26.04.2017 | Lohnsteuerabzug

Wenn Mitarbeiter Gutscheine statt einer Gehaltsauszahlung bekommen

Sachbezug: Wenn ein Mitarbeiter statt der vollen Gehaltsauszahlung Gutscheine erhält, wirkt sich das lohnsteuerrechtlich aus.
Bild: Michael Bamberger

Ein Supermarktbetreiber plant, größere Teile des Mitarbeiter-Gehalts in Form von Gutscheinen zu gewähren – laut Presseberichten sollen Einkaufsgutscheine für die konzerneigenen Handelsketten ausgegeben werden. Was steuerlich bei einem solchen Vorgehen zu beachten ist.

Der Combi-Betreiber Bünting will aufgrund wirtschaftlicher Probleme Teile des Gehalts nicht mehr in Geld auszahlen, das berichtete Ende März die Nordwest-Zeitung. Die Angestellten sollen künftig bis zu fünf Prozent ihres Lohns in Einkaufsgutscheinen für die konzerneigenen Handelsketten bekommen.

Sachbezüge aufgrund arbeitsvertraglicher Vereinbarung?

Steuerlich liegen damit künftig teilweise Sachbezüge vor. Sachbezüge sind alle nicht in Geld bestehenden Einnahmen (§ 8 Abs. 1 EStG). Die Frage, ob Mitarbeiter Arbeitslohn in Form einer Sachleistung erhalten, bestimmt sich ausschließlich danach, was sie arbeitsrechtlich beanspruchen können. Erfolgt der Zufluss aufgrund der arbeitsvertraglichen Vereinbarung ausschließlich in Form einer Sache, liegt ein Sachbezug vor. Ein Sachbezug liegt daher unter anderem auch dann vor, wenn der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber einen Gutschein für einen Waren­bezug erhält.

44-Euro-Freigrenze prüfen

Damit kommt grundsätzlich auch die Anwendung der 44-Euro-Grenze in Betracht. Wird diese jedoch überschritten, entsteht volle Steuerpflicht. Aufgrund des geplanten Umfangs der in den Pressberichten thematisierten Gutscheine dürfte diese Frei­grenze in dem konkreten Fall kaum eine Rolle spielen. In vielen anderen Fällen bieten steuerfreie Gutscheine bis zu 44 Euro monatlich jedoch eine Gelegenheit zur Nettolohnoptimierung.

Bewertung der Sachbezüge

Sachbezüge sind grundsätzlich mit dem üblichen Endpreis anzusetzen (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG). Bei Gutscheinen handelt es sich dabei um den ausgewiesenen Betrag. Bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils bei Sachzuwendungen wird normalerweise aus Vereinfachungsgründen der ortsübliche Preis nur mit 96 Prozent des Angebotspreises angesetzt. Die Finanzverwaltung lehnt es aber ab, diesen Abschlag von vier Prozent vorzunehmen, wenn kein Bewertungserfordernis besteht, weil die Höhe des Vorteils auf den ersten Blick ersichtlich ist. Dies ist bei betragsmäßig begrenzten Gutscheinen der Fall (R 8.1 Abs. 2 Satz 4 LStR).

Rabattfreibetrag könnte zur Anwendung kommen

Im dem Beispielsfall sollen die Gutscheine nur zum Einkauf bei konzerneigenen Unternehmen genutzt werden können. Das könnte für die Gewährung des Rabattfreibetrags sprechen (§ 8 Abs. 3 EStG). Personalrabatte, die ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern aufgrund seines Dienstverhältnisses bei der Überlassung von Waren, Dienstleistungen und sonstigen Leistungen seiner Produktpalette gewährt, sind innerhalb gewisser Grenzen – derzeit 1.080 Euro im Kalenderjahr – kein geldwerter Vorteil, also nicht abgabenpflichtig (Rabattfreibetrag). Es ist zulässig, das Entgelt zugunsten der Inanspruchnahme von Sachbezügen vor Fälligkeit des Arbeitslohns umzuwandeln und hierdurch die Steuerfreiheit des Rabattfreibetrags auszunutzen.

Voraussetzungen für den Rabattfreibetrag 

Der Preisvorteil muss zwischen den Parteien des jeweiligen Arbeitsvertrags gewährt werden. Werden die Vorteile von anderen Unternehmen oder Personen eingeräumt, greift die Steuervergünstigung nicht ein. So wird der Rabattfreibetrag beispielsweise bei Mitarbeitern innerhalb eines Konzerns nur für diejenigen Vorteile gewährt, die von dem Arbeitgeber selbst, also von demjenigen Konzernunternehmen eingeräumt werden, mit dem jeweils das Dienstverhältnis besteht.

Begünstigt sind zudem nur Waren und Dienstleistungen, die vom Arbeitgeber nicht überwiegend für den Bedarf seiner Arbeitnehmer hergestellt, vertrieben oder erbracht werden. Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber mit den Waren und Dienstleistungen selbst am Markt in Erscheinung treten, also selbst Marktteilnehmer sein muss.

Schlagworte zum Thema:  Gutschein, Gehalt, Freigrenze, Personalrabatt, Rabattfreibetrag

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