarbeiter

Kann zum steuerlichen Problemfall werden: das Geschenk.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Während das Weihnachtsgeld der Lohnsteuer unterliegt, muss das bei Präsenten an die Belegschaft nicht immer der Fall sein. Denn bei Sachzuwendungen lassen sich besondere Vorteile erzielen.

Doch bevor es um die steuerliche Beurteilung der Weihnachtsgeschenke geht, ist auch zu beachten, dass auch die Weihnachtsfeier Lohnsteuer für die beteiligten Mitarbeiter auslösen kann.

Grundsatz

Generell sind alle Zuwendungen der Arbeitgeber an ihre Belegschaft Arbeitslohn, auch wenn sie als Geschenk bezeichnet werden. Eine Ausnahme bilden lediglich Annehmlichkeiten. In der Regel führt also das Weihnachtspäckchen zu einem lohnsteuerpflichtigen Sachbezug.

Weihnachtsgeschenke können jedoch auch als Sachleistungen des Arbeitgebers steuerfrei bleiben, wenn sie zu keiner ins Gewicht fallenden Bereicherung der Arbeitnehmer führen. Dann handelt es sich um bloße Aufmerksamkeiten (R 19.6 LStR) bis zu einem Wert von 40 EUR, z. B. bei Blumen, Genussmittel, Buch oder Tonträger. Geldzuwendungen gehören hingegen stets zum Arbeitslohn, auch wenn es nur 10 EUR sein sollten.

 

Sachzuwendung

Da es sich beim Weihnachtsgeschenk in der Regel nicht um bloße Aufmerksamkeiten handelt, kommt die Einzelbewertung für Sachbezüge mit dem nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG um Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen inklusive Umsatzsteuer im Zeitpunkt der Abgabe in Betracht.

Dabei lässt sich die Freigrenze nach § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG von 44 EUR im Monat verwenden, sofern dieser Betrag nicht bereits für andere Sachzuwendungen als das Weihnachtsgeschenk ausgeschöpft ist.

Arbeitnehmer können vom Betrieb ohnehin vertriebene Waren steuerfrei als Weihnachtspräsent beziehen, sofern der Vorteil zu 1.080 EUR im Jahr beträgt. Die Höhe ergibt sich aus dem üblichen Verkaufspreis abzüglich eines Abschlags von 4 %. Dabei können Rabatte berücksichtigt werden, wenn die auch Kunden üblicherweise gewährt wird.

Schenkt der Chef beispielsweise einem erfolgreichen Vertriebsmitarbeiter zu Weihnachten einen Fernseher aus dem Lagerbestand mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.399 EUR und können ihn Kunden im Laden für 999 EUR mitnehmen, muss auf die Zuwendung keine Lohnsteuer berechnet werden, da der Rabattfreibetrag unterschritten ist.

Als Vereinfachungsregel zur Ermittlung des geldwerten Vorteils kann als Endpreis der Betrag angenommen werden, der sich ergibt, wenn 80 % des Preisnachlasses, der durchschnittlich beim Verkauf an fremde Letztverbraucher im allgemeinen Geschäftsverkehr tatsächlich gewährt wird, vom empfohlenen Preis abgezogen werden (BMF, Schreiben v. 18.12.2009, IV C 5 - S 2334/09/10006, BStBl 2010 I S. 20).

 

Gutschein

Gibt es zu Weihnachten keinen Gegenstand, sondern z.B. einen Buch-, Tank- oder Warengutschein überreicht, bleibt diese Sachzuwendung ebenfalls im Wert von 44 EUR pro Monat steuer- und abgabenfrei.

Vom Arbeitgeber ausgegebene, bei Dritten einzulösende Sachgutscheine sind nach der aktuellen BFH-Rechtsprechung in drei Grundsatzurteilen vom 11.11.2010 (VI R 21/09, VI R 27/09, und VI R 41/10) nicht nur dann als Sachzuwendung zu behandeln, wenn die Gutscheine auf eine nach Art und Menge konkret bezeichnete Sache lauten. Ob Barlohn oder nach § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG steuerbegünstigte Sachbezüge vorliegen, ist nach Auffassung des BFH allein danach zu beurteilen, welche Leistung der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber beanspruchen kann.

Demgegenüber kommt es jetzt zu Weihnachten nicht mehr darauf an, auf welche Art und Weise sich die beschenkte Belegschaft den zugesagten Vorteil verschafft. Deshalb liegen Sachbezüge unter Anwendung der 44-EUR-Freigrenze auch dann vor, wenn der Chef in der Adventszeit sein Präsent an den Arbeitnehmer mit der Auflage verbindet, den empfangenen Geldbetrag in einer bestimmten Weise zu verwenden.

