Die E-Bikes sind als Diensträder besonders beliebt. Bild: Corbis

Die Überlassung eines Dienstrads (Fahrrad oder E-Bike) durch den Arbeitgeber erfolgt meistens im Rahmen eines Leasing-Modells. Welche Modelle des Dienstrad-Leasings es gibt und was dabei steuerlich zu beachten ist - insbesondere, wenn der Mitarbeiter das Rad am Leasingende erwirbt.

Viele Pendler stehen morgens im Stau. Laut dem aktuellen Fahrradmonitor 2017 würde rund ein Fünftel das Auto stehen lassen und aufs Fahrrad umsteigen, wenn der Arbeitgeber dies fördern würde, beispielsweise indem er ein Dienstrad zur Verfügung stellt.

Mit der zunehmenden Verbreitung von E-Bikes hat in den vergangenen Jahren auch die Beliebtheit von Diensträdern zugenommen. Üblicherweise überlässt der Arbeitgeber ein solches (Elektro-) Dienstfahrrad im Rahmen eines Leasing-Modells. Die Finanzverwaltung hat jetzt erstmals mit einem bundeseinheitlichen Erlass zur lohnsteuerlichen Behandlung von Leasingmodellen für Elektrofahrräder Stellung genommen. Enthalten sind dabei auch Regelungen zum Kauf am Ende der Leasingzeit.

E-Bike-Leasing: Modelle und Vertragsgestaltung

Beim Dienstrad-Leasing gibt es folgende Modelle bzw. Vertragsgestaltungen:

  • ein Rahmenvertrag zwischen dem Arbeitgeber und einem Anbieter, der regelmäßig die gesamte Abwicklung betreut,
  • Einzelleasingverträge zwischen dem Arbeitgeber (Leasingnehmer) und einem Leasinggeber über die (Elektro-)Fahrräder mit einer festen Laufzeit von zumeist 36 Monaten,
  • ein Nutzungsüberlassungsvertrag zwischen dem Arbeitgeber und Mitarbeiter hinsichtlich des einzelnen (Elektro-)Fahrrads für eben diese Dauer, der auch eine private Nutzung zulässt,
  • eine Änderung des Arbeitsvertrags, in dem einvernehmlich das künftige Gehalt für die Dauer der Nutzungsüberlassung um einen festgelegten Betrag (in der Regel in Höhe der Leasingrate des Arbeitgebers) herabgesetzt wird (sogenannte Gehaltsumwandlung). Details zur Gehaltsumwandlung bei Fahrrad-Leasing lesen Sie hier.

Zudem sehen die Vertragsgestaltungen regelmäßig vor, dass ein Dritter (zum Beispiel Leasinggeber, Dienstleister oder Verwertungsgesellschaft) dem Arbeitnehmer das von ihm genutzte (Elektro-) Fahrrad bei Beendigung der Überlassung durch den Arbeitgeber zu einem Restwert von beispielsweise zehn Prozent des ursprünglichen Kaufpreises zum Erwerb anbieten kann.

Arbeitgeber überlässt E-Bike als Dienstfahrrad: Steuerliche Grundsätze

Wird ein E-Bike vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, gilt für die Privatnutzung die vom Pkw bekannte Ein-Prozent-Regelung. Als monatlicher Durchschnittswert der privaten Nutzung werden ein Prozent der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer festgesetzt. Als besonderer Bonus gilt der Ansatz für alle privaten Fahrten einschließlich Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Anders als beim Auto gibt es hier also keine 0,03 Prozent-Regelung zusätzlich (vergleiche Gleichlautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 23. November 2012, BStBl 2012 I S. 1224).

Besonderheiten beim Dienstrad-Leasing

Least der Arbeitgeber ein (Elektro-)Fahrrad und überlässt es dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin auch zur privaten Nutzung, ist die Nutzungsüberlassung nach den oben genannten steuerlichen Grundsätzen zu bewerten, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:

Der Anspruch auf die Überlassung des (Elektro-)Fahrrads resultiert aus dem Arbeitsvertrag oder aus einer anderen arbeitsrechtlichen Rechtsgrundlage, weil

  • er im Rahmen einer steuerlich anzuerkennenden Gehaltsumwandlung mit Wirkung für die Zukunft vereinbart ist oder
  • er arbeitsvertraglicher Vergütungsbestandteil ist.

