| Einkommensschere

Zwischen Mindestlohn und Top-Gehalt

Wie viel Geld die Deutschen im Portemonnaie haben, variiert nach wie vor stark.
Bild: Haufe Online Redaktion

In Deutschland steigen seit Jahren die durchschnittlichen Einkommen, wie eine Studie der KFW-Bank zeigt. Zugleich gibt es aber nach wie vor große Einkommensunterschiede. Wo die Arbeitnehmer zwischen Managergehältern und Mindestlohn zu stehen kommen, lesen Sie unten. 

Es geht voran in Deutschland, könnte man meinen. In den vergangenen 20 Jahren sei das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen aus Arbeit, Vermögen und Sozialleistungen preisbereinigt (real) um neun Prozent gestiegen, stellte kürzlich eine Studie im Auftrag der KFW-Bank fest. Im Jahr 2014 lagen die durchschnittlichen Einkünfte je Bürger danach bei 20.900 Euro.
Trotz der Nennung dieser erfreulichen Zahlen geht es den Studienautoren nicht darum, Festtagsstimmung zu verbreiten. Im Gegenteil: Anlass der Studie war die Kluft zwischen den Einkünften von Top- und Geringverdienern – und hier gibt es leider nicht viel Positives zu vermelden.

Die Einkommensschere geht weiter auseinander

Die KFW-Forscher stellten fest, dass Haushalte mit Einkommen im Bereich der oberen 20 Prozent bereits im Jahr 2000 das 3,5-fache der Haushalte aus den unteren 20 Prozent verdienten. Bis zum Jahr 2014 hätte sich diese Einkommensdifferenz sogar auf das Fünffache erhöht.
Entsprechend, so die Ergebnisse der KFW-Studie, seien die Einkommen der oberen Haushalte von 2000 bis 2014 um knapp 40 Prozent gestiegen. Die Einkommen der Geringverdiener in den untereren Einkommensklassen seien im gleichen Zeitraum hingegen um lediglich sechs Prozent und damit langsamer als die Verbraucherpreise gestiegen.

Einkommensungleichheit ist nicht gleich Lohnungleichheit

Etwas anders sieht es wiederum bei der  Entwicklung der Lohnungleichheit  aus. Dabei wird nur die Entwicklung des Arbeitsentgelts, nicht jedoch zusätzliche Einkünfte aus Vermögen und Sozialleistungen, berücksichtigt. Bei der Auswertung der Daten von vollzeitbeschäftigten Personen, die der Sozialversicherungspflicht unterliegen, stellte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung jüngst Anzeichen dafür fest, dass der seit Mitte der 1990er-Jahre beobachtbare Anstieg der Lohnungleichheit ab dem Jahr 2010 zum Stillstand gekommen sei. Wesentliche Unterschiede bei den Löhnen bestehen aber natürlich weiterhin.

Spitzengehälter bei Deutschlands Top-Managern

Deutlich wird das etwa mit Blick auf die Gehälter der Top-Manager: Sie verdienten laut einer Erhebung der Unternehmensberatung Willis Towers Watson im vergangenen Jahr durchschnittlich 4,9 Millionen Euro. Damit sei die Vergütung der Chefs von 20 der 30 Dax-Konzerne im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent gestiegen – dies trotz des tendenziell abnehmenden Unternehmenserfolgs: Das Ergebnis (Ebit) der Börsenschwergewichte verringerte sich nach den Angaben von Willis Towers Watson nämlich um sieben Prozent auf durchschnittlich 3,08 Milliarden Euro.
Der Spitzenverdiener unter den Top-Managern war Daimler-Chef Dieter Zetsche. Nach einem sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2015 belief sich sein Verdienst aus Grundvergütung, Boni und langfristiger variabler Vergütung auf 9,7 Millionen Euro. Dieser Wert beinhaltet noch keine Leistungen zur Altersvorsorge.

Nebenjob trotz Mindestlohn

Finanziell weniger erfolgreich scheint demgegenüber ein wachsender Teil der deutschen Arbeitnehmer zu sein, wie die Stellungnahme des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) zu einer Anfrage der Linken nahelegt: Von 2006 bis 2015 nahm die Anzahl der Arbeitnehmer, die im Nebenjob einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, um 52 Prozent zu - von 1,63 auf 2,48 Millionen.
Eine wachsende Zahl von Bürgern ist demzufolge auf einen Nebenerwerb angewiesen. Die Einführung des Mindestlohns hat dies offenbar bislang noch kaum beeinflusst. Dabei ist der Mindestlohn inzwischen fast flächendeckend eingeführt, wie eine Untersuchung des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) jüngst ergeben hat: Demnach beziehen 2016 noch drei Prozent der Arbeitnehmer Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro.

Unzufriedenheit bei vielen Arbeitnehmern

Die Einführung des Mindestlohns scheint bisher auch die generelle Stimmung im Arbeitsmarkt wenig verbessert zu haben: Als Ergebnis einer vom BMAS geförderten Studie zeigte sich kürzlich, dass nur knapp ein Fünftel der befragten Arbeitnehmer meinten, ihre eigene Arbeitssituation entspräche dem persönlichen Idealbild von Arbeit. Hingegen sahen 45 Prozent der Befragten die eigene Jobsituation weit davon entfernt.
Die steigende Unzufriedenheit der Arbeitnehmer dürfte gerade für Personaler ein eindeutiges Warnsignal sein - zumal die Befragten vielfach angaben, die Arbeitswelt habe sich seit den 1990er-Jahren immer weiter vom Ideal des Wünschenswerten entfernt.

Das könnte Sie auch interessieren: 

Equal Pay Day: Rote Zahlen auf dem Konto

Typische Frauenberufe werden schlechter bezahlt

Schlagworte zum Thema:  Löhne und Gehälter, Mindestlohn, DAX-Konzerne

Aktuell

Meistgelesen