Gehaltsumwandlungen für E-Bikes bringen steuerliche Besonderheiten mit sich. Bild: Corbis

Für die Überlassung eines Dienstrads (Fahrrad ohne Elektroantrieb oder E-Bike) an Arbeitnehmer gibt es einige Steuervorteile. Besonders beliebt ist das Modell der Entgeltumwandlung beim E-Bike-Leasing. Was Arbeitgeber dabei beachten sollten, lesen Sie hier.

Steuervorteile für Dienstfahrräder und E-Bikes

Überlässt der Arbeitgeber dem Mitarbeiter ein Fahrrad zur privaten Nutzung, gelten grundsätzlich folgende lohnsteuerliche Bewertungsregeln:

  • Als monatlicher Durchschnittswert der privaten Nutzung werden 1 % der auf volle 100 EUR abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer festgesetzt (analog der 1-Prozent-Regelung bei Firmenwagen-Privatnutzung).
  • Der Ansatz gilt für alle privaten Fahrten einschließlich Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (und ggf. Heimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung). Anders als beim Auto gibt es hier also keine 0,03%-Regelung zusätzlich.
  • Auf den monatlichen Sachbezug kann allerdings die 44 EUR-Sachbezugsgrenze nicht mehr angewandt werden.
  • Gehört die Nutzungsüberlassung von Fahrrädern ausnahmsweise zur Angebotspalette des Arbeitgebers an fremde Dritte (z. B. Fahrradverleihfirmen), ist der Angebotspreis des Arbeitgebers anzusetzen (§ 8 Abs. 3 EStG). Bei Personalrabatten ist der Rabattfreibetrag in Höhe von 1.080 Euro zu berücksichtigen.

Vorsicht bei E-Bikes, die als Kraftfahrzeug einzuordnen sind

Die vorstehenden Regelungen gelten für 

  • Fahrräder ohne Elektroantrieb und
  • Elektrofahrräder (E-Bikes), wenn diese verkehrsrechtlich als Fahrrad einzuordnen (u. a. keine Kennzeichen- und Versicherungspflicht) sind.

Ist ein Elektrofahrrad hingegen verkehrsrechtlich als Kraftfahrzeug einzuordnen, sind für die Bewertung des geldwerten Vorteils die allgemeinen Regeln zur Pkw-Besteuerung anzuwenden (d.h. neben der 1-Prozent-Regelung auch die 0,03 Prozent für Fahrten zur Arbeitsstätte sowie das Wahlrecht zur Fahrtenbuchmethode). Insbesondere gelten Elektrofahrräder, deren Motor auch Geschwindigkeiten über 25 km/h unterstützt, als Kraftfahrzeuge.

Beispiel: Der Arbeitgeber überlässt seinem Mitarbeiter ein Elektrofahrrad, das verkehrsrechtlich als Fahrrad einzuordnen ist, sowohl für Privatfahrten als auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beträgt 10 Entfernungskilometer. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers des Fahrrads beträgt 3.000 EUR. Der Mitarbeiter hat einen geldwerten Vorteil von 30 EUR (1 %) monatlich zu versteuern.

E-Bikes: Gehaltsumwandlung beim Dienstrad-Leasing

Als zusätzliches Element kommt in den beworbenen Modellen noch die Gehaltsumwandlung für die vom Arbeitgeber geleasten Fahrräder hinzu. Wie vom Pkw bekannt, ist eine Gehaltsumwandlung zulässig und kann zu steuerlichen Vorteilen führen. Verzichtet der Mitarbeiter unter Änderung des Anstellungs-/Arbeitsvertrags auf einen Teil seines Barlohns und gewährt ihm der Arbeitgeber stattdessen Sachlohn, ist der verbliebene Barlohn mit dem Nennwert anzusetzen und der Sachlohn nach Sachbezugsgrundsätzen zu bewerten.

So funktioniert die Entgeltumwandlung im Rahmen von Leasing-Modellen für Dienstfahrräder

Oftmals erfolgt die Überlassung an die Mitarbeiter im Rahmen eines Modells zur Entgeltumwandlung. Der Arbeitgeber schließt mit einem Provider, der die gesamte Abwicklung betreut, einen Rahmenvertrag er mit einer festen Laufzeit von zumeist 36 Monaten ab. Zeitgleich schließt der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer für diese Dauer einen Überlassungsvertrag hinsichtlich des Fahrrads ab, welcher auch eine private Nutzung zulässt. Danach wird das Gehalt für die Dauer der Nutzungsüberlassung um die Leasingrate für das Fahrrad heruntergesetzt. Vorteil dabei: oftmals ist der nach der Gehaltsumwandlung zu versteuernde geldwerte Vorteil für das Fahrrad (beispielsweise 1 Prozent von 3.000 Euro) deutlich niedriger als der Gehaltsverzicht in Höhe der Leasingrate (beispiele 75 Euro). Dadurch sinkt das steuerpflichtige Brutto.

Gehaltsumwandlung und Leasing: Fahrrad oder E-Bike muss dem Arbeitgeber zuzurechnen sein

Das Modell funktioniert aber nur, solange dem Arbeitgeber das Fahrrad zuzurechnen ist. Problematisch ist dabei ein Urteil des Bundesfinanzhofs zum Firmenwagen. An einer mit der Ein-Prozent-Regel zu bewertenden Überlassung eines betrieblichen Fahrzeugs zu privaten Fahrten durch den Arbeitgeber soll es nämlich fehlen, wenn das Fahrzeug dem Mitarbeiter zuzurechnen ist (Urteil des Bundesfinanzhofs vom 18. Dezember 2014, VI R 75/13, BStBl 2015 II S. 670). Gleiches würde auch beim E-Bike gelten.

Das könnte der Fall sein (Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen, Kurzinformation Lohnsteuer 01/2016 vom 3. Mai 2016), wenn

  • der Arbeitgeber das Fahrrad aufgrund einer vom Arbeitsvertrag unabhängigen Sonderrechtsbeziehung überlässt und
  • der Mitsarbeiter ein in Raten zu zahlendes Entgelt entrichten muss und
  • ihn allein die Gefahr und Haftung für Instandhaltung, Sachmängel, Untergang und Beschädigung der Sache treffen.

Insbesondere die letzte Bedingung kann problematisch werden, wenn der Arbeitgeber alle Aufwendungen auf die Mitarbeiter abwälzt. Durch eine Beteiligung an den Kosten und/oder Risiken des E-Bikes kann der Arbeitgeber diese Gefahren regelmäßig vermeiden. Dazu bietet es sich beispielsweise an, dass er eine Haftpflichtversicherung für das E-Bike abschließt und die daraus entstehenden Aufwendungen nicht an den Mitarbeiter weiterreicht.

E-Bike als Dienstfahrrad: Achtung bei Kauf am Ende der Leasingzeit

Vorsicht ist auch geboten mit verbindlichen Kaufrechten, die dem Mitarbeiter das spätere Eigentum sichern sollen. Kann der Arbeitnehmer im Falle des Leasings das E-Bike nach Ablauf der Leasinglaufzeit vom einem Dritten zu einem geringeren Preis als dem ortsüblichen Endpreis am Abgabeort erwerben, ist der hierdurch entstehende Preisvorteil als Arbeitslohn (von dritter Seite) anzusetzen. Details hierzu hat die Finanzverwaltung in ihrem Schreiben vom 17. November 2017, IV C 5 - S 2334/12/10002-04, bekannt gegeben. Lesen Sie hierzu auch "E-Bike-Leasing: Modelle und lohnsteuerliche Behandlung".

Schlagworte zum Thema:  Gehaltsumwandlung, E-Bike

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