Nach einem neuen Urteil kann eine einmalige Zuzahlung eines Mitarbeiters zum Firmenwagen gleichmäßig auf die Nutzungsdauer des Pkw verteilt werden. Voraussetzung ist, dass mit dem Arbeitgeber die Dauer der Nutzungsüberlassung ausdrücklich für diese Zeit vereinbart wurde.

In der Praxis leisten Arbeitnehmer häufig Zuzahlungen zu den Anschaffungskosten eines Dienstwagens, insbesondere dann, wenn sie ein höherwertiges Fahrzeug oder eine höherwertige Sonderausstattung bekommen möchten. Nach inzwischen einheitlicher Rechtsprechung und Verwaltungsauffassung mindert das vom Arbeitnehmer entrichtete Nutzungsentgelt bereits auf der Einnahmenseite den geldwerten Vorteil aus der Firmenwagenüberlassung.

Zuzahlungen zum Firmenwagen mindern geldwerten Vorteil

Zuzahlungen eines auch zur privaten Nutzung überlassenen betrieblichen Kraftfahrzeugs können nicht nur im Zahlungsjahr, sondern auch in den darauffolgenden Kalenderjahren auf den privaten Nutzungswert für das jeweilige Kraftfahrzeug bis auf 0 Euro angerechnet werden (vergleiche R 8.1 Absatz 9 Nummer 4 Sätze 2 und 3 LStR). Die höchstmögliche Anrechnung ist dabei im Regelfall auch vorteilhaft.

Firmenwagen und Minijob: Anrechnung auf 450-Euro-Grenze

Im aktuellen Urteilsfall gab es die Besonderheit, dass der Kläger im Rahmen eines Minijobs mit Pauschalabgaben tätig sein wollte (zwei Prozent Pauschalsteuer). Neben einem kleinen Gehalt bestand die Entlohnung nur aus dem Dienstwagen. Die daraus resultierenden geldwerten Vorteile allein überstiegen bereits die 450-Euro-Grenze. Zur Anschaffung des Fahrzeugs hatte der Kläger allerdings eine Zuzahlung von 20.000 Euro geleistet. Durch die Anrechnung auf den Sachbezug konnte die 450-Euro-Grenze unterschritten werden. 

Nach den Erkenntnissen einer beim Arbeitgeber durchgeführten Lohnsteuer-Außenprüfung war die Zuzahlung aber nach rund drei Jahren verbraucht. Der Arbeitslohn sollte – wegen Überschreitens der 450-Euro-Grenze - in die Einkommensteuererklärung einbezogen und deutlich höher besteuert werden.

Vereinbarung: Einmalige Zuzahlung auf Nutzungsdauer zu verteilen 

Dagegen richtete sich die Klage beim Finanzgericht. Der Kläger hatte mit seinem Arbeitgeber folgende Nutzungsvereinbarung geschlossen: "Der Arbeitnehmer leistet für die Anschaffung des Fahrzeugs eine einmalige Zuzahlung in Höhe von 20.000 Euro, die er auf das Konto des Arbeitgebers überweist. Die Zuzahlung wird für einen Zeitraum von 96 Monaten gezahlt." Daraus folgend wollte er die Zuzahlung auf acht Jahre verteilen und mit monatlich rund 200 Euro berücksichtigt wissen – genau der Betrag der zur langjährigen Unterschreitung der 450-Euro-Grenze notwendig war. 

Die Klage war in vollem Umfang erfolgreich. Die besondere Vereinbarung war für die Entscheidung des Gerichts entscheidend. Ungeachtet dessen, dass es ohnehin nicht an Verwaltungsregelungen gebunden ist, sei dadurch bereits deren Anwendungsbereich nicht eröffnet.

Quelle: Niedersächsisches Finanzgericht, Urteil vom 16. April 2018, Aktenzeichen 9 K 162/17 - Parallelentscheidung 9 K 210/17 - Revision beim Bundesfinanzhof zugelassen.

Minijob mit Dienstwagen: Steuerfalle oder Schlupfloch?

Die Zulässigkeit der Überlassung eines Kfz im Rahmen eines Minijobs ist derzeit gerichtlich umstritten. Der Bundesfinanzhof wird sich im Revisionsverfahren X R 44/17 mit der Problematik befassen müssen. Die vor einigen Jahren sehr populäre Gestaltungsidee erscheint aus heutiger Sicht allein schon wegen des Mindestlohns fraglich, weil Dienstwagen dabei nicht berücksichtigt werden.

Firmenwagen: Laufende Zuzahlung wird auch laufend angerechnet

Eine einmalige Zuzahlung zu den Anschaffungskosten wie im Urteilsfall ist zu unterscheiden von laufenden Zuzahlungen. Zahlen Mitarbeiter an den Arbeitgeber laufende Nutzungsentgelte für die außer­dienstliche Nutzung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs mindert das auch laufend den geldwerten Vorteil. Das Problem des Urteilsfalls wäre dabei nicht entstanden. 

Als Nutzungsentgelt gilt bei der pauschalen und der individuellen Nutzungswertmethode:

  • ein nutzungsunabhängiger pauschaler Betrag (zum Beispiel Monatspauschale);
  • ein an den gefahrenen Kilometern ausgerichteter Betrag (zum Beispiel Kilometer­pauschale);
  • die von Mitarbeitern übernommenen Leasingraten und
  • neuerdings die vollständige oder teilweise Übernahme einzelner Kraftfahrzeugkosten durch Mitarbeiter. 


Weiterlesen: Lohnsteuerliche Behandlung von Nutzungsentgelten und anderen Zuzahlungen zum Firmenwagen.