| Minijob

Kommt die Minijob-Reform?

Minijob-Reform: Kommt sie? Wann? Und was bringt sie?
Bild: Veer Inc.

Selten waren vor dem Jahreswechsel so viele Reformen offen wie dieses Jahr. Fraglich ist neben der Rentenreform auch die Neuregelung der Minijobs. Gerade diese würde sich enorm auf Arbeitgeber, SV-Träger und Steuerberater auswirken.

Der Zeitplan der Minijob-Reform ist ehrgeizig - politisch gesehen und erst recht in der praktischen Umsetzung. Erst für den 27.9.2012 ist die 1. Lesung im Bundestag anberaumt. Läuft anschließend alles glatt, kann der Bundesrat Ende November seinen Beschluss fassen. Dann bleiben gerade fünf Wochen Zeit, wenn das Vorhaben zum 1.1.2013 bereits in Kraft treten soll.

Laufen bereits die Vorbereitungen?

Anzunehmen ist, dass dies nur gelingen wird, wenn sich die verantwortlichen Stellen frühzeitig auf diese Szenario einstellen. Das gilt für die Spitzenverbände der Sozialversicherung mit den überarbeitungsbedürftigen Geringfügigkeits-Richtlinien genauso wie für die Softwarehersteller, die mit ihren Jahreswechsel-Updates die relevanten Änderungen bereits fix und fertig ausliefern müssten.

Anpassung der Entgeltgrenze

Welche Änderungen im Detail zu erwarten sind, ist derzeit noch nicht zu erfahren. Bisher durchgesickert ist als wesentlicher Inhalt der Reform die Anpassung der seit Jahren unveränderten Entgeltgrenze bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen von 400 EUR auf 450 EUR. Dies dürfte noch eine leicht zu berücksichtigende Veränderung sein.

Schwerer wiegt da schon die geplante Umkehr der versicherungsrechtlichen Beurteilung in der Rentenversicherung. Minijobber sollen künftig wohl grundsätzlich rentenversicherungspflichtig sein. Die bisherige Ausnahme würde dann zur Regel. Im Gegensatz zum bisherigen Verfahren, müsste dann künftig jeder Minijobber einen Antrag stellen, der rentenversicherungsfrei sein möchte (Opt-out). Nicht zu Unrecht befürchten hier viele Arbeitgeber einen zunehmenden bürokratischen Aufwand - und hoffen auf praktikable Lösungen.

Wer trägt künftig die Beitragslast?

Offen ist auch die Beitragsabführung. Werden die Minijobber künftig beitragsmäßig in der Rentenversicherung genauso behandelt wie versicherungspflichtige Arbeitnehmer? Dann würden sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Beitrag teilen. Für die Arbeitgeber wäre das eine willkommene Absenkung der Beitragslast von bislang 15% des Entgelts auf 9,5 % (Arbeitgeberanteil bei einem angenommenen Beitragssatz von 19 % für 2013).

Auswirkungen auf die Gleitzone

Nicht zuletzt würden sich eine Anhebung der entgeltlichen Minijob-Grenze auch auf den Grenzbetrag der Gleitzone auswirken. Die Gleitzone würde dann bei einem monatlichen Arbeitsentgelt von 450,01 EUR beginnen. Bei 850,00 EUR würde sie enden, wenn die Spannbreite der Gleitzone weiterhin 400 EUR umfasst.

Koalitionsvertrag gibt die Route vor

Die Reform der Minijobs war bereits im Koalitionsvertrag vereinbart. Sollte sie umgesetzt werden, heißt es für alle an der Entgeltabrechnung oder im weiteren Verfahren Beteiligten ab 2013 also mal wieder: Flexibilität unter Beweis stellen und an vielen Stellen komplett umdenken.

Schlagworte zum Thema:  Minijob, Minijob-Reform, Rentenversicherungspflicht, Gleitzone

Aktuell

Meistgelesen