Eine Gestellung eines (Elektro-)Fahrrads durch den Arbeitgeber in diesem Sinne setzt zudem voraus, dass der Arbeitgeber und nicht der Arbeitnehmer gegenüber dem Leasinggeber zivilrechtlich Leasingnehmer ist.

Hinweis: Diese Voraussetzungen gelten entsprechend bei der Überlassung von geleasten Firmenwagen (vergleiche Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 15. Dezember 2016, BStBl 2016 I S. 1449).

Arbeitnehmer kauft E-Bike zum Ende der Leasingzeit: Lohnsteuerliche Behandlung

Können die Betroffenen im Falle des Leasings das E-Bike nach Ablauf der Leasinglaufzeit vom einem Dritten zu einem geringeren Preis als dem ortsüblichen Endpreis am Abgabeort erwerben, ist der hierdurch entstehende Preisvorteil als Arbeitslohn (von dritter Seite) anzusetzen. Vergleichsmaßstab ist dabei der um übliche Preisnachlässe geminderte übliche Endpreis am Abgabeort (§ 8 Absatz 2 Satz 1 EStG). Die Verwaltung lässt zu, diesen üblichen Endpreis eines E-Bikes, das Arbeitnehmern nach 36 Monaten Nutzungsdauer übereignet wird, aus Vereinfachungsgründen mit 40 Prozent der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des (Elektro-)Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer zu bewerten. Bei einem Fahrrad zum Neupreis von 2.599 Euro wäre das beispielsweise 1.000 Euro. Ein niedrigerer Wert kann nachgewiesen werden. Die Zahlung der Mitarbeiter wird jeweils abgezogen. Ist sie niedriger, verbleibt ein lohnsteuerpflichtiger Sachbezug.

Hinweis: In der Praxis wird vielfach pauschal der Ansatz eines Restwerts von zehn Prozent des Kaufpreises begehrt. Der Nachweis eines derart niedrigen Restwerts dürfte nach dem Erlass schwierig werden, siehe aber nachstehende Ausführungen.

Geldwerter Vorteil aus E-Bike-Kauf am Leasingende: Pauschalierung nach § 37b EStG ist möglich

Weil in vielen Fällen die Übertragung des Fahrrads auf die Mitarbeiter zu geldwerten Vorteilen führen könnte, nimmt die Verwaltung nun erstmals auch zur Frage der Anwendung des § 37b Absatz 1 EStG durch den Zuwendenden (zum Beispiel Leasinggeber, Dienstleister oder Verwertungsgesellschaft) und zur Höhe der Bemessungsgrundlage Stellung (vergleiche ergänzend Rdnr. 11 und Rdnr. 16 des BMF-Schreibens vom 19. Mai 2015, BStBl I Seite 468).

Die Verwaltung lässt die Pauschalierung mit ihrem Erlass ausdrücklich zu, allerdings nicht durch den Arbeitgeber. Die Pauschalierung kann nur der Zuwendende selbst vornehmen (Arbeitslohn von dritter Seite). Als Bemessungsgrundlage will die Verwaltung den gemeinen Wert anzusetzen, weil dem Zuwendenden keine/geringe Aufwendungen entstanden sind. Aus Vereinfachungsgründen erlaubt sie auch hier eine Schätzung mit 40 Prozent der auf volle Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung einschließlich Umsatzsteuer. Ein niedrigerer Wert kann nachgewiesen werden. Der Kaufpreis, den der Zuwendungsempfänger zahlt, mindert die Bemessungsgrundlage der pauschalen Einkommensteuer.

Berechnung geldwerter Vorteil: Beispiel

Durch den Kauf eines E-Bikes am Ende der Leasingzeit entsteht oftmals ein geldwerter Vorteil. Dieser kann aber nach § 37b EStG durch den Leasinggeber oder eine Verwertungsgesellschaft mit 30 Prozent pauschal versteuert werden.

Beispiel

Listen-Neupreis des Fahrrads    2.599 Euro

Geschätzter Endpreis der Verwaltung nach 3 Jahre

40 Prozent x 2.500 Euro (gerundet)      

1.000 Euro
Kaufpreis nach Ablauf von 36 Monaten (zehn Prozent Neupreis)259 Euro
Bemessungsgrundlage nach § 37b EStG  741 Euro
Pauschalsteuer nach § 37b EStG  222 Euro

 

Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 17. November 2017, IV C 5 - S 2334/12/10002-04

 

Schlagworte zum Thema:  E-Bike, Leasing

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