Die vergünstigte Einräumung einer Firmenfitness-Mitgliedschaft führt beim Arbeitnehmer zu einem steuer- und beitragspflichtigen geldwerten Vorteil. Das entziehbare Recht einer Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio gilt nach einem neuen Urteil als monatlich zugeflossener Sachbezug.

Im Rahmen von Firmenfitness-Mitgliedschaftsmodellen bieten Arbeitgeber ihren Beschäftigten Gesundheitsprogramme an, die eine weitreichende Nutzung von bundesweiten Verbundanlagen umfasst. Die Vertragsgestaltung sieht vor, dass der Arbeitgeber durch den Abschluss einer Firmenfitness-Mitgliedschaft, für ein bestimmtes kalkulatorisch ermitteltes Entgelt, für alle Mitarbeiter das Recht erwirbt, sämtliche Sportstätten der Verbundpartner nutzen zu können.

Fitnessstudio zählt nicht zur betrieblichen Gesundheitsförderung

Zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbrachte Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung sind steuerfrei, sofern diese hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit den Anforderungen der §§ 20 und 20a SGB V genügen und 500 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen. 

Das im Rahmen einer Firmenfitness-Mitgliedschaft abgeschlossene Leistungspaket enthält neben den von den Krankenkassen qualifizierten Angeboten im Sinne der §§ 20 und 20a SGB V zahlreiche Angebote, die nicht unter die Steuerbefreiungsvorschrift des § 3 Nummer 34 EStG fallen - insbesondere Fitnessstudiobeiträge. Die Einweisung in die Gerätenutzung durch Fachkräfte reicht für die Steuerbefreiung nicht aus.

Firmenfitness: Bewertung des geldwerten Vorteils

Maßgebend für die Bewertung des geldwerten Vorteils aus der Nutzung der Fitness-Firmenmitgliedschaft ist der übliche Endpreis am Abgabeort, vermindert um einen pauschalen Abschlag von vier Prozent für übliche Preisnachlässe. 

Wird dem Arbeitnehmer zum Beispiel eine Jahresmitgliedschaft eingeräumt, ist ein daraus resultierender geldwerter Vorteil im Zeitpunkt der Aushändigung des Mitgliedsausweises für den gesamten Zeitraum seiner Geltungsdauer als sonstiger Bezug zu erfassen. Dieser Wert liegt regelmäßig über 44 Euro - die Anwendung der monatlichen 44-Euro-Freigrenze scheidet damit grundsätzlich aus.

Monatlicher Zufluss bei vergünstigter Fitnessstudionutzung?

Das entziehbare Recht einer Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio gilt nach einem neuen Finanzgerichtsurteil - trotz langfristiger Verträge des Arbeitgebers mit dem Betreiber - als monatlich zugeflossener Sachbezug. Die 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze wäre damit anwendbar.

Ein Arbeitgeber hatte seinen Angestellten gegen Zahlung eines Eigenanteils eine Firmenfitness-Mitgliedschaft in einem Fitnessstudioverbund ermöglicht. Zu diesem Zweck wurden langfristige Verträge mit dem Dienstleister geschlossen, die den Arbeitnehmern eine vergünstigte Firmenfitness-Mitgliedschaft anbot. Nach einer Lohnsteueraußenprüfung vertrat das Finanzamt die Auffassung, dass als geldwerter Vorteil nicht der monatliche Wert gilt, sondern der Jahreswert der Mitgliedschaft. Die Sachbezugsgrenze von 44 EUR war damit überschritten. Daraufhin erließ das Finanzamt einen Lohnsteuer-Nachforderungsbescheid.

