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| Werkverträge

Häufiger Missbrauch oder bewährtes Instrument?

Externe Mitarbeiter per Werkvertrag beauftragen: Bewährtes Instrument oder Folge einer missbräuchlichen Auslagerung?
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Arbeitsministerin plant die Regulierung von Werkverträgen. Dieses Anliegen stützt die IG Metall und beklagt Lohndumping und niedere Sozialstandards. Die Arbeitgeber widersprechen, ein renommierter Arbeitsrechtler kritisiert die Regierung und zweifelt an der Erforderlichkeit eines Gesetzes.

Die IG Metall beklagt eine zunehmende Tendenz von Unternehmen, über Werkverträge Arbeit auszulagern und dadurch Kosten zu drücken. Je größer der Betrieb sei, umso mehr werde auch auf Werkverträge gesetzt, sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann. Ausgelagert würden mehr und mehr auch Kernbereiche der Wertschöpfungskette: Werkzeugbau, Forschung und Entwicklung, Logistik, Montage und Produktion.

Gewerkschafts-Umfrage: Auslagerung in Werkverträge

Mehr als zwei Drittel der Betriebe (69 Prozent) kauften inzwischen Leistungen bei anderen Firmen ein, ergab eine Umfrage der IG Metall unter gut 4.000 Betriebsratsvorsitzenden. In fast drei Viertel dieser Fälle müssten die Beschäftigten der Werkvertragsfirmen zu schlechteren Bedingungen arbeiten als ihre Kollegen, die fest angestellt sind. Häufig sei eine solche Fremdvergabe von Arbeit per Werkvertrag mit niedrigeren Löhnen, längeren Arbeitszeiten oder weniger Urlaubstagen verbunden.

Hofmann forderte den Gesetzgeber auf, diesen Missbrauch mit gesetzlichen Regelungen einzudämmen. Dazu gehörten bessere Informationspflichten und mehr Mitwirkungsrechte der Betriebsräte in den Einsatzbetrieben. Arbeitsministerin Andrea Nahles will nach der Sommerpause einen Gesetzentwurf zu Werkverträgen und Leiharbeit vorlegen.

Von wegen Missbrauch: Werkverträge seit Langem bewährt

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hielt der Gewerkschaft vor, "mit einer breit angelegten Kampagne, die seit Jahrzehnten bewährten Werkverträge zu einem Problemfall der modernen Arbeitswelt zu machen". Viele tarifgebundene Unternehmen der Branche arbeiteten selber im Rahmen von Werkverträgen. Auch der Vorwurf, Werkverträge gingen zulasten der Stammbelegschaften, greife nicht. Denn die Zahl der Stammbeschäftigten in der Metall- und Elektro-Industrie steige seit Jahren.

"Verfassungsrechtlich nicht haltbares Anliegen"

Auch der renommierte Arbeitsrechtler Professor Martin Henssler von der Universität zu Köln sieht im Interview mit dem Personalmagazin wenig Bedarf für eine gesetzliche Regelung. Zwar habe es Missbräuche gegeben, diese seien jedoch längst bekämpft. "Aufgrund der geänderten Situation ist derzeit aber nicht ersichtlich, welche angeblichen Missstände heute noch durch eine Kodifikation bekämpft werden sollen. Es fehlt in eklatanter Weise an einer aktuellen Aufarbeitung der Rechtstatsachen, die aber im Vorfeld einer derart einschneidenden Reform, wie sie geplant ist, unverzichtbar wären", kritisiert Henssler in der aktuellen Ausgabe (09/2015) des Personalmagazins (hier können Sie die Ausgabe als App herunterladen) die Regierungsarbeit.

Zumal hinter den aktuellen Überlegungen gerade nicht das Anliegen stehe, Missbräuche zu bekämpfen, meint Henssler. Vielmehr möchten die Befürworter dem allgemeinen Trend zu reduzierten Stammbelegschaften entgegenwirken. Jedoch: "Damit verfolgen sie ein verfassungsrechtlich nicht haltbares Anliegen", ergänzt der Universitätsprofessor.

Versuch, Lohnkosten und Sozialstandards zu drücken

Der Gewerkschafter Hofmann würde dem vermutlich nicht zustimmen. Aus seiner Sicht richte sich die Kritik der Gewerkschaft nicht gegen "sinnvolle Arbeitsteilung" zwischen Unternehmen und Zulieferern, sondern gegen die missbräuchliche Auslagerung von Kerntätigkeiten. Es sei eine "Schande", dass die hoch profitable Branche der Metall- und Elektro-Industrie auf diese Weise versuche, Lohnkosten und Sozialstandards zu drücken.

Zum Teil unter einem Firmen-Dach entwickle sich eine Mehrklassengesellschaft, kritisierte Hofmann weiter. Der tariflich gesicherte Materialversorger des Fahrzeugbauers erhalte einen Stundenlohn von 15,90 Euro. Der outgesourcte Materialversorger bekomme 11,74 Euro, wenn er nach Speditionstarifvertrag bezahlt wird. Ohne Tarifbindung bleibe allenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro.


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dpa/Haufe Online Redaktion

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