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11.11.2015 | Serie Betriebsveranstaltung

Umsatzsteuerliche Folgen von Betriebsveranstaltungen

Serienelemente
Große Betriebsveranstaltung: Wird der Freibetrag überschritten, ist kein Vorsteuerabzug möglich.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Finanzverwaltung hat in einem Erlass Stellung zu den umsatzsteuerlichen Auswirkungen einer Betriebsveranstaltung genommen. In diesem Serienteil lesen Sie, was Sie insbesondere beim Vorsteuerabzug beachten müssen.

Bei Betriebsveranstaltungen, die den Freibetrag von 110 Euro nicht übersteigen, kann von einer überwiegend durch das unternehmerische Interesse des Arbeitgebers veranlassten üblichen Zuwendung ausgegangen werden. In diesem Fall hat der Unternehmer die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs aus den Aufwendungen für die Betriebsveranstaltung, soweit er aus seiner Gesamttätigkeit vorsteuerabzugsberechtigt ist (anders zum Beispiel Ärzte). Eine unentgeltliche Wertabgabe muss nicht versteuert werden.

Kein Vorsteuerabzug bei Überschreitung des Freibetrags

Wird der Freibetrag hingegen überschritten, ist von einer überwiegend durch den privaten Bedarf des Arbeitnehmers veranlassten unentgeltlichen Zuwendung auszugehen. Ein Vorsteuerabzug ist in diesen Fällen aus den Eingangsleistungen nicht möglich, sofern die Verwendung für eine Betriebsveranstaltung bei Leistungsbezug bereits beabsichtigt war. Eine zusätzliche unentgeltliche Wertabgabe erfolgt wegen des Vorsteuerausschlusses in diesen Fällen allerdings ebenso nicht. Die Belastung mit Umsatzsteuer erfolgt somit beim Überschreiten des Freibetrags durch die Versagung des Vorsteuerabzugs auf der Eingangsseite.

Umsatzsteuer nach "Alles-oder-nichts-Prinzip"

Im Ergebnis behält die Umsatzsteuer damit das „Alles-oder-nichts-Prinzip“ bei, das es auch schon bei der früheren Freigrenze gab.

Beispiel: Ein Unternehmer mit zur Hälfte steuerfreien, den Vorsteuerabzug ausschließenden Ausgangsumsätzen bezieht Leistungen für die Durchführung eines Betriebsausfluges. Die Kosten pro Mitarbeiter betragen

- Variante a: 60 EUR,

- Variante b: 200 EUR.

Variante a: Die Aufwendungen für den Betriebsausflug stellen Aufmerksamkeiten dar, weil sie den Betrag von 110 EUR nicht übersteigen. Da die Überlassung dieser Aufmerksamkeiten keinen Wertabgabentatbestand erfüllt, fehlt es an einem steuerbaren Ausgangsumsatz, dem die Leistungsbezüge direkt und unmittelbar zugeordnet werden können. Für den Vorsteuerabzug ist deshalb die Gesamttätigkeit maßgeblich. Der Unternehmer kann daher die Hälfte der Aufwendungen als Vorsteuer abziehen.

Variante b: Die Aufwendungen für den Betriebsausflug stellen grundsätzlich keine Aufmerksamkeiten dar, weil sie den Betrag von 110 EUR übersteigen. Es besteht daher kein Anspruch auf Vorsteuerabzug, sofern die Verwendung bereits bei Leistungsbezug beabsichtigt ist. Dementsprechend unterbleibt eine Wertabgabenbesteuerung.

Lohnsteuerliche Grundsätze beachten

Ob eine Betriebsveranstaltung vorliegt und wie die Kosten, die auf den einzelnen Mitarbeiter entfallen, zu berechnen sind, bestimmt sich nach lohnsteuerrechtlichen Grundsätzen.

Hinweis: BMF-Schreiben vom 14.10.2015, IV C 5 - S 2332/15/10001

Haufe Online Redaktion

Betriebsveranstaltung, Pauschalsteuer

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