Vertragsbindung des Arbeitgebers unbedeutend für Lohnzufluss

Das Finanzgericht Niedersachsen hat die gegen den Nachforderungsbescheid gerichtete Klage als begründet beurteilt. Das Finanzamt ist zu Unrecht davon ausgegangen, dass der mit der Teilnahme an dem Sportprogramm verbundene geldwerte Vorteil die Sachbezugsfreigrenze überschritten habe. Der mit der vergünstigten Nutzung von Fitness-Studios einhergehende geldwerte Vorteil fließt den teilnehmenden Arbeitnehmern monatlich zu, wenn sie keinen über die Dauer eines Monats hinausgehenden, unentziehbaren Anspruch zur Nutzung der Studios haben. 

Auf die Dauer der vom Arbeitgeber gegenüber dem Anbieter der Trainingsmöglichkeit eingegangenen Vertragsbindung kommt es nach Auffassung der Richter für die Beurteilung des Zuflusses nicht an.

Sachbezugsfreigrenze in bestimmten Fällen anwendbar

Der monatliche Zufluss lag im Urteilsfall nach den Feststellungen des Finanzgerichts bei maximal 43 Euro und damit unterhalb der Sachbezugsfreigrenze. Die verbilligte Mitgliedschaft konnte damit in vollem Umfang lohnsteuer- und damit auch sozial-versicherungsfrei blieben.

Abgrenzung zum jährlichen Zufluss bei Jahresnetzkarten

Das Finanzgericht grenzt seine Entscheidung auch vom ähnlichen Fall der Überlassung einer Jahresbahnfahrkarte ab (vergleiche hierzu das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 14. November 2012 zum geldwerten Vorteil bei Erwerb eines vergünstigten Jobtickets, Aktenzeichen VI R 56/11). Im Gegensatz zur "Jahresbahnfahrkarte" verschafft die Aushändigung des Mitgliedsausweises, den Beschäftigten keinen unentziehbaren Anspruch, sondern lediglich das (durchaus entziehbare) Recht zur Nutzung der Einrichtungen für die Dauer der Teilnahme bzw. der aktivierten Karte. Die Arbeitnehmer werden nicht Eigentümer des Mitgliedausweises.

Können die Mitarbeiter (wie im Streitfall) lediglich aus ihrem monatlich gezahlten Eigenanteil einen Anspruch auf Teilnahme ableiten, erstreckt sich die Dauer der Anspruchsberechtigung auch auf lediglich nur einen Monat.

Zum Thema: Steuerfreies Jobticket vom Arbeitgeber: So funktioniert's!

Firmenfitness-Mitgliedschaft: In ähnlichen Fällen Einspruch einlegen

Die Finanzverwaltung hat gegen die Entscheidung Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt, so dass ein endgültiges Urteil aussteht (Aktenzeichen beim Bundesfinanzhof: VI R 14/18). In problematischen Fällen sollten Arbeitgeber bei nachteiligen Feststellungen des Lohnsteuerprüfers Einspruch einlegen.

Quelle: Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen vom 13. März 2018 zum Lohnzuflusszeitpunkt bei vergünstigter Nutzung von Fitnessstudios, Aktenzeichen 14 K 204/16.

Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG möglich

Der Arbeitgeber kann den geldwerten Vorteil des Arbeitnehmers für die Firmenfitness-Mitgliedschaft im Rahmen der Regelungen des § 37b EStG mit 30 Prozent pauschal besteuern. Berechnungsgrundlage sind die vom Arbeitgeber mit dem Anbieter vereinbarten Bruttovergütungen. Diese mindern sich um die ggf. vom Arbeitnehmer zu entrichtenden Eigenbeteiligungen.

Sozialversicherungsrecht folgt Steuerrecht

Die beitragsrechtliche Beurteilung folgt im Wesentlichen dem Steuerrecht: Wird der geldwerte Vorteil dieser Vergünstigungen als steuerpflichtiger Arbeitslohn behandelt und nicht pauschal besteuert, ist die vergünstigte Firmenfitness-Mitgliedschaft beitragspflichtig. Ist der geldwerte Vorteil steuerfrei - im Rahmen der 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze - bleibt er auch beitragsfrei.