21.11.2014 | Serie Jahreswechsel 2014/2015: Entgelt

Wichtige Änderungen durch die Lohnsteueränderungsrichtlinien 2015

Serienelemente
Mit den LStÄR 2015 werden die Lohnsteuerrichtlinien an die aktuelle Gesetzeslage und Rechtsprechung angepasst
Bild: Haufe Online Redaktion

Auf Entgeltabrechner kommen zum Jahresende wieder einige Änderungen zu. So sind dann die Lohnsteuer-Änderungsrichtlinien 2015 zu beachten. Für die Praxis ist darin besonders interessant die Anhebung lohnsteuerlicher Grenzbeträge von 40 Euro auf 60 Euro.

Die neuen Lohnsteuerrichtlinien 2015 passen die bisherigen Richtlinien an die aktuelle Gesetzeslage, an ergangene Verwaltungsanweisungen und die neuere Rechtsprechung an. Sie enthalten eine Vielzahl von Änderungen, die für Lohnzahlungszeiträume anzuwenden sind, die nach dem 31.12.2014 enden. Sie gelten aber auch für frühere Zeiträume, soweit sie lediglich eine Erläuterung der Rechtslage darstellen.

Anhebung steuerlicher Grenzbeträge auf 60 Euro

Die Freigrenze für sog. Arbeitsessen wurde mit Wirkung ab 1. Januar 2015 von bisher 40 Euro auf 60 Euro erhöht. Ein Arbeitsessen in diesem Sinne liegt vor, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeitern anlässlich oder während eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes, z. B. während einer außergewöhnlichen betrieblichen Besprechung oder Sitzung, im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse an einer günstigen Gestaltung des Arbeitsablaufs Speisen bis zu dieser 60-Euro-Freigrenze unentgeltlich oder teilentgeltlich überlässt. (R 19.6 Abs. 2 LStÄR 2015)

Ebenfalls auf 60 Euro erhöht wird die Freigrenze für Sachzuwendungen (bis Ende 2014: 40 Euro). Zu den nicht lohnsteuerpflichtigen Aufmerksamkeiten gehören z. B. Blumen, ein Buch oder Tonträger, die dem Mitarbeiter oder seinem Angehörigen aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet werden. Z. B. anlässlich des Geburtstags, der Hochzeit oder der Geburt eines Kindes. (R 19. Abs. 1 LStÄR 2015)

Zuwendungen an Arbeitnehmer bei üblichen Betriebsveranstaltungen bleiben steuerfrei, wenn die Freigrenze von (derzeit noch) 110 Euro je Arbeitnehmer und Veranstaltung eingehalten wird. Bei der Prüfung dieser 110-Euro-Freigrenze sind künftig Sachgeschenke bis zu einem Gesamtwert von 60 Euro an den einzelnen Arbeitnehmer anlässlich von Betriebsveranstaltungen einzubeziehen, z. B. ein Präsentkorb. (R 19.5 Abs. 6 LStÄR 2015)

Neues bei der Bewertung von Sachbezügen

Bei der Einzelbewertung von Sachbezügen wird als Ausgangswert grundsätzlich der um übliche Preisnachlässe geminderte übliche Endpreis am Abgabeort im Zeitpunkt der Abgabe angesetzt (§ 8 Abs. 2 EStG). Aus Vereinfachungsgründen können 96 % des Endpreises angesetzt werden, zu dem sie der Abgebende fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet.  In die Lohnsteuerrichtlinien 2015 (R 8.1 Abs. 2 LStÄR 2015) wird die bereits bisher geltende Verwaltungsauffassung aufgenommen (vgl. Oberfinanzdirektion Münster vom 17. Mai 2011, Aktenzeichen S 2334 - 10 - St 22 – 31) aufgenommen, dass der 4-Prozent-Abschlag bei der Bewertung von Sachbezügen nicht vorzunehmen ist, wenn

  • bereits  der günstigste Preis am Markt angesetzt wird,
  • ein Sachbezug durch eine (zweckgebundene) Geldleistung des Arbeitgebers verwirklicht wird oder
  • ein Warengutschein mit Betragsangabe hingegeben wird.

Weiterhin wurde ergänzt, dass die 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze nicht auf Zukunftssicherungsleistungen des Arbeitgebers anzuwenden ist. (R 8.1. Abs. 3 LStÄR 2015)

Gestrichen wurde die in den Lohnsteuerrichtlinien 2013 enthaltene Aussage, wonach ein bei einem Dritten einzulösender Gutschein bereits dann kein Sachbezug sein sollte, wenn neben der Bezeichnung der abzugebenden Ware oder Dienstleistung ein anzurechnender Betrag oder Höchstbetrag angegeben ist. (R 8.1 Abs. 1 LStÄR 2015)

Neuerungen im Lohnsteuerabzugsverfahren

Klargestellt wurde, dass für die Lohnsteuerermittlung die Lohnsteuerabzugsmerkmale zugrunde zu legen sind, die für den Tag gelten, an dem der Lohnzahlungszeitraum endet. Bei mehreren Beschäftigungs­verhältnisse und einem Arbeitgeberwechsel während des Kalendermonats ist beim jeweiligen Arbeitgeber die am Ende des Lohnzahlungs­zeitraums geltende Steuerklasse maßgebend.

Entsprechendes gilt bei Zahlung eines sonstigen Bezugs, z. B. einer Abfindung, die nach dem Ausscheiden gezahlt wird. Hier sind die Lohnsteuerabzugsmerkmale zugrunde zu legen, die zum Ende des Kalendermonats des Zuflusses gelten. (R 39b.6 Abs. 3 LStÄR 2015)

Wird auf Grund einer Änderung des Lohnsteuerabzugs nach Ablauf des Kalenderjahres nachträglich Lohnsteuer einbehalten, ist die nachträglich einbehaltene Lohnsteuer für den Zeitraum anzugeben und abzuführen, in dem sie einbehalten wurde. (R 41c.1 Abs. 6 LStÄR 2015)

Schlagworte zum Thema:  Betriebsveranstaltung, Aufmerksamkeit, Sachbezug, Lohnsteueranmeldung, Jahreswechsel, Sozialversicherung, Entgelt

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