04.05.2012 | Internationales Sozialversicherungsrecht

Entsendung bis zu einer Woche auch ohne A1 möglich

Bei längerer Auslandsentsendung: Entsendebescheinigung nötig.
Bild: Haufe Online Redaktion

Bei kurzen Entsendezeiträumen bis zu einer Woche geht’s auch unbürokratisch: Der A1 zur Bestätigung der deutschen Sozialversicherung ist dann nicht zwingend erforderlich.

Arbeitgeber selbst können keine Bescheinigung über die Weitergeltung der deutschen Rechtsvorschriften bei einer Entsendung ins Ausland bis zu 3 Monaten mehr ausstellen. Die Klagen über den bürokratischen Aufwand häuften sich und die Bundesregierung sprach sich für eine Neufassung der früheren Regelung mit dem E 101 aus - doch leider ohne Erfolg. Einige Mitgliedsstaaten beklagten eine fehlerhafte oder sogar missbräuchliche Handhabung.

So bleibt im Regelfall nur der Weg, den A1 bei der für den Arbeitnehmer zuständigen Krankenkasse zu beantragen.

Nachträgliche Vorlage ist zulässig

Doch es geht auch einfacher: Zumindest bei sehr kurzen, nur wenige Tage andauernden Entsendungen (häufig im Zusammenhang mit Messeterminen oder kleineren Montagearbeiten) kann auf die Bescheinigung A1 verzichtet werden. Denn grundsätzlich sieht das europäische Recht vor, dass die Bescheinigung auch noch nachträglich beigebracht werden kann. Dazu ist keine zeitliche Grenze bestimmt worden.

Es bietet sich daher an, zumindest bei kurzen Auslandseinsätzen bis zu einer Woche zunächst auf den A1-Schein zu verzichten. Das ist besonders dann erleichternd, wenn sich der Auslandseinsatz kurzfristig ergeben hat.

Sollte von den prüfenden Stellen des Beschäftigungsstaates die Vorlage der Entsendebescheinigung eingefordert werden, muss diese im Nachhinein beantragt und vorgelegt werden.

Keine Mitführungspflicht beim A1

Es besteht wegen der ausdrücklich eingeräumten Möglichkeit der nachträglichen Vorlage keine „Mitführungspflicht“ des A1. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass es während des Auslandseinsatzes ohne A1 zu Schwierigkeiten kommen kann. So kann der Zutritt zum Firmen- oder Messegelände verweigert werden oder die Sozialversicherungsbeiträge nach dem Recht des Aufenthaltsstaates werden sofort eingezogen. Derartige Vorgehensweisen überschreiten allerdings das rechtlich Zulässige. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass ein Telefonat mit der deutschen Krankenkasse meistens weiterhilft. Zumindest zu den in Deutschland üblichen Geschäftszeiten lassen sich solche akuten Probleme damit häufig lösen. Eine Garantie gibt es jedoch leider nicht.

Unfallversicherung leistet nur gegen Bescheinigung

Sachleistungen aus der Unfallversicherung werden in einigen Ländern bei einem Arbeitsunfall nur gegen Vorlage der europäischen Krankenversichertenkarte (EHIC) und der A1-Bescheinigung gewährt. Geschieht also mal etwas, muss der fehlende A1 möglicherweise sehr kurzfristig nachgeordert werden.

So unbefriedigend die Situation auch ist: Wer absolute Sicherheit will, muss auch weiterhin die Bescheinigung möglichst vor dem anstehenden Auslandseinsatz beschaffen - und sei der auch noch so kurz.

Schlagworte zum Thema:  Entsendung, Europäische Krankenversicherungskarte, Ausländisches Recht, Sozialversicherungsabkommen, Entsendebescheinigung

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