Das Finanzgericht Düsseldorf musste entscheiden, ob Kosten für die Einrichtung einer Wohnung bei einer doppelten Haushaltsführung zu Unterkunftskosten zählen. Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Kosten für notwendige Einrichtungsgegenstände der Zweitwohnung gehören nach einem neuen Urteil nicht zu den auf 1.000 Euro begrenzten Unterkunftskosten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung. Das Urteil widerspricht der bisherigen Verwaltungsauffassung.

Die notwendigen Mehraufwendungen, die einem Mitarbeiter wegen einer aus beruflichem Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung entstehen, können vom Arbeitgeber steuer- und sozialversicherungsfrei erstattet werden oder alternativ vom Arbeitnehmer in seiner Steuererklärung als Werbungskosten geltend gemacht werden. 

Höchstbetrag für Unterkunftskosten bei doppelter Haushaltsführung

Eine doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn der Mitarbeiter außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort wohnt. Als Unterkunftskosten für eine doppelte Haushaltsführung können im Inland die tatsächlichen Aufwendungen für die Nutzung der Unterkunft angesetzt werden, seit der Reisekostenreform jedoch höchstens 1.000 Euro im Monat (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 4 EStG).

Werbungskostenabzug für Mehraufwendungen bei doppelter Haushaltsführung

In einem aktuellen Urteilsfall des Finanzgerichts Düsseldorf (Urteil vom 14. März 2017, 13 K 1216/16 E , Revision beim Bundesfinanzhof zugelassen) unterhielt der Arbeitnehmer im Streitjahr ab dem ersten Mai neben seinem eigenen Hausstand (Lebensmittelpunkt) eine Wohnung am Ort seiner ersten Tätigkeitsstätte. Mit seiner Einkommensteuererklärung begehrte er den Abzug von notwendigen Mehraufwendungen für eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung (Miete zuzüglich Nebenkosten, Aufwendungen für Möbel und Einrichtungsgegenstände).

Doppelte Haushaltsführung: Einrichtungskosten neben Höchstbetrag erstattungsfähig

Das Finanzamt berücksichtigte die Aufwendungen nur insoweit, als sie den Betrag von 1.000 Euro pro Monat nicht überstiegen. In seiner dagegen gerichteten Klage machte der Arbeitnehmer geltend, die Aufwendungen für die Einrichtung der Wohnung seien unbeschränkt abzugsfähig, da sie keine Unterkunftskosten darstellten. Die Klage hatte Erfolg und hat im Ergebnis identische Auswirkungen für die steuerfreien Erstattungsmöglichkeiten des Arbeitgebers.

Notwendige Einrichtungsgegenstände unbegrenzt abziehbar

Nach Auffassung des Finanzgerichts werden Aufwendungen für Einrichtungsgegen-stände und notwendigen Hausrat vom Höchstbetrag nicht erfasst. Die Richter verweisen auch auf die überwiegende Literaturauffassung, dass die Aufwendungen für die Möblierung der Wohnung oder Unterkunft sowie für den Hausrat, soweit sie - wie im Urteilsfall - den Rahmen des notwendigen nicht übersteigen, neben den Unterkunfts-kosten steuerlich berücksichtigt werden können.

Aktuelle Rechtsprechung widerspricht Verwaltungsauffassung

Das Urteil widerspricht der bisherigen Verwaltungsauffassung im Schreiben des Bundesfinanzministeriums zur Reisekostenreform vom 24.10.2014 (BStBl 2014 I Seite 1412, Randziffern 104). Danach umfasst der Höchstbetrag sämtliche entstehenden Aufwendungen wie Miete, Betriebskosten, Kosten der laufenden Reinigung und Pflege der Zweitwohnung oder -unterkunft, Abschreibung für notwendige Einrichtungsgegenstände (ohne Arbeitsmittel), Zweitwohnungsteuer, Rundfunkbeitrag, Miet- oder Pachtgebühren für KFZ-Stellplätze, und Aufwendungen für Sondernutzung (wie Garten), die vom Arbeitnehmer selbst getragen werden. Betroffene Fälle sollten bis zu einer endgültigen Entscheidung offengehalten werden.

Schlagworte zum Thema:  Doppelte Haushaltsführung, Unterkunftskosten

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