18.03.2016 | Minijob

Entgeltgrenze vs. Hinzuverdienstgrenze bei Altersrentnern

Minijobs: Entgeltgrenze und Hinzuverdienstgrenze bei Altersrentnern müssen getrennt betrachtet werden
Bild: Haufe Online Redaktion

Bis auf die gemeinsame Höhe von 450 EUR im Monat haben diese beiden Grenzen nichts gemeinsam. Ein Überschreiten kann zulässig sein, allerdings mit unterschiedlichen Auswirkungen für den Minijob und für die Rente.

Altersrentner in Minijobs müssen zwei Grenzen beachten: die Entgeltgrenze für ihren Minijob und die Hinzuverdienstgrenze für die Altersrente. Arbeitgeber müssen sich grundsätzlich zwar nur mit der Entgeltgrenze für den Minijob auskennen. Sie sollten aber auch wissen, was ihr Minijobber zu seiner Rente hinzuverdienen darf.

Hinzuverdienstgrenze für Altersrentner und ihre Bedeutung

Die Hinzuverdienstgrenze regelt, wie viel ein Rentner zu seiner gesetzlichen Rente hinzuverdienen darf, ohne seinen Rentenanspruch zu gefährden. Es handelt sich um eine monatliche Grenze, so dass das in jedem Kalendermonat erzielte Arbeitsentgelt den vorgeschriebenen Grenzwert grundsätzlich nicht übersteigen darf. Die Hinzuverdienstgrenze beläuft sich für Personen, die eine Altersvollrente beziehen, vor Beginn der Regelaltersgrenze (frühestens ab Vollendung des 65. Lebensjahres) auf 450 EUR pro Monat. Sobald der Minijobber die Regelaltersgrenze erreicht, ist der Hinzuverdienst unbegrenzt möglich.

Auswirkungen auf die Rente bei Überschreiten der Hinzuverdienstgrenze

Verdient ein Minijobber in einem Kalendermonat mehr als 450 EUR, wird seine Rente für diesen Monat grundsätzlich gekürzt und als Teilrente gezahlt. Unter Umständen kann die Rente sogar ganz entfallen.
Es gibt aber eine Ausnahme von dieser Regel. Rentner dürfen die Hinzuverdienstgrenze 2x pro Kalenderjahr bis zum doppelten Wert überschreiten. Also darf der Hinzuverdienst in 2 Kalendermonaten 900 EUR betragen, ohne dass sich dies negativ auf die Rentenhöhe auswirkt. Der höhere Verdienst kann sich z. B. ergeben, weil der Arbeitgeber aufgrund von Mehrarbeit Überstunden vergütet oder Urlaubs-/Weihnachtsgeld zahlt.

Entgeltgrenze für 450-EUR-Minijobs

Die Entgeltgrenze für Minijobs beläuft sich auch auf 450 EUR monatlich. Allerdings handelt es sich im Gegensatz zur Hinzuverdienstgrenze nicht um einen festen Monatswert. Vielmehr ist maßgebend, was der Arbeitnehmer regelmäßig im Monat verdient. Hierfür sind alle mit hinreichender Sicherheit für ein Jahr (12 Monate) zu erwartenden laufenden und einmaligen Einnahmen aus der Beschäftigung zu berücksichtigen. Beträgt diese Summe maximal 5.400 EUR, was einem monatlichen Durchschnittsentgelt von nicht mehr als 450 EUR entspricht, liegt ein 450-EUR-Minijob vor.

Auswirkungen auf den Minijob bei Überschreiten der Entgeltgrenze

Grundsätzlich liegt ein 450-EUR-Minijob ab dem Zeitpunkt nicht mehr vor, von dem an das regelmäßige Arbeitsentgelt mehr als 450 EUR im Monat beträgt, also eine Jahresentgelt von mehr als 5.400 EUR zu erwarten ist. Ausgenommen hiervon sind nicht vorhersehbare Überschreitungen der Entgeltgrenze (z. B. wegen Krankheitsvertretung), die gelegentlich zu 3 Kalendermonaten innerhalb eine Zeitjahres vorkommen dürfen und unabhängig von der Höhe der Überschreitung unschädlich für den 450-EUR-Minijob sind (News v. 18.12.14).

Wann ist ein Überschreiten der Grenze gleichermaßen unschädlich?

Arbeitgeber, die einen Altersvollrentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze auf Minijob-Basis beschäftigen, sollten folgendes beachten, damit weder der Status des Minijobs, noch der Anspruch auf die Vollrente seines Minijobbers gefährdet ist:

  • Auszahlung eines monatlichen Arbeitsentgelts bis maximal 450 EUR. Bei schwankenden Bezügen bietet sich auch die Vereinbarung eines monatlich gleichbleibenden Arbeitsentgelts gegen Führung eines Arbeitszeitkontos an (sonstige flexible Arbeitszeitregelung, News v. 8.6.15).
  • Beschäftigungen ohne Arbeitszeitkonto mit monatlich schwankenden Bezügen und mehrmaligen Entgeltzahlungen oberhalb von 450 EUR sind nicht geeignet.
  • Sofern Einmalzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld zustehen, darf die Summe der laufenden und einmaligen Einnahmen aus der Beschäftigung den Jahreswert von 5.400 EUR nicht übersteigen. Ausgenommen hiervon sind gelegentliche nicht vorhersehbare Überschreitungen.
  • Auszahlungen von mehr als 450 EUR (z. B. aufgrund vergüteter Überstunden) dürfen maximal 900 EUR betragen und nur 2mal pro Kalenderjahr vorkommen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Kalendermonate, in denen vertraglich vereinbarte Einmalzahlung wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gewährt werden, auf die 2 Monate anzurechnen sind.

Beispiel:

Ein Arbeitgeber vereinbart mit einem Altersvollrentner (62 Jahre) ab 1.3. die Zahlung einer Monatsvergütung von 420 EUR und ein Weihnachtsgeld im November von 360 EUR. Im Juli erhält der Arbeitnehmer aufgrund einer Krankheitsvertretung ein Arbeitsentgelt von 800 EUR.
Das regelmäßige Arbeitsentgelt beläuft sich auf 450 EUR (420 EUR x 12 Monate + 360 EUR = 5.400 EUR : 12), so dass ab Beginn der Beschäftigung ein 450-EUR-Minijob vorliegt. Bei der Zahlung im Juli handelt es sich um ein gelegentliches nicht vorhersehbares Überschreiten der Entgeltgrenze, die unschädlich für den Minijob ist. Für den Bezug der Altersvollrente ist die Zahlung des Arbeitsentgelts oberhalb von 450 EUR im Juli und im November auch zulässig, weil die Hinzuverdienstgrenze nur 2-mal innerhalb des Kalenderjahres bis zur Höhe von maximal 900 EUR überschritten wird.

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Schlagworte zum Thema:  Minijob, Hinzuverdienstgrenze, Rentnerbeschäftigung, Altersrente

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