01.12.2016 | Lohnsteuerliche Vorteile nutzen

Vorsicht bei der Gehaltsumwandlung für E-Bikes

Gehaltsumwandlungen für E-Bikes bringen steuerliche Besonderheiten mit sich.
Bild: Corbis

An vielen Stellen wird derzeit für die Gestellung von Elektrofahrrädern (E-Bikes) durch den Arbeitgeber geworben. In den Fällen mit Gehaltsumwandlung gibt es lohnsteuerliche Vorteile, allerdings schaut die Finanzverwaltung hier genau hin.

Wird das E-Bike vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, gilt für die Privatnutzung die vom Pkw bekannte Ein-Prozent-Regelung. Als monatlicher Durchschnittswert der privaten Nutzung werden ein Prozent der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer festgesetzt. Als besonderer Bonus gilt der Ansatz für alle privaten Fahrten einschließlich Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Anders als beim Auto gibt es hier also keine 0,03-Prozent-Regelung zusätzlich. Auf den monatlichen Sachbezug kann allerdings die 44 Euro-Sachbezugsgrenze nicht mehr angewandt werden (Gleichlautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 23. November 2012).

Gehaltsumwandlung bei geleasten Fahrrädern

Als zusätzliches Element kommt in den beworbenen Modellen noch die Gehaltsumwandlung für die vom Arbeitgeber geleasten Fahrräder hinzu. Wie vom Pkw bekannt, ist eine Gehaltsumwandlung zulässig und kann zu steuerlichen Vorteilen führen. Verzichtet der Mitarbeiter unter Änderung des Anstellungs-/Arbeitsvertrags auf einen Teil seines Barlohns und gewährt ihm der Arbeitgeber stattdessen Sachlohn, ist der verbliebene Barlohn mit dem Nennwert anzusetzen und der Sachlohn nach Sachbezugsgrundsätzen zu bewerten.

Wichtigste Schritte bei der Überlassung des E-Bikes

Oftmals erfolgt die Überlassung an die Mitarbeiter im Rahmen eines Modells zur Entgeltumwandlung. Der Arbeitgeber schließt mit einem Provider, der die gesamte Abwicklung betreut, einen Rahmenvertrag er mit einer festen Laufzeit von zumeist 36 Monaten ab. Zeitgleich schließt der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer für diese Dauer einen Überlassungsvertrag hinsichtlich des Fahrrads ab, welcher auch eine private Nutzung zulässt. Danach wird das Gehalt für die Dauer der Nutzungsüberlassung um die Leasingrate für das Fahrrad heruntergesetzt. Vorteil dabei: oftmals ist der nach der Gehaltsumwandlung zu versteuernde geldwerte Vorteil für das Fahrrad (beispielsweise 1 Prozent von 3.000 Euro) deutlich niedriger als der Gehaltsverzicht in Höhe der Leasingrate (beispiele 75 Euro). Dadurch sinkt das steuerpflichtige Brutto.

E-Bike: Zurechnung ist entscheidend

Das Modell funktioniert aber nur, solange dem Arbeitgeber das Fahrrad zuzurechnen ist. Problematisch ist dabei ein Urteil des Bundesfinanzhofs zum Firmenwagen. An einer mit der Ein-Prozent-Regel zu bewertenden Überlassung eines betrieblichen Fahrzeugs zu privaten Fahrten durch den Arbeitgeber soll es nämlich fehlen, wenn das Fahrzeug dem Mitarbeiter zuzurechnen ist (Urteil des Bundesfinanzhofs vom 18. Dezember 2014, VI R 75/13, BStBl 2015 II S. 670). Gleiches würde auch beim E-Bike gelten.

Das könnte der Fall sein (Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen, Kurzinformation Lohnsteuer 01/2016 vom 3. Mai 2016), wenn

  • der Arbeitgeber das Fahrrad aufgrund einer vom Arbeitsvertrag unabhängigen Sonderrechtsbeziehung überlässt und
  • der Mitsarbeiter ein in Raten zu zahlendes Entgelt entrichten muss und
  • ihn allein die Gefahr und Haftung für Instandhaltung, Sachmängel, Untergang und Beschädigung der Sache treffen.

Insbesondere die letzte Bedingung kann problematisch werden, wenn der Arbeitgeber alle Aufwendungen auf die Mitarbeiter abwälzt. Durch eine Beteiligung an den Kosten und/oder Risiken des E-Bikes kann der Arbeitgeber diese Gefahren regelmäßig vermeiden. Dazu bietet es sich beispielsweise an, dass er eine Haftpflichtversicherung für das E-Bike abschließt und die daraus entstehenden Aufwendungen nicht an den Mitarbeiter weiterreicht.

Achtung: Verbindliche Kaufrechte

Vorsicht ist auch geboten mit verbindlichen Kaufrechten, die dem Mitarbeiter das spätere Eigentum sichern sollen. Bei Unklarheiten sollte das Entgeltumwandlungsmodell insbesondere bei einer größeren Anzahl von Fällen durch eine lohnsteuerliche Anrufungsauskunft abgesichert werden.

Aktuelle Gesetzesänderung gilt nur für bestimmte E-Bikes

Die kürzlich verabschiedete Gesetzesänderung für die steuerfreie Stromlieferung begünstigt nur Elektroautos und solche Zweiräder, die verkehrsrechtlich als Kraftfahrzeuge einzustufen sind. Hierunter fallen die eher seltenen Elektrofahrräder, deren Motor auch Geschwindigkeiten über 25km/h unterstützt. Eine Gehaltsumwandlung ist hier ausgeschlossen.

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Schlagworte zum Thema:  Gehaltsumwandlung, E-Bike

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