02.11.2011 | Entgelt

Chaos: Start der elektronischen Lohnsteuerkarte erneut verschoben

Die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte wird sich wegen technischer Probleme weiter verschieben. Derzeit stimmen Bund und Länder einen neuen Starttermin und die weitere Vorgehensweise ab. Das ist auch dringend nötig, denn Millionen von Unternehmen stehen vor einem Rätsel: Wie soll es konkret weitergehen?

"Was nun, Herr Schäuble?" - diese Frage würden sicherlich viele Unternehmen gerne dem Finanzminister stellen.

Wieder einmal läuft ein bundesweites Projekt der elektronischen Datenübermittlung nicht rund. Man denke nur an das Projekt ELENA, das vor kurzem gestoppt wurde. Und wie so häufig trifft es diejenigen, die am Ende das Projekt in der betrieblichen Praxis umsetzen. Unternehmen benötigen jedoch Planungssicherheit.

Denn es bleiben Fragen offen: Wie wird mit der Lohnabrechnung ab Januar umgegangen?

Das Ministerium beschwichtigt und versichert: "Es werden keine nachteiligen Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger entstehen." Eigentlich sollte die Karte Anfang 2012 starten.

 

Das könnte die Lösung sein

Die bunte Lohnsteuerkarte aus Pappe ist schon seit 2010 abgeschafft, galt aber 2011 weiter, weil das neue Verfahren noch nicht startklar war. Diese Regelung zu verlängern, ist eine Option für die kommenden Monate. Ob dies geschieht, soll ebenfalls die Arbeitsgruppe klären, berichtet das "Handelsblatt" (1.11.2011).

 

Bund der Steuerzahler drückt auf die Tube

Der Bund der Steuerzahler forderte eine rasche Entscheidung. "Insbesondere müssen die Arbeitgeber darüber informiert werden, wie der Lohnsteuerabzug für die Arbeitnehmer ab Januar vorzunehmen ist", zitiert die "Financial Times" aus einem Schreiben des Interessenverbandes. Wegen der mangelhaften Daten sei es sinnvoll, die Einführung des technisch unausgereiften Verfahrens zu verschieben.

 

Hintergrundinformationen: Bei dem Verfahren für die Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber zu Beginn einer neuen Beschäftigung nur noch einmalig sein Geburtsdatum und seine steuerliche Identifikationsnummer angeben. Mithilfe dieser Informationen kann der Arbeitgeber die benötigten Infos für den Lohnsteuerabzug elektronisch bei der Finanzverwaltung abrufen.

Wegen Sicherheitsproblemen war im Sommer bereits das davon unabhängige Verfahren zum Elektronischen Einkommensnachweis (ELENA) gestoppt worden. Mit dem ELENA-Verfahren sollten von den Arbeitgebern Daten zum Arbeitsentgelt für verschiedene sozialversicherungsrechtliche Zwecke gespeichert werden.

Die zurzeit laufenden Korrekturarbeiten, besonders soweit Informationsschreiben an die Bürgerinnen und Bürger über die „elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale“ (ELStAM) versandt worden sind, sind davon nicht berührt und werden weiterhin durchgeführt.

Schlagworte zum Thema:  Lohnsteuer

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