Engeltumwandlung: Bemessungsgrundlage für Fahrräder und E-Bikes

Wenn Fahrräder oder E-Bikes vom Arbeitgeber überlassen und im Rahmen einer Entgeltumwandlung finanziert werden, kann die Bemessungsgrundlage ab 2020 geviertelt werden. Das sieht ein neuer Verwaltungserlass vor. Unter welchen Voraussetzungen es zu einer Steuererleichterung kommt, haben wir für Sie zusammengefasst. 

Bereits seit 2019 bleiben zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn vom Arbeitgeber gewährte Vorteile für die Überlassung eines betrieblichen Fahrrads, das kein Kraftfahrzeug ist, steuerfrei. Die Steuerbefreiung gilt sowohl für Elektrofahrräder als auch für Fahrräder. Die Steuerbefreiung gilt jedoch nicht für die in der Praxis verbreiteten Modelle der Fahrradüberlassung im Wege der Gehaltsumwandlung, insbesondere beim sogenannten E-Bike-Leasing. 

Fahrradüberlassung an Arbeitnehmer: Berechnung des monatlichen Durchschnittswerts 

Für diese Fälle hatte die Verwaltung früher als monatlichen Durchschnittswert der privaten Nutzung ein Prozent der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer festgesetzt (vergleiche Gleichlautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 23. November 2012, BStBl 2012 I S. 1224). So waren bei einem Fahrrad mit einer Preisempfehlung von z.B. 3.600 Euro monatlich 36 Euro lohnzuversteuern. Die Regelung gilt bis heute, wenn das Fahrrad erstmals vor 2019 überlassen worden ist.

Anwendung des halben beziehungsweise des geviertelten Listenpreises 

Ist die erstmalige Fahrradüberlassung hingegen in 2019 oder später erfolgt, hat die Verwaltung die Regelung inzwischen zum zweiten Mal verbessert (Gleich lautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 09. Januar 2020). Als monatlicher Durchschnittswert der privaten Nutzung (einschließlich Privatfahrten, Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Fahrten zu einem Sammelpunkt und Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung) wird

  • für das Kalenderjahr 2019 ein Prozent der auf volle 100 Euro abgerundeten halbierten und
  • ab 1. Januar 2020 ein Prozent eines auf volle 100 Euro abgerundeten Viertels der unverbindlichen Preisempfehlung

des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer festgesetzt. Die Regelung gilt für klassische Fahrräder, aber auch für Elektrofahrräder, wenn diese verkehrsrechtlich als Fahrrad einzuordnen sind (unter anderem keine Kennzeichen- und Versicherungspflicht).

Im obigen Beispiel mit einem Listenpreis von 3.600 Euro wären bei Neuanschaffung des Fahrrads im Jahr 2019 18 Euro ( = 3.600 Euro x 50 Prozent x 1 Prozent) anzusetzen oder bei Neuanschaffung ab 2020 monatlich nur noch 9 Euro ( = 3.600 Euro x 25 Prozent x 1 Prozent) zu versteuern. Die neue Regelung gilt bis zum Jahr 2030.

Die 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge ist in allen vorstehenden Fällen nicht anzuwenden

Es kommt für die Minderung des Listenpreisansatzes nach dem Verwaltungserlass auf die erstmalige Überlassung ab 2019 (bzw. vor 2031) und nicht auf den Zeitpunkt an, zu dem der Arbeitgeber das Fahrrad angeschafft, hergestellt oder geleast hat.

Wurde das betriebliche Fahrrad aber vor dem 1. Januar 2019 vom Arbeitgeber bereits einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin zur privaten Nutzung überlassen, bleibt es auch bei einem Wechsel des Nutzungsberechtigten nach dem 31. Dezember 2018 für dieses Fahrrad bei den früheren Regelungen. Die Minderung auf die Hälfte bzw. auf ein Viertel ist dann nicht anzuwenden.

Fahrradüberlassung ohne Entgeltumwandlung komplett steuerfrei 

Zusätzlich zum Arbeitslohn vom Arbeitgeber gewährte Vorteile – also ohne Entgeltumwandlung - für die Überlassung eines betrieblichen Fahrrads, das kein Kraftfahrzeug ist, bleiben seit 2019 gesetzlich komplett steuerfrei. Ein geldwerter Vorteil ist in diesen Fällen nicht anzusetzen. Die Steuerbefreiung gilt sowohl für Elektrofahrräder als auch für Fahrräder.

E-Bikes als Kraftfahrzeug: Regelungen für Elektroautos gelten 

Ist ein Elektrofahrrad verkehrsrechtlich als Kraftfahrzeug einzuordnen (zum Beispiel gelten Elektrofahrräder, deren Motor auch Geschwindigkeiten über 25 Kilometer pro Stunde unterstützt, als Kraftfahrzeuge), gelten für die Bewertung des geldwerten Vorteils die Regelungen für Elektroautos. Hier gibt es überraschende Ähnlichkeiten: Für Fahrzeuge, hier also schnelle Fahrräder, die im Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2030 erstmalig überlassen werden, erfolgt ebenfalls ab 2020 ein Ansatz mit einem Viertel der Bemessungsgrundlage (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 EStG). Diese Viertelung gilt auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, die in diesen Fällen gesondert mit 0,03 Prozent je Entfernungskilometer anzusetzen sind – letztlich der einzige Unterschied zu den obigen Fahrrädern.

Überlässt der Arbeitgeber ein solches Gefährt beispielsweise zum Preis von 4.800 Euro und der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin fährt damit täglich 10 km zur Arbeit und wieder zurück, entsteht im Januar 2020 neben dem geldwerten Vorteil von ein Prozent auf ein Viertel des Listenpreises in Höhe von 12 Euro ( = 4.800 Euro x 25 Prozent x 1 Prozent) ein zusätzlicher Vorteil für die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte in Höhe von 3,60 Euro (0,03 Prozent x 4.800 Euro x 25 Prozent x 10 km). 2019 war der geldwerte Vorteil noch doppelt so hoch.

Arbeitgeber ist in der Fahrradbranche tätig: Rabattfreibetrag greift

Gehört die Nutzungsüberlassung von Fahrrädern zur Angebotspalette des Arbeitgebers (zum Beispiel bei Fahrradverleihfirmen), kann der sogenannte Rabattfreibetrag in Höhe von 1.080 Euro steuerfrei gewährt werden. Maßgebend für die Bewertung sind aber dann – abweichend von den vorstehenden Regelungen - die um vier Prozent geminderten Endpreise, zu denen der Arbeitgeber die Nutzung fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet (§ 8 Abs. 3 EStG).


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Schlagworte zum Thema:  Geldwerter Vorteil, Lohnsteuer