In 28 Jahren seit der Wiedervereinigung hat der Osten Deutschlands wirtschaftlich aufgeholt, aber immer noch lassen sich Unterschiede in der Arbeitswelt ausmachen. Beispielsweise liegen die Bruttolöhne immer noch weit auseinander.

Die Armutsgefährdung ist im Osten mit 17,8 Prozent noch immer höher als im Westen. Laut Daten der statistischen Ämter des Bundes und der Länder haben sich die neuen Bundesländer aber über die vergangenen Jahre dem Westen angenähert: 2017 ist die Armutsgefährdung im Osten gesunken, während sie im Westen angestiegen ist.

Gehaltsunterschied bei Handwerksberufen: bis zu 1.116 Euro

Dennoch finden sich immer noch starke Unterschiede im Durchschnittsgehalt. Der Einkommensindex der Firma Weissmaler zeigt diese Unterschiede exemplarisch an einer Gehaltsübersicht verschiedener Handwerksberufe. Ein Klempner in Mecklenburg-Vorpommern verdient demnach im Schnitt 1.116 Euro weniger als ein Klempner in Hessen. Ein Tischler in Sachsen bekommt noch weniger: Er muss mit 1.711 Euro durchschnittlichem Brutto-Monatsgehalt auskommen. Alexander Kiel, Gründer und Geschäftsführer von Weissmaler betont jedoch, dass gerade durch die voranschreitende Digitalisierung bestehende Lohnunterschiede rapide abnehmen.

Im gesamten Durchschnitt über alle Berufe liegen die Bruttolöhne laut Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in den neuen Bundesländern bei 82 Prozent des westdeutschen Durchschnitts. Das niedrige Preisniveau und die niedrigen Lebenshaltungskosten sorgen aber dafür, dass bei Betrachtung der Nettoreallöhne die Unterschiede geringer sind.

Strukturwandel am Arbeitsmarkt in ostdeutschen Bundesländern

Im Osten führen demografische Veränderungen und Migration außerdem dazu, dass mehr Ältere in Rente gehen als Junge in den Arbeitsmarkt nachrücken. Der so entstehende Mangel an Mitarbeitern kann erklären, warum in ostdeutschen Bundesländern häufiger Jobs für Quereinsteiger angeboten werden, wie eine Studie der Jobsuchmaschine Adzuna zeigt, für die rund 600.000 Stellenangebote in Deutschland untersucht wurden. 

Sachsen-Anhalt bietet demnach Quereinsteigern die meisten Chancen: 3,6 Prozent der Jobangebote richten sich hier explizit auch an Quereinsteiger – im Vergleich dazu sind es im bundesweiten Durchschnitt nur 1,8 Prozent der Stellenangebote. Auch in den anderen neuen Bundesländern werden Fachfremde häufiger adressiert, als in den restlichen Ländern.

Laut IW hat sich die Situation am Arbeitsmarkt in den ostdeutschen Bundesländern schon seit 2000 weitergehend verbessert, unter anderem auch, weil vielerorts wichtige Infrastrukturprojekte abgeschlossen wurden und so viele Kommunen inzwischen besser an wichtige Wirtschaftszentren angeschlossen sind. Dennoch liegt das Wachstum des BIP im Osten nur bei 1,9 Prozent, im Westen hingegen bei 2,3 Prozent.

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