08.06.2012 | Doppelte Haushaltsführung

Eigener Hausstand bei den Eltern möglich

Doppelte Haushaltsführung
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Alleinstehende müssen für die steuerliche Berücksichtigung einer doppelten Haushaltsführung einen eigenen Hausstand nachweisen. Nur dann kommt für Sie ein Werbungskostenabzug – und von Seiten des Arbeitgebers eine steuerfreie Erstattung der Aufwendungen - in Betracht.

Eine doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn der Mitarbeiter außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort wohnt.

Steuerfreie Erstattung durch den Arbeitgeber

Die notwendigen Mehraufwendungen, die einem Mitarbeiter wegen einer aus beruflichem Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung entstehen, können vom Arbeitgeber steuer- und sozialversicherungsfrei erstattet werden oder alternativ vom Arbeitnehmer in seiner Steuererklärung als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Eigener Hausstand bei den Eltern möglich

In einem aktuellen Urteilsfall ging es um die in der Praxis oft auftauchende Frage, ob ein eigener Hausstand auch im Elternhaus begründet werden kann. Im Verfahren machte die Steuerpflichtige geltend, dass ihr Hausstand sich in der im Obergeschoss des Hauses ihrer Eltern gelegenen 52 m² großen Wohnung befinde. Nach der Trennung von ihrem Ehemann habe sie diese Wohnung von ihren Eltern angemietet.

Nach dem Urteil des BFH (v. 28.3.2012, VI R 87/10)  entscheidet sich die Frage, ob ein alleinstehende Arbeitnehmer einen eigenen Hausstand unterhält im Rahmen einer Gesamtwürdigung. Wird der Haushalt in einer in sich abgeschlossenen Wohnung geführt, die auch nach Größe und Ausstattung ein eigenständiges Wohnen und Wirtschaften gestattet, kann regelmäßig vom Unterhalten eines eigenen Hausstands ausgegangen werden.

Weiter sind aber auch die persönlichen Lebensumstände, Alter und Personenstand des Steuerpflichtigen zu berücksichtigen: 

  • So wird regelmäßig ein junger Steuerpflichtiger, der nach Schulabschluss gerade eine Ausbildung begonnen hat, noch eher in den Haushalt seiner Eltern eingegliedert sein, wenn er im Haus der Eltern wohnt, selbst wenn er dort auch eigene Räume zur Verfügung hat.

  • Hatte der Steuerpflichtige dagegen schon etwa im Rahmen einer gefestigten Beziehung oder Ehe andernorts einen eigenen Hausstand geführt, ist es regelmäßig nicht fernliegend, dass er einen solchen auch dann weiter unterhalten und fortführen wird, wenn er wieder eine Wohnung im Haus seiner Eltern bezieht.

Tipp: Die Voraussetzung des eigenen Hausstandes muss bei einer Auswärtstätigkeit nicht näher geprüft werden. Durch die Neuregelung der regelmäßigen Arbeitsstätte (vgl. BMF, Schreiben v. 15.12.2011, IV C 5 - S 2353/11/10010, BStBl 2012 I S. 57) kommt es seltener zu einer doppelten Haushaltsführung, weil zum Beispiel ein vorübergehender Einsatz oder eine längerfristige Kundentätigkeit Auswärtstätigkeiten sind.

Schlagworte zum Thema:  Lohnsteuer, Werbungskosten, Doppelte Haushaltsführung

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