Gibt es also zu Weihnachten nicht direkt einen Gegenstand, sondern z.B. einen Warengutschein über den Einkauf von 44 EUR im benachbarten Supermarkt überreicht, bleibt diese Sachzuwendung steuer- und abgabenfrei, wenn dieser vom Arbeitgeber ausgegeben und beim Dritten - Discounter - einzulösen ist.

Es kommt jetzt nur noch zu Barlohn, wenn der beschenkte Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, dass sein Arbeitgeber ihm anstelle des Präsents Geld in Höhe des Werts des Sachbezugs ausbezahlt (BFH, Urteil vom 11.11.2010, VI R 27/09).

Hinweis: Die Freigrenze des § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG von 44 EUR im Monat lässt sich für das Weihnachtsgeschenk aber nur verwenden, sofern dieser Betrag nicht bereits für andere Sachzuwendungen im Dezember ausgeschöpft ist.

 

Pauschalsteuer aufs Weihnachtspräsent

Sachzuwendungen und damit auch Geschenke an Arbeitnehmer müssen nicht generell als geldwerter Vorteil mit dem üblichen Verkaufspreis über die Lohnsteuerkarte erfasst werden. Denn der Arbeitgeber kann die Steuer auf Sachzuwendungen nach § 37b EStG selbst übernehmen und pauschal versteuern. Das gilt nicht nur für Präsente zum Geburtstag oder besonderen betrieblichen Anlässen und der Einladung in den VIP-Bereich bei Sportveranstaltungen, sondern auch bei teuren Geschenken zu Weihnachten. Alle Zuwendungen, die nicht in Barem bestehen, können über die Pauschalierungsmöglichkeit abgedeckt werden, sofern keine Pauschalierungsmöglichkeit nach § 40 Abs. 2 EStG besteht.

Tipp: Anwendung der Pauschalregel

Der Arbeitgeber kann sich sogar noch nach Weihnachten überlegen, ob er die Pauschalregel anwenden möchte. Die Entscheidung zur Anwendung ist spätestens in der letzten Lohnsteuer-Anmeldung des Wirtschaftsjahres der Zuwendung zu treffen. Ausreichend hierfür ist eine geänderte Anmeldung, solange das verfahrensrechtlich noch möglich ist (LfSt Bayern, Verfügung vom 19.6.2009, S 2297 a.1.1 - 1/8 St 33).

 

Weihnachtsfeier

Die am Ende eines Jahres übliche Weihnachtsfeier führt nur dann nicht zu Arbeitslohn, wenn pro Arbeitnehmer nicht mehr als die Freigrenze von 110 EUR inklusive Umsatzsteuer aufgewendet wird und es sich maximal um die zweite Betriebsveranstaltung in 2010 handelt. Aufwendungen für teilnehmende Angehörigen der Belegschaft werden dem einzelnen Arbeitnehmer zugerechnet (R 19.5 Abs. 5 LStR).

Wird die Freigrenze von 110 EUR überschritten, ist der Gesamtbetrag als Arbeitslohn zu versteuern. Dies kann der Arbeitgeber pauschal gem. § 40 Abs. 2 EStG übernehmen, wenn die Teilnahme an der Veranstaltung allen Arbeitnehmern offen steht. Unschädlich ist hingegen, wenn sich die Weihnachts- oder Jahresabschlussfeier über zwei Tage mit Übernachtung hinzieht (R 19.5 Abs. 3 LStR).

Gibt es im Rahmen der Weihnachtsfeier Sachgeschenke, fließen die bei einem Bruttobetrag bis 40 EUR in die Berechnung der Freigrenze ein, teurere Präsente sind grundsätzlich steuerpflichtiger Arbeitslohn und können vom Arbeitgeber mit 25 % pauschal versteuert werden. Handelt es sich aber um Geschenke, die mit der Weihnachtsfeier nicht in einem sachlichen Zusammenhang stehen, sondern nur bei dieser Gelegenheit überreicht werden, kann dies nicht pauschal besteuert werden (BFH, Urteil vom 7.11.2006, VI R 58/04, BStBl 2007 II S. 128). Damit kann der Arbeitgeber die Betriebsveranstaltung vor Heilig Abend nicht dazu nutzen, etwa einen Jahresendbonus in Form von Goldmünzen steuergünstig zu verschenken.

Hinweis: Betriebsveranstaltung muss für alle Mitarbeiter offen sein

Nur wenn die Betriebsveranstaltung allen Mitarbeitern offen steht, ist in der Regel eine pauschale Lohnbesteuerung möglich. Daher müssen auch Aushilfskräfte eingeladen werden (FG München, Urteil vom 30.04.2009, 15 K 3193/06).

 

Schlagworte zum Thema:  Lohnsteuer, Geschenk

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