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| Arbeitsunfähigkeit

Entgeltabrechnung bei erkrankten Auszubildenden

Auch Azubis müssen sich im Betrieb krankmelden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Wenn Auszubildende erkranken, lassen sich die für Arbeitnehmer geltenden Regelungen nicht ohne Weiteres übertragen. Was gilt zum Beispiel, wenn Azubis bereits wegen der Betreuung eines erkrankten Kindes zu Hause bleiben müssen? Oder: Wird bei geringerem Entgelt die Gleitzone angewendet?

Die meisten Auszubildenden besuchen die Berufsschule. Tritt eine Arbeitsunfähigkeit an Tagen des Schulbesuchs ein, hat der Auszubildende sich dort krank zu melden. Er muss vor Schulbeginn beim Sekretariat Bescheid geben. Die genauen Regelungen finden sich in der Schulordnung der jeweiligen Schule. Mit einer „frühmorgendlichen“ Meldung ist der Auszubildende aber immer auf der sicheren Seite.

Azubis müssen müssen sich auch im Betrieb krankmelden

Ungeachtet dieser Krankmeldung muss sich der Azubi für diesen Tag gleichzeitig beim Ausbildungsbetrieb krankmelden. Dass an diesem Tag wegen des Schulbesuchs ggf. keine Anwesenheitspflicht im Betrieb besteht, spielt hier keine Rolle. Der Auszubildende muss den Arbeitgeber über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer informieren. Die Mitteilung kann per Fax, SMS oder E-Mail sowie durch Boten (Angehörige oder Arbeitskollegen) erfolgen.

Krankengeld für Azubis in den ersten vier Wochen

Auszubildende haben grundsätzlich wie Arbeitnehmer bei Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Krankengeld. Ebenso besteht ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung. In den ersten vier Wochen des Ausbildungsverhältnisses besteht dieser Anspruch jedoch nicht.

Achtung: Tarifvertraglich können abweichende Regelungen vereinbart werden, die den Auszubildenden besserstellen.

Entfällt de Entgeltfortzahlung, erhält der Auszubildende Krankengeld von der Krankenkasse in Höhe von 70 Prozent der Bruttovergütung, max. aber 90 Prozent der Nettovergütung. Für Arbeitsunfähigkeitszeiten, die erst nach Ablauf des Vier-Wochen-Zeitraums beginnen, besteht ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung vergleichbar denen von Arbeitnehmern.

Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit des Azubis

Hat der Arbeitgeber Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit, kann er die Krankenkasse des Auszubildenden mit einer Untersuchung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen beauftragen. Mit einer Verweigerung der Entgeltfortzahlung ist jedoch Vorsicht geboten! Dieser Anspruch kann im Gegensatz zu den Arbeitnehmern nicht ausgeschlossen werden. Das liegt an den unterschiedlichen Rechtsgrundlagen (für Auszubildende: §§ 3,19 und 25 BBiG).

Für Azubis kein Krankengeld bei Erkrankung des Kindes

Weitergehende Entgeltfortzahlungsansprüche bestehen für den Fall, dass Auszubildende bereits Vater oder Mutter sind. Müssen sie wegen einer Erkrankung des Kindes der Arbeit fernbleiben, gibt es kein Krankengeld bei Erkrankung des Kindes von der Krankenkasse, sondern es besteht Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Keine Gleitzonenregelung für Azubis

Auch Auszubildende erzielen heutzutage bereits eine beachtliche Ausbildungsvergütung. Durch die Zahlung von Krankengeld kann es in Teilmonaten zu geringeren Entgeltansprüchen kommen.  Für Entgeltabrechner stellt sich dann die Frage, ob die Regelungen zur Gleitzone anzuwenden sind. Aber: Die Gleitzonen-Regelung darf bei Azubis während der gesamten Dauer der Ausbildung nicht angewendet werden. Das gilt entsprechend auch in vollen Beitragsmonaten.

Umrechnung der Geringverdienergrenze für Azubis in Teilmonaten

Besonderheiten ergeben sich auch bei der Geringverdienergrenze. Sie gilt nur für Azubis, deren monatliches Arbeitsentgelt 325 Euro nicht übersteigt.  Der Arbeitgeber trägt die Sozialversicherungsbeiträge für Auszubildende in diesen Fällen in voller Höhe allein. Wird das Arbeitsentgelt wegen Arbeitsunfähigkeit und Krankengeldzahlung  nicht für einen vollen Monat gezahlt, ist der Betrag von 325 Euro auf den (Teil-) Entgeltabrechnungszeitraum umzurechnen und dann mit dem tatsächlich gezahlten Entgelt zu vergleichen.

Haufe Online Redaktion

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