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Ein Bundesligaspiel sei eine Freizeitbeschäftigung mit hohem Erlebniswert - und deshalb Arbeitslohn. Bild: Haufe Online Redaktion

Können Fußball-Dauerkarten Arbeitslohn sein? Ja, so das Finanzgericht Bremen. Auch wenn der Besuch Repräsentationszwecken diene, führe dies nicht dazu, dass das eigene Interesse der Arbeitnehmer am Besuch des Spiels vernachlässigt werden kann. Der erlangte Vorteil stellt Arbeitslohn dar.

Im zugrunde liegenden Streitfall erwarb eine GmbH fünf Dauerkarten für Spiele eines Vereins der Fußball-Bundesliga; diese Tickets überließ sie ihren eigenen Mitarbeitern und Geschäftspartnern beziehungsweise deren Mitarbeitern. Die Leistungen des Bundesliga-Vereins beinhalteten:

  • Business-Plätze auf der Tribüne, 
  • ein Vorkaufsrecht auf Sonderspiele, 
  • Zutritt zum VIP-Club ab zwei Stunden vor Spielbeginn und zwei Stunden nach Spielende, 
  • die Bereitstellung von Parkplätzen sowie einen Hostessen-Service.

Volle Pauschalbesteuerung: Kein Werbeanteil abzuziehen

Die GmbH sah einen Teil der Leistungen als Werbung an und versteuerte die Aufwendungen für die Fußball-Dauerkarten nur anteilig. Das Finanzamt unterwarf die Aufwendungen für die Eintrittskarten in vollem Umfang der 30-prozentigen Pauschalsteuer für Geschenke und Incentives nach § 37b EStG. Nach Auffassung des Finanzamts sei kein Werbeanteil abzuziehen, da bei der Art der erworbenen Leistung keine Werbeanteile enthalten seien. Die hiergegen gerichtete Klage beim Finanzgericht Bremen hatte keinen Erfolg.

Pauschalbesteuerung der Sachzuwendung: "Stadionbesuch" ist Arbeitslohn

Nach Auffassung des Finanzgerichts stellt der durch die Verschaffung der Gelegenheit zum Besuch des Spiels erlangte Vorteil bei den betreffenden Mitarbeitern Arbeitslohn dar; bei den betreffenden Geschäftspartnern beziehungsweise deren Mitarbeitern handelt es sich bei der Zuwendung ebenfalls um steuerpflichtige Einnahmen im Rahmen der für sie jeweils maßgeblichen Einkunftsart.

Sachzuwendung ist kein Arbeitslohn, wenn eigenbetriebliches Interesse überwiegt

In einem ähnlich gelagerten Fall, in dem Arbeitnehmer Geschäftsfreunde auf einem Regattabegleitschiff zu betreuen hatten, hatte der Bundesfinanzhof die Steuerpflicht verneint: 

Betreut ein Außendienstmitarbeiter - auf Geheiß seines Arbeitgebers - Kunden im Rahmen einer Kundenveranstaltung, kann dies nach dem damaligen Urteil im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers liegen und daher die Zuwendung eines lohnsteuerrechtlichen Vorteils ausschließen. 

Von einem solchen ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse ist auszugehen, wenn auf Grundlage einer Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalles darauf zu schließen ist, dass der jeweils verfolgte betriebliche Zweck ganz im Vordergrund steht und ein mögliches eigenes Interesse der Arbeitnehmer, den betreffenden Vorteil zu erlangen, vernachlässigt werden kann.

Vergleiche Urteil des Bundesfinanzhofs vom 16. Oktober 2013, Aktenzeichen VI R 78/12

Sachzuwendung: Dauerkarten für Arbeitnehmer sind Arbeitslohn

Im vorliegenden Fall war aber das Bremer Finanzgericht der Auffassung, dass sich die Gelegenheit zum Besuch der Spiele als Entlohnung und nicht als lediglich notwendige Begleiterscheinung einer betriebsfunktionalen Zielsetzung darstellt. Der Besuch eines Bundesligaspiels stelle eine übliche Freizeitbeschäftigung mit einem hohen Erlebniswert dar. Zwar habe die Klägerin die Besuche der Spiele zu Repräsentations- und Werbezwecken durchgeführt, doch führe dies nicht dazu, dass das eigene Interesse der Mitarbeiter am Besuch des Spiels vernachlässigt werden könne.

Pauschalbesteuerung von Sachzuwendungen: Gesamtwürdigung entscheidend

Auch die Zusammenkunft in den Räumlichkeiten des Arbeitgebers und der aufgestellte Firmenwimpel sowie die Ansprache des Geschäftsführers änderten nichts an der Steuerpflicht. Die Betrachtung des eigentlichen Spiels war nach Auffassung des Gerichts in keiner Weise durch betriebliche Aspekte geprägt.

Entscheidend sei immer die Gesamtwürdigung der Umstände des Einzelfalls: der jeweils verfolgte betriebliche Zweck müsse ganz im Vordergrund stehen und ein mögliches eigenes Interesse des Arbeitnehmers, den betreffenden Vorteil zu erlangen, vernachlässigt werden können.

Das Gericht hat die Revision nicht zugelassen, das Urteil ist rechtskräftig.


Quelle: Finanzgericht Bremen, Urteil vom 21. September 2017, Aktenzeichen 1 K 20/17 (5)

Schlagworte zum Thema:  Sachzuwendung, Arbeitslohn, Incentive, Lohnsteuerpauschalierung

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