27.05.2015 | Serie Saisonarbeit

Lohnsteuerabzug bei ausländischen Saisonarbeitern

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Zur Spargel- und Erdbeerzeit werden viele ausländische Saisonarbeiter in Deutschland beschäftigt
Bild: Haufe Online Redaktion

Ausländische Arbeitnehmer, die vorübergehend in Deutschland tätig sind, sind beschränkt steuerpflichtig, wenn sie keinen Wohnsitz in Deutschland haben und sich auch nicht länger als sechs Monate hier aufhalten. Dies trifft auf viele mittel- und osteuropäische Erntehelfer zu.

In diesen Fällen muss der Arbeitslohn, der auf die in Deutschland ausgeübte Tätigkeit entfällt, hier versteuert werden. Dies geschieht - auch hier - durch den Lohnsteuerabzug vom Arbeitslohn. Damit ist der deutsche Steueranspruch grundsätzlich abgegolten. 

Betroffene Mitarbeiter erhalten vom Finanzamt - auf Antrag der Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers - eine Bescheinigung, die die für den Lohnsteuerabzug maßgebenden persönlichen Besteuerungsmerkmale enthält. Regelmäßig ist dort die Steuerklasse I vermerkt. Die Eintragung von Freibeträgen für Werbungskosten ist grundsätzlich möglich. Allerdings ist dann die Abgabe einer Steuererklärung zwingend, wenn der in Deutschland verdiente Arbeitslohn 10.700 Euro übersteigt.

Freiwillige Steuererklärung für EU/EWR-Bürger

Für EU-Bürger ist auch eine Veranlagung auf Antrag möglich. Sie führt zur Anwendung der Jahrestabelle und damit in vielen Fällen zur Erstattung der gezahlten Lohnsteuer. 

Lohnsteuerabzug durch inländischen Arbeitgeber

Für den Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber gelten die allgemeinen Vorschriften. Er muss die Lohnsteuer für den jeweiligen Lohnzahlungszeitraum nach der entsprechenden Tabelle (Tages-, Wochen- oder Monatstabelle) einbehalten. 

Alternativ besteht in vielen Fällen die Möglichkeit zur Pauschalierung die Lohnsteuer. Für Saisonarbeitskräfte in der Land- und Forstwirtschaft funktioniert das mit einem günstigen Steuersatz von 5 Prozent (vgl. § 40a Abs. 3 EStG). Die Pauschalierung ist aber nur dann zulässig, wenn die Aushilfskraft

  • in einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb tätig ist,
  • ausschließlich typisch land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten ausübt,
  • nicht mehr als 180 Tage im Kalenderjahr für den Arbeitgeber tätig wird,
  • keine land- und forstwirtschaftliche Fachkraft ist,
  • nur Arbeiten ausführt, die nicht ganzjährig anfallen und
  • der Stundenlohn 12 Euro nicht übersteigt. 

Die Pauschalsteuer wird regelmäßig vom Arbeitgeber getragen, kann aber auf den Mitarbeiter abgewälzt werden.

Kost und Logis können steuerfrei gewährt werden

Viele Saisonarbeiter erhalten vom Arbeitgeber freie Kost und Logis. Da die Familie des Saisonarbeiters in der Regel an einem anderen, zumeist deutlich entfernten Ort lebt und der Saisonarbeiter in der betrieblichen Einrichtung seines Arbeitgebers eine erste Tätigkeitsstätte hat, kann der Arbeitgeber etwaige Auslösungen nach den Grundsätzen einer doppelten Haushaltsführung steuerfrei ersetzen. Damit bleibt die Gewährung der Unterkunft steuerfrei. In den ersten drei Monaten stehen dem Saisonbeschäftigten die ebenfalls steuerfreien Verpflegungspauschalen zu, sie sind aber bei Gestellung von Mahlzeiten gegenfalls bis auf null Euro zu kürzen.

Tipp: Unbeschränkte Steuerpflicht auf Antrag

Viele Saisonarbeitskräfte verdienen einen Großteil ihres Jahreseinkommens in Deutschland. Beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer, die nahezu ihre gesamten Einkünfte in Deutschland erzielen (mindestens 90 Prozent), können sich auf Antrag wie unbeschränkt Steuerpflichtige behandeln lassen und so in den Genuss personenbezogener Vorteile kommen. Dazu gehört auch die Möglichkeit der Beantragung von Kindergeld für die Monate der Tätigkeit. Der Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht kann bereits für das Lohnsteuer­abzugsverfahren gestellt werden. Das Finanzamt hält entsprechende Formulare bereit. Erforderlich ist aber ein Nachweis über die Höhe der ausländischen Einkünfte durch die ausländische Steuerbehörde. In diesen Fällen ist dann aber später zwingend eine Steuererklärung abzugeben.

Beispiel: Polnischer Saisonarbeitnehmer

Ein Saisonarbeiter aus Polen arbeitet vom 1. April 2015 bis 30. Juni 2015 auf einem Erdbeerfeld in Deutschland und erhält einen Bruttolohn von 6.000 Euro. 

Ergebnis: Er hält sich nur drei Monate in Deutschland auf und ist somit beschränkt steuerpflichtig. Eine Bescheinigung seines polnischen Finanzamts über die Höhe seiner Einkünfte legt er nicht vor. Daher wird er als beschränkt Steuerpflichtiger behandelt und wird nach der Lohnsteuerklasse I besteuert. Der Arbeitgeber hält Lohnsteuer nach den allgemeinen Regeln ein.

Nach Ablauf des Jahres kann der Arbeitnehmer eine Veranlagung zur Einkommensteuer beantragen. Bei einem Jahresarbeitslohn von 6.000 Euro, von dem in der Veranlagung noch unter anderem der Werbungskostenpauschbetrag abgezogen wird, ergibt sich eine Einkommensteuer von null Euro. Er erhält die gezahlte Lohnsteuer komplett zurück.

Hinweis: Was ist zu tun, wenn mehrere Staaten für denselben Arbeitslohn Anspruch auf Besteuerung erheben? Der Erlass zur Besteuerung des Arbeitslohns nach den Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) wurde umfangreich überarbeitet und beantwortet viele Fragen anhand von Beispielen.

Schlagworte zum Thema:  Ausländische Arbeitnehmer, Beschränkte Steuerpflicht, Lohnsteuerpauschalierung, Mindestlohn, Saisonarbeiter, Kurzfristige Beschäftigung, Minijob

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