15.10.2014 | Serie Lohnsteuerrichtlinien 2015 verabschiedet

Klarstellungen bei der Bewertung von Sachbezügen

Serienelemente
Ein Gutschein über einen in Euro lautenden Höchstbetrag kann Sachbezug sein.
Bild: Michael Bamberger

Die Lohnsteueränderungsrichtlinien (LStÄR) 2015 enthalten Klarstellungen zur Bewertung von Sachbezügen, die in einer Vielzahl von Fällen von Bedeutung sind. Wichtige Änderungen betreffen die Abgrenzung von Bar- und Sachlohn und den 96-Prozent-Bewertungsabschlag bei Sachbezügen.

Ob Barlohn oder Sachlohn vorliegt, ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs auf Grundlage der arbeitsvertraglichen Vereinbarungen zu entschieden. Ausschlaggebend ist, was der Mitarbeiter auf Grund der arbeitsvertraglichen Vereinbarung vom Arbeitgeber beanspruchen kann. Hingegen kommt es nicht darauf an, auf welche Art und Weise der Arbeitgeber den Anspruch erfüllt und seinem Arbeitnehmer den zugesagten Vorteil verschafft (vgl. Bundesfinanzhof, Urteile vom 11. November 2010, Az. VI R 40/10, Az. VI R 26/08 und Az. VI R 21/09); dies ist insbesondere für die Frage der Anwendbarkeit der monatlichen 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze von entscheidender Bedeutung.

Gutschein mit Betragsangabe als Sachbezug

Wegen der vorstehenden Bundesfinanzhof-Rechtsprechung wurde die bisher in den Lohnsteuerrichtlinien enthaltene Aussage gestrichen, wonach ein bei einem Dritten einzulösender Gutschein bereits dann kein Sachbezug sein sollte, wenn neben der Bezeichnung der abzugebenden Ware oder Dienstleistung ein anzurechnender Betrag oder Höchstbetrag angegeben ist (R 8.1 Absatz 1 LStÄR 2015 "Abgrenzung von Barlohn und Sachlohn")

Praxishinweis
Offen bleibt immer noch, ob und wenn ja wann der Gesetzgeber die vergleichsweise großzügige Gutscheinhandhabung einschränkt.

4-%-Abschlag bei der Bewertung von Sachbezügen

Bei der Einzelbewertung von Sachbezügen wird als Ausgangswert grundsätzlich der um übliche Preisnachlässe geminderte übliche Endpreis am Abgabeort im Zeitpunkt der Abgabe angesetzt (§ 8 Absatz 2 Satz 1 EStG). Aus Vereinfachungsgründen können 96 % des Endpreises angesetzt werden, zu dem sie der Abgebende fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet.

In die Lohnsteueränderungsrichtlinien 2015 wird die bereits bisher geltende Verwaltungsauffassung (vgl. Oberfinanzdirektion Münster vom 17. Mai 2011, Az. S 2334 - 10 - St 22 – 31) aufgenommen, dass der 4-%-Abschlag bei der Bewertung von Sachbezügen nicht vorzunehmen ist, wenn

  • bereits  der günstigste Preis am Markt angesetzt wird,
  • ein Sachbezug durch eine (zweckgebundene) Geldleistung des Arbeitgebers verwirklicht wird oder
  • ein Warengutschein mit Betragsangabe hingegeben wird.
Wichtig
Da es sich lediglich um eine Erläuterung der Rechtslage handelt, gilt diese Regelung bereits für alle offenen Fälle und nicht erst ab 2015.

Praxisbeispiel

Der Arbeitgeber schenkt dem Arbeitnehmer anlässlich eines erfolgreichen Geschäftsabschlusses eine Kiste mit 6 Flaschen Weißwein, die er im Ort für 48 EUR erworben hat. Recherchen im Internet ergeben, dass er diese Kiste Wein bei einem Weinhändler für 43 EUR einschließlich Versandkosten hätte bestellen können.

Ortsüblicher Preis (96-%-Regelung)

Kaufpreis der Kiste Wein                                           48,00 EUR

abzüglich 4 % pauschaler Abschlag                        -1,92 EUR

verbleibender, steuerlich maßgebender Wert      46,08 EUR

Der Sachbezug im Wert von 46,08 EUR übersteigt die 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze (§ 8 Absatz 2 Satz 11 EStG) und ist steuer- und beitragspflichtig.

Günstigster Preis am Markt

Anstelle des ortsüblichen Preises (96-%-Regelung) kann der Sachbezug auch mit dem günstigsten Preis am Markt bewertet werden (= Wahlrecht).

Internetangebot für die Kiste Wein                           43,00 EUR

kein pauschaler Abschlag von 4 %                        +/-0,00 EUR

verbleibender, steuerlich maßgebender Wert         43,00 EUR

Bei dieser Bewertungsmethode liegt der Sachbezugswert unter der 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze und ist steuer- und beitragsfrei.

(R 8.1 Abs. 2 LStÄR 2015 "96-%-Grenze bei Sachbezügen")

Schlagworte zum Thema:  Sachbezug, Lohnsteuerrichtlinien

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