Steuerliche Behandlung von Outplacement-Beratungen

Oft bieten Unternehmen Mitarbeitern, deren Arbeitsplatz wegfallen soll, Beratungsleistungen an. Die Finanzverwaltung hat sich zu der Frage geäußert, ob derartige Leistungen unter die Steuerbefreiung für Weiterbildungsleistungen fallen können.

Berufliche Fort- oder Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers führen in vielen Fällen nicht zu Arbeitslohn. Seit Ende 2019 gibt es jedoch eine ausdrückliche Steuerbefreiung (§ 3 Nr. 19 EStG, mehr dazu lesen Sie in unserer News zu den lohnsteuerlichen Neuerungen aus dem Jahressteuergesetz). Sie gilt auch für Weiterbildungsleistungen, die der Verbesserung der individuellen Beschäftigungsfähigkeit von Mitarbeitern dienen. Darunter sind solche Maßnahmen zu verstehen, die eine Anpassung und Fortentwicklung der beruflichen Kompetenzen ermöglichen (zum Beispiel Sprachkurse). Die steuerfreien Leistungen dürfen keinen überwiegenden Belohnungscharakter haben.

Liegt bei Outplacement-Beratungen Arbeitslohn vor?

Die Frage, ob bei Leistungen des Arbeitgebers in Form von sogenannten Outplacement-Beratungen Arbeitslohn vorliegt und dieser in den Anwendungsbereich der Steuerbefreiung fällt, ist kürzlich auf Ebene der Lohnsteuerreferatsleiter von Bund und Ländern erörtert worden. Insbesondere dann, wenn entsprechende Beratungsleistungen verschiedene Bestandteile enthalten, stellt sich zudem die Frage, ob den Arbeitnehmern eine einheitliche Leistung zufließt oder gegebenenfalls Teilleistungen separat zu beurteilen sind.

Outplacement-Beratung: Unterstützung bei beruflicher Neuorientierung

Es ging um folgenden Sachverhalt: Vor Abschluss eines Aufhebungsvertrags bietet ein Arbeitgeber bestimmten Arbeitnehmern die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Outplacement-Beratung. Teilnahmeberechtigt sind Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz von einem Wegfall bedroht ist, die nach einem Ausscheiden aus der Firma eine weitere Erwerbstätigkeit planen und welche das Instrument Aufhebungsvereinbarung vereinbaren möchten. Die angebotene Outplacement-Beratung für die betroffenen Arbeitnehmer besteht aus den nachfolgenden Leistungen:

  • Perspektivenberatung
  • Steuer- und sozialversicherungsrechtliche Beratung
  • Marktvorbereitung
  • Vermarktung/Neuplatzierung

Outplacement-Beratung führt zu Arbeitslohn, kann aber steuerfrei sein

Die Vertreter der Finanzverwaltung (OFD NRW, Kurzinformation August 2020) haben folgende Beschlüsse gefasst:

  • Eine Outplacement-Beratung erfolgt nicht aus einem überwiegend eigenbetrieblichen Interesse und führt bei den Begünstigten zu Arbeitslohn.
  • Die Einnahmen können gegebenenfalls steuerfrei gemäß § 3 Nr. 19 EStG sein.
  • Sind Arbeitnehmer erst nach Abschluss des Aufhebungsvertrages zur Teilnahme von Bestandteilen einer Outplacement-Beratung berechtigt, fließt diesen keine einheitliche Leistung zu, sondern separat zu beurteilende Leistungen. 
  • Die obigen Leistungen (Perspektivenberatung, steuer- und sozialversicherungsrechtliche Beratung, Marktvorbereitung, Vermarktung/Neuplatzierung) sind allesamt steuerpflichtig. 

Praxis-Tipp: Einholung einer Anrufungsauskunft zu empfehlen

Es bleibt die Frage, welche Teile oder welche Fälle einer Outplacement-Beratung denn dann unter die Steuerbefreiung fallen könnten. Insbesondere bei einer Mehrzahl betroffener Mitarbeiter sollte eine lohnsteuerliche Anrufungsauskunft eingeholt werden.


Das könnte Sie auch interessieren:

Bundesrat fordert zahlreiche Ergänzungen am Entwurf für das Jahressteuergesetz 2020

Übernahme von Steuerberatungskosten ist nicht immer Arbeitslohn

Gemischte Nutzung von Jobtickets und Arbeitgebergestellung einer BahnCard

Schlagworte zum Thema:  Beratung, Steuerbefreiung, Lohn, Finanzverwaltung