Maschinelle Beantragung einer A1-Bescheinigung ab 2017 möglich Bild: everythingpossible - Fotolia

Für eine vorübergehende Tätigkeit im europäischen Ausland ist eine A1-Bescheinigung erforderlich. Um auf die immer spontaneren Arbeitseinsätze zu reagieren, kann die Bescheinigung seit Januar 2017 elektronisch beantragt werden. Verbindlich wird das digitale Verfahren erst im Juli 2019.

Bescheinigung A1 schützt vor doppelter Beitragszahlung in der Sozialversicherung

Sofern ein Auftrag im Ausland mit dem eigenen Personal gestemmt werden soll, wären neben der Beitragspflicht in Deutschland auch Beiträge im Ausland fällig. Um diese Doppelverbeitragung zu vermeiden, sehen die Regelungen des europäischen Gemeinschaftsrechts vor, dass bei einer Entsendung in einen anderen EU-Staat oder nach Island, Liechtenstein, Norwegen beziehungsweise in die Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin allein die deutschen Rechtsvorschriften gelten. Dies muss der entsandte Mitarbeiter im Beschäftigungsstaat mit einer A1-Bescheinigung nachweisen.

A1 Bescheinigung: Nachträgliche Vorlage ist zulässig

Bei sehr kurzen, nur wenige Tage andauernden Entsendungen (häufig im Zusammenhang mit Messeterminen oder kleineren Montagearbeiten) kann auf die Bescheinigung A1 verzichtet werden. Denn grundsätzlich sieht das europäische Recht vor, dass die Bescheinigung auch noch nachträglich beigebracht werden kann. Dazu ist keine zeitliche Grenze bestimmt worden.

Es bietet sich daher an, zumindest bei kurzen Auslandseinsätzen bis zu einer Woche zunächst auf den A1-Schein zu verzichten. Das ist besonders dann erleichternd, wenn sich der Auslandseinsatz kurzfristig ergeben hat.

Sollte von den prüfenden Stellen des Beschäftigungsstaates die Vorlage der Entsendebescheinigung eingefordert werden, muss diese im Nachhinein beantragt und vorgelegt werden.

Keine Mitführungspflicht die A1

Es besteht wegen der ausdrücklich eingeräumten Möglichkeit der nachträglichen Vorlage keine „Mitführungspflicht“ des A1. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass es während des Auslandseinsatzes ohne A1 zu Schwierigkeiten kommen kann. So kann der Zutritt zum Firmen- oder Messegelände verweigert werden oder die Sozialversicherungsbeiträge nach dem Recht des Aufenthaltsstaates werden sofort eingezogen. Derartige Vorgehensweisen überschreiten allerdings das rechtlich Zulässige. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass ein Telefonat mit der deutschen Krankenkasse meistens weiterhilft. Zumindest zu den in Deutschland üblichen Geschäftszeiten lassen sich solche akuten Probleme damit häufig lösen. Eine Garantie gibt es jedoch leider nicht.

Unfallversicherung leistet nur gegen Entsendescheinigung A1

Sachleistungen aus der Unfallversicherung werden in einigen Ländern bei einem Arbeitsunfall nur gegen Vorlage der europäischen Krankenversichertenkarte (EHIC) und der A1-Bescheinigung gewährt. Geschieht also mal etwas, muss der fehlende A1 möglicherweise sehr kurzfristig nachgeordert werden. So unbefriedigend die Situation auch ist: Wer absolute Sicherheit will, muss auch weiterhin die Bescheinigung möglichst vor dem anstehenden Auslandseinsatz beschaffen - und sei der auch noch so kurz.

A1 Bescheinigung beantragen: Seit Januar 2017 elektronisch möglich

Mit dem 6. SGB IV-Änderungsgesetz haben Arbeitgeber seit dem 1. Januar 2017 die Möglichkeit, A1-Bescheinigungen unmittelbar aus dem Abrechnungsprogramm zu beantragen. Die ausstellenden Stellen senden bei maschinellen Anträgen die A1-Bescheinigungen innerhalb von drei Arbeitstagen maschinell zurück. Nach zwei Jahren Probelauf soll das Verfahren für Arbeitgeber verpflichtend werden. Details haben die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung in den „Gemeinsamen Grundsätzen für das elektronische Antrags- und Bescheinigungsverfahren A1“ geregelt.

Um sicherzustellen, dass im Ausland die Unterlagen anerkannt werden, sendet die ausstellende Stelle die maschinelle A1-Bescheinigung als elektronisches Dokument in das Abrechnungsprogramm des Arbeitgebers. Dieses Dokument kann dann ausgedruckt und dem Arbeitnehmer übergeben werden.

A1 Formular online ausfüllen: So geht's

Vordergründiges Ziel des neuen elektronischen Verfahrend ist ein schlankes Dialogverfahren. Deswegen wird es keine maschinellen Rückfragen oder Zwischenmitteilungen geben. Sind die Angaben im maschinellen Antrag nicht vollständig, gibt es eine ablehnende maschinelle Rückantwort. In diesen Fällen muss der Antrag mit vollständigen Daten erneut gestellt werden.

Im Online-Antrag für die A1-Bescheinigung ist die genaue Beschäftigung im Ausland zu beschreiben. Um ein „Freitextfeld“ zu vermeiden, erfolgen diese Angaben im maschinellen Antrag über die Eingabe des Tätigkeitsschlüssels, der aus dem Meldeverfahren bekannt ist.

Antrag auf A1 Bescheinigung: Krankenkasse oder Rentenversicherung?

Der Antrag auf Ausstellung einer A1-Bescheinigung ist grundsätzlich bei der Krankenkasse zu stellen. Ist der Arbeitnehmer privat krankenversichert, ist die Deutsche Rentenversicherung für den Antrag zuständig. Soweit dieser Arbeitnehmer zusätzlich berufsständisch versorgt ist, ist der Antrag an die Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen zu senden.

Achtung: Für die Beantragung der A1-Bescheinigung ist jedoch zwischen einer Entsendung und einer "gewöhnlichen Erwerbstätigkeit in mehreren Mitgliedstaaten" zu unterscheiden, da sich daraus unterschiedliche Zuständigkeiten innerhalb der Sozialversicherung ergeben können. Hier finden Sie Details zur Abgrenzung einer Entsendung zu einer gewöhnlichen Erwerbstätigkeit in mehreren Mitgliedsstaaten.

Schlagworte zum Thema:  Entsendung, Sozialversicherung, Meldeverfahren

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